Fr., 09.11.2018

Jens Kuznik aus Brakel bereitet altes Fahrrad auf – Tom Kunath pflegt Erbstück des Opas Erinnerungsstück auf zwei Rädern

Jens Kuznik (links) hat das Fahrrad für Tom Kunath restauriert. 13 Jahre lang war das Gefährt der Marke Wanderer nicht mehr bewegt worden. Nun blitzt und blinkt das Liebhaberstück und bekommt einen Ehrenplatz in der Wohnung von Kunath.

Jens Kuznik (links) hat das Fahrrad für Tom Kunath restauriert. 13 Jahre lang war das Gefährt der Marke Wanderer nicht mehr bewegt worden. Nun blitzt und blinkt das Liebhaberstück und bekommt einen Ehrenplatz in der Wohnung von Kunath. Foto: Jürgen Köster

Von Jürgen Köster

Brakel (WB). Es blitzt und blinkt, als hätte es die Manufaktur gerade erst verlassen, dabei ist es mehr als 80 Jahre alt: Das Fahrrad seines Großvaters hat Tom Kunath aufwändig aufarbeiten lassen. Jens Kuznik (Custom Bikes Brakel) hat diesen Auftrag mit großer Begeisterung erfüllt. Nun hat das schwarze Rad einen Ehrenplatz in der Wohnung Kunaths.

Das geflügelte W ist das Markenzeichen der Qualitätsräder aus dem Hause Wanderer. Kunaths Großvater hat ein solches Exemplar vor dem Zweiten Weltkrieg erworben. »Er war Pilot und kam später auch in Gefangenschaft. Das Fahrrad stand während des Krieges zu Hause in Lauchhammer und hat die turbulenten Zeiten überstanden«, berichtet Kunath. Bis 2005 habe sein Opa das Fahrrad gefahren, das er mit nach Brakel gebracht habe. Danach sei es nicht mehr bewegt worden. Als Andenken an seinen Opa und Überraschung für seine Mutter hatte Kunath sich entschlossen, das Rad restaurieren zu lassen.

Jens Kuznik restauriert alte Fahrräder

Diese Aufgabe hat Jens Kuznik mit Bravour gelöst. Der 50-Jährige Jens Kuznik restauriert alte Fahrräder, hat sich dabei auf so genannte »Cruiser« spezialisiert. Er kauft gebrauchte Räder, von denen oft nur das Grundgerüst übrig bleibt. Bei ihm bekommen die Kunden dann generalüberholte Räder, die mit Neuteilen aufgewertet werden.

Bei dem Rad der Marke Wanderer war das ein wenig anders. »Ich habe nach Möglichkeit Teile aus dem Altbestand besorgt und verbaut, keine aus China. Ob Schutzbleche, Farben, Logos oder Plaketten – alles sollte so original wie möglich sein«, blickt Kuznik zurück.

Rückstrahler hat eine Besonderheit

Das Rad wurde bis auf den Rahmen zerlegt, gesandstrahlt und pulverbeschichtet. Es bekam eine Originallackierung. Felgen mit den für Wanderer typischen weiß-blauen Streifen hat Kuznik neu eingespeicht. Manche Bauteile hat er in alten Katalogen entdeckt, andere wie den Rückstrahlen aus dem Altbestand bestellen können. Der Rückstrahler hat eine Besonderheit, wie Kuznik berichtet: Er leuchtet nicht nur rot nach hinten, sondern ermöglicht es dem Radler über zwei kleine gelbe gewölbte Glasplättchen vom Sattel aus zu kontrollieren, ob das Rücklicht einwandfrei funktioniert. Das Sandstrahlen der klobigen Vorderlampe hat Kunath selbst übernommen.

Geflügeltes W ziert Schutzblech

Das geflügelte W ziert nun wieder das vordere Schutzblech. Die Logos sind alle schraubbar, und selbst die Ledertasche für Werk- und Flickzeug scheint aus den 1930er Jahren zu stammen, in denen das robuste Rad gebaut worden ist. 1885 hatten die Fahrradpioniere Richard Adolf Jaenicke und Johann Baptist Winklhofer ihr »Veloziped-Depot« in Chemnitz eröffnet. Bereits ein Jahr später stellten sie ihr erstes Hochrad vor: ein Fahrrad namens Wanderer. Neben Fahrrädern produzierte Wanderer später auch Schreibmaschinen, Motorräder und Autos.

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