Von Taliban bedroht? – Brakeler Flüchtlingshilfe kritisiert Bundesamt
Afghanen droht Abschiebung

Brakel (WB/fsp). Obwohl er eigenen Angaben nach auf der ­Todesliste der Taliban steht, soll ein seit dreieinhalb Jahren in ­Brakel lebender 28-jähriger Asylbewerber aus Afghanistan wieder in sein Heimatland abgeschoben werden.

Donnerstag, 20.12.2018, 05:00 Uhr aktualisiert: 20.12.2018, 10:12 Uhr
Symbolbild. Foto: dpa
Symbolbild. Foto: dpa

Für diese Entscheidung des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge haben der Arbeitskreis Ökumenische Flüchtlingshilfe und die hauptamtlich in der Flüchtlingsarbeit tätige Caritas-Mitarbeiterin Marion Benzait kein Verständnis.

Ins Visier der Taliban soll der 28-Jährige geraten sein, weil er als Elektriker für das amerikanische Militär gearbeitet haben soll. Seine zwei afghanischen Kollegen seien auf der Busfahrt von der Arbeit nach Hause gezielt aus dem Fahrzeug geholt und ermordet worden. Es sei dem Zufall zu verdanken gewesen, dass er nicht mit ihnen unterwegs war und ebenfalls umgebracht wurde.

»Mein Vater und mein Bruder sind anschließend ermordet worden, weil sie meinen Aufenthaltsort nicht verraten wollten«, sagt der Asylbewerber, der aus Angst vor den Taliban seinen Namen nicht veröffentlicht wissen will. Auf einem Plakat hätten die Taliban angekündigt, dass auch ihm dieses Schicksal drohe.

Harrer: »Für uns ist die Ablehnung völlig unverständlich«

Das Team der Flüchtlingshilfe hat keine Zweifel, dass die Schilderung des Familienvaters den Tatsachen entspricht. »Für uns ist die Ablehnung völlig unverständlich«, sagt Hans-Georg Harrer, Sprecher der Ökumenischen Flüchtlingshilfe. »Was muss einem afghanischen Flüchtling noch zustoßen, damit ihm die Flüchtlingseigenschaft zuerkannt wird?«

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hingegen vertritt die Ansicht, dass es mit der Provinz Herat im westlichen Afghanistan eine »interne Schutzalternative« gebe. Dort könne er sich ein neues Leben aufbauen. Dass er Frau und Kinder hat, hält das Amt für vernachlässigenswert. »Seine Frau und Kinder sind offenkundig nach der Ausreise anderweitig versorgt worden und seitdem nicht auf die Unterstützung des Antragsstellers angewiesen gewesen«, schreibt die Behörde. Gegen den Bescheid hat der Afghane, der zurzeit eine Ausbildung zum Elektriker absolviert, Widerspruch beim Verwaltungs­gericht Minden eingelegt.

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