Di., 16.04.2019

Bundeswehr-Standort Auenhausen einer von 108 Verdachtsfällen Boden in Auenhausen vergiftet?

Auf dem Gelände der Radarstation hat es sporadisch Feuerwehr-Übungen gegeben. Denkbar wäre es, dass dabei auch PFC in den Boden und das Grundwasser eingetragen wurde. Orientierende Untersuchungen sollen nun Gewissheit geben.

Auf dem Gelände der Radarstation hat es sporadisch Feuerwehr-Übungen gegeben. Denkbar wäre es, dass dabei auch PFC in den Boden und das Grundwasser eingetragen wurde. Orientierende Untersuchungen sollen nun Gewissheit geben. Foto: Frank Spiegel

Von Frank Spiegel

Auenhausen (WB). Das Erdreich der Radarstation in Auenhausen steht im Verdacht mit per- und polyfluorierten Chemikalien (PFC) kontaminiert zu sein. Wie der Bayerische Rundfunk berichtet, ist bei 18 Liegenschaften der Bundeswehr die Kontamination bestätigt. 108 weitere Standorte gelten als Verdachtsfälle – so auch der in Auenhausen.

Die Radarstation ist der einzige betroffene Standort in Ostwestfalen-Lippe.

Auf der Liegenschaft in Auenhausen war bis 1993 eine Bundeswehr-Feuerwehr stationiert. »Bei Vorhandensein einer Feuerwehr kann nicht ausgeschlossen werden, dass PFC-haltiger Löschschaum auf der Liegenschaft eingesetzt oder umgeschlagen wurde«, berichtet eine Sprecherin des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr (BAIUDBw), auf Anfrage des WESTFALEN-BLATTES. Infolge einer Verwendung von Löschschäumen im Übungsbetrieb oder Einsatz könne in Auenhausen PFC in den Boden und das Grundwasser eingetragen worden sein.

Nach Kenntnis des BAIUDBw hat die Bundeswehr-Feuerwehr zwischen 1974 und 1993 »sporadisch Löschübungen mit brennbaren Flüssigkeiten und Schwerschaum auf der Liegenschaft durchgeführt.«

Sporadische Löschübungen

Die genaue Zusammensetzung des damals verwendeten Löschschaums sei nicht bekannt, jedoch könne nicht ausgeschlossen werden, dass es sich hierbei um PFC-haltigen Löschschaum handelte.

Nach WESTFALEN-BLATT-Informationen soll es sich bei dem zu Übungszwecken verwendeten Schaum allerdings um Schwerschaum gehandelt haben, der mittels eines Schaummittels aus organischen Stoffen hergestellt wurde.

PFC steht unter anderem im Verdacht krebserregend zu sein. Die Chemikalie kann nicht abgebaut werden und bleibt für immer in der Umwelt.

Die Bundeswehr weiß seit August 2015 von dem Verdacht, dass das Erdreich kontaminiert sein könnte. Die BAIUDBw-Sprecherin: »Nach Bekanntwerden des Verdachts wurde eine Erfassung und Erstbewertung der PFC-Verdachtsflächen im Rahmen des Altlastenprogramms der Bundeswehr veranlasst.«

Wie die Sprecherin gegenüber dem WESTFALEN-BLATT versicherte, verfolge die Bundeswehr die Bearbeitung der PFC-Kontaminationen mit Priorität. »Sofern nötig, ergreift die Bundeswehr Sofortmaßnahmen zur Gefahrenabwehr«, erläuterte sie.

Die Kontaminationsbearbeitung werde im Rahmen des Altlastenprogramms der Bundeswehr in unterschiedlichen Phasen bearbeitet.

In Phase I würden kontaminationsverdächtige Flächen (KVF) erfasst und bewertet. Die Phase II umfasse eine orientierende Untersuchung, eine Detailuntersuchung sowie eine abschließende Gefährdungsabschätzung. Nach der abschließenden Gefährdungsabschätzung werde durch die örtliche Behörde entschieden, ob eine Sanierungsplanung, -durchführung und -nachsorge nötig sei. Das sei die Phase III.

Drei Phasen

»Im Bereich der Verdachtsflächen Auenhausen sollen zeitnah orientierende Untersuchungen zwecks Ausschluss oder Bestätigung des Verdachts auf Boden- und/oder Grundwasserkontaminationen mit PFC durchgeführt werden«, erläuterte die BAIUDBw-Sprecherin, dass sich der Standort im Höhendorf in Phase II befindet.

Zu den bestätigten Kontaminationen zählt der Bundeswehr-Flugplatz nahe der Gemeinde Manching in Oberbayern. Die Folgen für den Ort sind dramatisch.

Wie der Bayerische Rundfunk berichtet, dürfen dort in angrenzenden Ortsteilen Anwohner ihre Gärten nicht mehr mit Brunnenwasser gießen. Wer ein Haus bauen wolle, könne das nur ohne Keller machen. Oder er müsse die Entsorgung des Aushubs bezahlen. Bei diesem handele es sich um Sondermüll.

Bürgermeister Hermann Temme wurde vom WESTFALEN-BLATT mit dem Thema überrascht. »Die zuständigen Stellen müssen den Sachverhalt nun umfassend aufklären. Die Sache ist auf jeden Fall ernst zu nehmen«, sagte er ein einer ersten Stellungnahme.

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