Di., 14.05.2019

Stiller Protest bei der Aktion »Maria 2.0« in Frohnhausen »Der Worte sind genug gewechselt«

Bei der Eucharistiefeier gab es anstelle der Hostie einen selbst gebackenen Hefezopf, der miteinander geteilt wurde.

Bei der Eucharistiefeier gab es anstelle der Hostie einen selbst gebackenen Hefezopf, der miteinander geteilt wurde. Foto: Ellen Waldeyer

Von Ellen Waldeyer

Brakel-Frohnhausen (WB). Etwa fünfzig Frauen und Männer haben sich vor den Kirchentüren in Frohnhausen versammelt, um für Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern sowie für die Aufklärung bei Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche im Rahmen der bundesweiten Aktion »Maria 2.0« einzustehen.

Viele Frauen, aber auch Männer fanden sich an diesem Morgen zusammen und trotzten der Kälte. Sie weigerten sich die christliche Messe an diesem Morgen zu besuchen und feierten ihren eigenen Wortgottesdienst vor der Kirche. Es wurde gemeinsam gesungen und gebetet.

Nachdenkliche Texte zum Thema wurden vorgelesen. Auch das Brot wurde miteinander geteilt: natürlich nicht die Hostie, sondern ein selbst gebackener Hefezopf. Die Aktion »Maria 2.0« ist zwar ein Kirchenstreik, allerdings in sehr ruhiger Form und nicht mit lauten Protesten, wie man einige Streiks sonst kennt.

Beginn mit fünf Frauen

»Maria 2.0« stammt aus der Heilig Kreuz-Gemeinde in Münster und hat in einem kleinen Rahmen mit fünf Frauen begonnen. In dieser Woche streiken die Frauen bundesweit für mehr Frauenrechte, betreten keine Kirchen und üben ihre Ämter nicht aus. Ohne die Frauen ist es in den Kirchen leer, und viele wichtige Aufgaben werden von ihnen in dieser Zeit nicht übernommen.

»Der Worte sind genug gewechselt. Es muss eine andere Form des Protests her, damit endlich etwas passiert«, begann Nicole Barkhausen, kfd-Vorsitzende der St. Bartholomäus-Gemeinde in Frohnhausen, den Wortgottesdienst.

Noch weit entfernt

Gleichberechtigung sei immerhin sogar im Grundgesetz versprochen worden, wovon die Kirche allerdings noch weit entfernt bleibe. Dass Frauen keine Priesterinnen werden oder andere höhere Ämter übernehmen dürften, dafür gebe es keine rechtfertigende Bibelstelle. Es sei an der Zeit, etwas zu verändern und für die Kirche zu kämpfen.

»Auch, wenn wir in unserer Gemeinde mit Gottesdiensten und sehr guten Pastoren ausreichend versorgt sind, so wollen wir trotzdem auf die allgemeinen Missstände aufmerksam machen«, betonte Nicole Barkhausen. »Wir lieben die Kirche und sind ein Teil davon. Doch wenn manche Dinge nicht mit der Zeit gehen, verschwinden sie irgendwann. Das wollen wir nicht. Wir wollen, dass sich die Kirche Stück für Stück erneuert und uns erhalten bleibt«, bekundete sie weiter.

Texte zum Rollenbild

Passend zu dem Thema wurden Texte über das Rollenbild der Frau vorgelesen. »Jesus hat niemals jemanden aufgrund seines Geschlechts ausgegrenzt«, erklärte Britta Waldeyer, ebenfalls kfd-Mitglied der St. Bartholomäus-Gemeinde.

Die kfd-Frauen verwiesen auch auf weitere Positionierungen. So könne sich Kardinal Claudio Hummes, ranghöchster Geistlicher bei den Vorbereitungen der Amazonas-Synode, nach eigenen Aussagen auch Frauen als Priesterinnen vorstellen. Neben den Frauenrechten beschäftigt sich die Aktion »Maria 2.0« auch mit den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche. Die Vertuschungen durch Amtsträger und das Fehlen echter Hilfe für die Opfer, denen Gewalt angetan wurde, solle aufgearbeitet werden.

Das sehen nicht nur die streikenden Frauen und Männer wie in Frohnhausen so, sondern auch viele Geistliche, wie bei der Aktion deutlich wurde: Der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode mahne, dass man zwar schon seit 16 Jahren von den Missbrauchsfällen wisse, allerdings nicht an den Kernfragen arbeite. Er stelle die Frage, inwieweit Zölibat und sexuelle Verfehlungen zusammenhingen.

Unterschriften

Papst Franziskus verpflichtete Geistliche, dass die Fälle des sexuellen Missbrauchs in der katholischen Kirche gemeldet werden müssen. Außerdem müssen leicht zugängliche Anlaufstellen für Opfer in Diözesen weltweit eingerichtet werden. »Die Kirche darf kein rechtsfreier Raum sein«, beteuerte Nicole Barkhausen. Im Erzbistum Paderborn gebe es bereits einen Missbrauchsbeauftragten, und 2011 seien einige verbindliche Richtlinien bei einer Bischofskonferenz erlassen worden.

Nach dem Wortgottesdienst wurde der Brief der Frauen aus Münster, der an Papst Franziskus weitergeleitet werden soll, vorgelesen. Abschließend gab es für die Teilnehmenden auch noch die Möglichkeit, diesen zu unterzeichnen.

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