Fr., 14.06.2019

Immer mehr Menschen nutzen Angebot der Caritas Beratungsbedarf steigt stetig

Adelheid Miß-Litfin (von links), Marie-Luise Bonsch, Thomas Rudolphi, Naznine Soundarjee, Steffani Schröder-Czornik und Dr. Cornelia Wiemeyer-Faulde haben den Bericht des Beratungszentrums mit Sitz in Brakel vorgestellt.

Adelheid Miß-Litfin (von links), Marie-Luise Bonsch, Thomas Rudolphi, Naznine Soundarjee, Steffani Schröder-Czornik und Dr. Cornelia Wiemeyer-Faulde haben den Bericht des Beratungszentrums mit Sitz in Brakel vorgestellt. Foto: Frank Spiegel

Von Frank Spiegel

Brakel (WB). Das Team des Beratungszentrums der Caritas in Brakel hatte auch im vergangenen Jahr alle Hände voll zu tun. Die Nachfrage hat sich so stark erhöht, dass Vorsitzender Thomas Rudolphi mit dem Kreis Gespräche führen will, um fünf weitere Vollzeitstellen zu den vorhandenen 20 schaffen zu können.

Im vergangenen Jahr wurden in allen Abteilungen 2058 Klienten beraten und begleitet. Seit 2016 überschreitet die Zahl der Klienten die 2000er-Grenze.

Abteilungsübergreifend

Im Jahr 2018 wurde erneut abteilungsübergreifend die Elterngruppe »Stressfreier Alltag« für psychisch kranke Eltern mit Kindern im Alter bis fünf Jahren im Kreis Höxter angeboten. Wie das Team des Beratungszentrums berichtet, habe es hier zahlreiche positive Rückmeldungen von Seiten der Eltern gegeben. Unter anderem hätten sie von den Erfahrungen der anderen Teilnehmer profitiert und gegenseitige Stärkung erfahren.

Wie Naznine Soundarjee, zuständig für die Beratung für Eltern, Kinder und Jugendliche, berichtet, betreut diese Abteilung eine Gruppe von Trennungs- und Scheidungskindern sowie eine Gruppe bedürftiger Kinder. Wie sie ausführte, hat das Team insgesamt 490 Fälle betreut. Naznine Soundarjee: »Ziel der Beratungen ist es, den Eltern, Kindern und Jugendlichen in schwierigen Zeiten Unterstützung zu geben, die psychosoziale Versorgung der Kinder zu verbessern und ein Netzwerk für die Zusammenarbeit unterschiedlicher Einrichtungen zu schaffen.«

Zugenommen hat nach ihren Ausführungen die Zahl hochstrittiger Eltern im Trennungsfall, die auch in die Zeit nach der Trennung wirkten. Ebenfalls vermehrt habe das Team mit Jugendlichen mit Suizidgedanken zu tun gehabt. »Viele Jugendliche möchten zunächst nicht, dass ihre Eltern davon erfahren«, erläuterte sie. Das könne an mangelndem Vertrauen liegen, manchmal seien die Eltern aber auch die Ursache.

Orientierung geben

Stark zugenommen habe die Zahl der jungen Erwachsenen zwischen 18 und 21 Jahren, die die Beratung aufgesucht hätten. »Wichtige Aspekte der Beratung bleiben Orientierung, Lebensplanung, Beziehungsgestaltung, Identitätsbildung und Ablösungsprozesse«, nannte sie Beispiele.

Durch den Sozialpsychiatrischen Dienst des Beratungszentrums wurden im vergangenen Jahr 691 Klienten beraten und begleitet. 3400 Kontakte wurden dokumentiert. Das entspricht 1046 Kontakten pro Berater. Wie Steffani Schröder-Czornik, Leitende Ärztin des Sozialpsychiatrischen Dienstes, erläuterte, sei die niederschwellige Beratung und Betreuung eine der Kernaufgaben. »Sie bezieht sich nicht nur auf die im Kreis Höxter lebenden Bürgerinnen und Bürger mit psychischen Problemen, sondern auch auf ihre Angehörigen und auf andere um sie besorgte Menschen«, klärte sie auf. Auch die Zahl aus der Gruppe der Letztgenannten habe im vergangenen Jahr zugenommen. Das gelte auch für die 127 Kriseninterventionen, bei denen sich Menschen im vergangenen Jahr in der krisenhaften Situation eines psychisch Kranken an den Dienst gewandt hätten.

Bei den chronisch psychisch Erkrankten Klienten sei eine fortlaufende Begleitung – oftmals über mehrere Monate bis hin zu vielen Jahren – durch den Sozialpsychiatrischen Dienst erforderlich.

Auch in der Drogen- und Suchtberatung ist – wie seit Jahren – die Zahl der Kontakte gestiegen. Wie deren Leiterin Adelheid Miß-Litfin ausführte, führte das Team in 2018 2854 Beratungsgespräche. In 2017 waren es noch 2775 Gespräche. Die Altersspanne der Ratsuchenden habe zwischen 16 und 68 Jahren gelegen. Mit 54 Prozent die größte Gruppe sei die der Alkoholabhängigen. Abweichend zu den Vorjahren sei der Anteil der alkoholabhängigen Frauen um fünf Prozent gestiegen.

Mehr abhängige Frauen

Der Anteil der Konsumenten von illegalen Drogen ist nach ihren Ausführungen um zwei Prozent auf 38 Prozent gestiegen.

Ebenfalls vermehrt werde die ambulante Rehabilitation Sucht in Anspruch genommen. 55 Klienten hätten diese Möglichkeit in 2018 gewählt. »Die ambulante Reha Sucht eignet sich sowohl für Alkoholabhängige als auch für medikamenten- und drogenabhängige Menschen«, erläuterte die Leiterin. Sie habe sich seit mehr als 20 Jahren als geeignete Behandlungsform für abhängigkeitserkrankte Menschen erwiesen.

»Auch wenn es oft anders wahrgenommen wird, steht bei uns die Suchtprävention an erster Stelle«, stellte Adelheid Miß-Litfin klar. Im Jahr 2018 habe die Sucht- und Drogenberatung in 53 teilweise mehrtägigen Veranstaltungen insgesamt 1174 Personen erreicht.

Nach den Worten der Leiterin der Frühförderung und Beratung, Marie-Luise Bonsch, wurde dieses Angebot 2018 von 152 Eltern angenommen. »Im Gegenzug konnte die Frühförderung für 76 Kinder beendet werden«, ergänzte sie. Die Frühförderung umfasse die Förderung behinderter und von Behinderung bedrohter Kinder von der Geburt bis zur Einschulung sowie die Beratung ihrer Eltern und Erziehenden.

Deutlich gestiegen ist die Zahl derjenigen, die die Ehe-, Familien- und Lebensberatung in Anspruch genommen haben. Wie deren Leiterin Dr. Cornelia Wiemeyer-Faulde ausführte, sei die Zahl von 1355 auf 1611 Beratungsstunden gewachsen. Das liege aber auch daran, dass das Team durch Miriam Merschbrock, Rainer Fromme und Birgit Barbaris-Schlegel verstärkt worden sei. Der Schwerpunkt liege mit 56 Prozent weiter bei der Arbeit mit Paaren. Oft kämen aber auch in den Einzelgesprächen oft Paarthemen oder die durch Trennung oder Scheidung entstehenden Problemlagen zur Sprache.

Nicht zu lange warten

Bei 40 Prozent der Paarberatungen werde anschließend eine Besserung der Situation angegeben, bei 20 Prozent eine leichte Besserung. Dr. Cornelia Wiemeyer-Faulde appellierte an Paare in Krisen, sich frühzeitig an die Ehe-, Familien- und Lebensberatung zu wenden und nicht erst wenn man bemerke, dass die Phase der Entfremdung schon begonnen habe.

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