Mi., 19.06.2019

Dr. Josef Lammers war fast 32 Jahre Chef der Kreisstelle in Brakel »Mister Kammer« geht in Pension

Dr. Josef Lammers vor dem Haupteingang der Landwirtschaftskammer in Brakel. Nach genau 31 Jahren und elf Monaten wird der 65-Jährige heute in den Ruhestand verabschiedet. Die Feierstunde findet in Marienmünster statt.

Dr. Josef Lammers vor dem Haupteingang der Landwirtschaftskammer in Brakel. Nach genau 31 Jahren und elf Monaten wird der 65-Jährige heute in den Ruhestand verabschiedet. Die Feierstunde findet in Marienmünster statt. Foto: Marius Thöne

Von Marius Thöne

Brakel (WB). Nach fast 32 Jahren an der Spitze der Landwirtschaftskammer in Brakel ist Dr. Josef Lammers (65) am Mittwoch in den Ruhestand verabschiedet worden. In die Amtszeit des gebürtigen Münsterländers fiel unter anderem die Fusion der Kreisstellen Höxter, Paderborn und Lippe und die weitgehende Konzentration der Mitarbeiter in Brakel.

Lammers geht den langen schmalen Flur zu seinem Büro entlang. »Wie oft ich den wohl in den vergangenen Jahrzehnten gelaufen bin? Fünfmal am Tag mindestens«, sagt er und wirkt ein bisschen wehmütig. Seine Mitarbeiter werde er vermissen. »Besonders der tägliche Austausch wird mir fehlen«, bekennt der studierte Agrarwissenschaftler.

Lammers ist auf einem landwirtschaftlichen Betrieb in Hörstel (Kreis Steinfurt) aufgewachsen. Nach Abitur und Wehrdienst studierte er in Bonn Agrarwissenschaften, wo er auch promovierte. Schon während der Referendarzeit kam er zur Landwirtschaftskammer. 1987 wurde er zum Leiter der Kreisstelle Höxter und zum Schulleiter der damaligen Landwirtschaftsschule in Brakel bestellt.

»Geburtsstunde der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung«

»Es war eine Zeit des Aufbruchs«, stellt der passionierte Jäger rückblickend fest. Einige Jahre zuvor war in Brakel die Höhere Landbauschule (Höla) eingerichtet worden. »Wir hatten viele gut ausgebildete junge Leute, die ihre Höfe nach vorne bringen wollten«, berichtet Lammers von einer zunehmenden Veredelung und Wachstumsmöglichkeiten.

Nach der Wende haben er und seine Kollegen vor der »Kammer« in Brakel den Aufbau Ost in Brandenburg begleitet. »Wir haben die Produktionsgenossenschaft aufgelöst und für viele so genannte Wiedereinrichter Eröffnungsbilanzen gerechnet«, blickt er zurück. Wiedereinrichter waren Bauern, die aus den LPGen ausschieden, ihr Land zurückforderten und einen Neuanfang begannen. »Das war eine spannende Zeit, in der ich die Stärken von Familienbetrieben schätzen gelernt habe«, erzählt Lammers.

Zu Beginn der 1990er Jahre wurde der Kreis Höxter als strukturschwaches Gebiet mit einer besonderen EU-Förderung bedacht. Weil das Fördergeld auch verwaltet werden musste, mussten Strukturen geschaffen werden. »Da schlug die Geburtsstunde der Gesellschaft für Wirtschaftsförderung«, berichtet Lammers, der als wichtige Wegbereiter dieses Projektes auch den damaligen Bundestagsabgeordneten Meinolf Michels und den späteren Landrat Hubertus Backhaus nennt.

Als die damalige grüne Umweltministerin Bärbel Höhn 2003 die Mittel für die bis dahin selbstständigen Landwirtschaftskammern Westfalen-Lippe und Rheinland drastisch zusammenkürzte, fusionierten beide Einrichtungen. Das hatte auch Auswirkungen auf die Kreisstellen. Die bislang selbstständigen Kammer-Niederlassungen in Brakel, Paderborn und Lage fusionierten. Der Hauptsitz wurde Brakel.

80 Menschen arbeiten für die Kreisstelle

»Das lag vor allem daran, dass es hier nach der Schließung der Landwirtschaftsschule ein großes Gebäude gab, in dem alle Mitarbeiter einen Platz finden konnten, und das sich zudem noch im Eigentum der Kammer befand. Das war die kostengünstigste Lösung«, blickt Lammers zurück. Die Idee eines Neubaus im Raum Steinheim oder in Schlangen wurde aus Kostengründen verworfen. Heute arbeiten etwa 80 Menschen für die gemeinsame Kreisstelle, die meisten in Brakel. In Paderborn gibt es noch eine Nebenstelle.

Seit der Einführung der Direktzahlungen für Landwirte im Jahr 1992 sind viele der Kammermitarbeiter auch mit dem Thema EU-Subventionen befasst. Zwar habe es in den vergangenen Jahren technische Erleichterungen gegeben, dennoch seien die Abläufe mit jeder Reform bürokratischer und komplizierter geworden. »Für viele Landwirte ist das in der Praxis ein ganz schön schweres Thema«, so Lammers.

Wenn der Leitende Landwirtschaftsdirektor heute Vormittag bei einer Feierstunde in Marienmünster seine Entlassungsurkunde überreicht bekommt, beginnt für ihn ein neuer Lebensabschnitt. Er freut sich auf mehr Zeit - für die Familie (Lammers ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder) sowie alte Freunde und Bekannte. Der Politik möchte der CDU-Fraktionschef im Höxteraner Kreistag aber erhalten bleiben. »Ich möchte bei den Wahlen zum Kreistag noch einmal antreten«, kündigt er an.

Sein Büro hat er inzwischen aufgeräumt. In der kommenden Woche wird dort sein Nachfolger Stefan Berens einziehen. Der Bödexer war bislang stellvertretender Geschäftsführer.

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