Do., 16.01.2020

18. Funktionsmodell erfordert Tüftelei – Ideentischlerei unterstützt Modellbundesbahn Pirouetten auf Knopfdruck

Bahn-Fan Uwe Rottermund zeigt einen der winzigen Rollschuhfahrer, die auf dem Gelände der Modellbundesbahn ihre Runden drehen. Lange musste der Brakeler tüfteln bis das Modell wie gewünscht funktionierte.

Bahn-Fan Uwe Rottermund zeigt einen der winzigen Rollschuhfahrer, die auf dem Gelände der Modellbundesbahn ihre Runden drehen. Lange musste der Brakeler tüfteln bis das Modell wie gewünscht funktionierte. Foto: Frank Spiegel

Von Frank Spiegel

Brakel (WB). Wer heute auf Rollen an den Füßen über den Asphalt rollt, trägt zumeist Inlineskates. 1975 haben sich zumeist junge Menschen dieses Vergnügen ebenfalls gegönnt, damals hießen die Teile, die man sich unter die Schuhe schnallte, allerdings Rollschuhe und waren deutlich einfacher gebaut als die modernen Sportgeräte. Gar nicht einfach war es für das Team der Modellbundesbahn, eine Gruppe sich bewegender Rollschuhfahrer auf der Anlage, die im Jahr 1975 spielt, zu verwirklichen .

Auf dem Parkplatz neben dem Friedhof in Ottbergen drehen nun Rollschuhfahrer auf Knopfdruck ihre Runden. Dahinter steckt aufwändige Technik. Foto: Frank Spiegel

Der Herausforderung gestellt hat sich Eisenbahnfan Uwe Rottermund. „Wir hatten überlegt, wie wir den Bereich des Friedhofes in Ottbergen mit einem weiteren Funktionsmodell im wahrsten Sinne des Wortes ein wenig beleben können“, schildert Modellbundesbahn-Geschäftsführer Karl Fischer den Ursprung der Idee. Bei einem Brainstorming sei dann der Gedanke entstanden, den Parkplatz dort mit Rollschuh fahrenden Kindern zu beleben.

Magneten als Lösung

Im März begann Uwe Rottermund daran zu tüfteln, wie sich die Aufgabe lösen ließe. „Dass Magneten unter der Platte ein Weg dahin sein würden, war mir schon ziemlich früh klar. Aber wir wollten auch eine gewisse Leichtigkeit und Dynamik in der Bewegung“, blickt der Brakeler zurück. Dass die Rollschuhfahrer immer dieselbe Strecke führen, sei schließlich langweilig.

Die Anordnung der sich gegenseitig beeinflussenden Magnete auf exzentrischen Kreisbahnen brachte schließlich die Lösung, die die jungen Leute nun auf Knopfdruck ihre Runden drehen lassen. Die Figuren drehen sich mal rechts herum, mal links herum. Gelegentlich werden sogar Pirouetten gedreht. Keine Fahrt gleicht der anderen. 45 Sekunden dauert diese.

400 Stunden Arbeit hat Uwe Rottermund in die Verwirklichung der Rollschuhfahrer-Idee gesteckt. Wenn er die muntere Truppe so sieht, könnte er fast ein wenig neidisch werden. „Ich bin immer nur hingefallen“, gesteht er mit einem Schmunzeln auf den Lippen.

Ohne jede Vorlage

Karl Fischer (links) und Norbert Sickmann von der Modellbundesbahn sind Uwe Oeynhausen für seine Unterstützung dankbar. Foto: Frank Spiegel

Weil das Element fest in die Modellbundesbahn eingebaut ist, sollte es in jedem Fall wartungsarm sein. Die Mechanik hat Uwe Rottermund daher aus Metall gebaut, die Magnete sind besonders hochwertige Neodyn-Magnete, und eine Schutzschaltung sorgt dafür, dass sich für den Fall, dass doch einmal etwas nicht funktioniert wie es sollte, der Schaden in Grenzen hält. Es ist das 18. Funktionsmodell in der Modellbundesbahn.

„Eine Vorlage dazu gab es nicht. Da blieb mir nur das Ausprobieren nach dem Prinzip Versuch und Irrtum“, blickt er zurück.

Für eine anderes Projekt gibt es sehr wohl Vorlagen – und was für welche: das große und das kleine Viadukt bei Altenbeken. Bernard Huguenin hatte die Maße des Originals detailgetreu am Computer auf den Maßstab 1:87 heruntergerechnet und daraus Dateien generiert, mit denen die hochmodernen Fräsmaschinen in der Ideentischlerei von Uwe Oyenhausen in Brakel etwas anfangen konnten. 36.000 Linien sind so erfasst worden. In sechs Tagen sind im Betrieb des Brakeler Unternehmers mehr als eine Tonne Holz zu Rahmen, Spanten und Trassen verarbeitet worden.

36.000 Linien erfasst

„Ich bin Brakeler Tischler und freue mich, dass die Modellbundesbahn den Weg zu uns gefunden hat“, erklärt Uwe Oeynhausen den Grund für sein unentgeltliches Engagement.

620 Arbeitsstunden stecken in diesem ehrgeizigen Projekt. Denn dem Team der Modellbundesbahn reicht es nicht, dass das Ergebnis aussieht wie originalgetreu. Es muss im Maßstab jedes Detail passen. „Bei uns stimmt jeder Stein“, verspricht Karl Fischer und nennt damit auch ein Alleinstellungsmerkmal, das die Anlage in Brakel mindestens in Deutschland in dieser Form einmalig macht.

Das will das Team der Modellbundesbahn in Zukunft auch offensiver vermarkten.

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