Mi., 29.01.2020

Lebenshilfe und Allerkamp-Lücking planen Wohnanlage auf 16.500 Quadratmeter Millionenprojekt am Bohenkamp

Präsentieren gemeinsam die vorläufige Planung (von links): Bauamtsleiter Johannes Groppe, Jerome Major (Geschäftsführers der Lebenshilfe Brakel), Tobias Nolte (Geschäftsführer von Allerkamp-Lücking) und Bürgermeister Hermann Temme.

Präsentieren gemeinsam die vorläufige Planung (von links): Bauamtsleiter Johannes Groppe, Jerome Major (Geschäftsführers der Lebenshilfe Brakel), Tobias Nolte (Geschäftsführer von Allerkamp-Lücking) und Bürgermeister Hermann Temme. Foto: Dennis Pape

Von Dennis Pape

Brakel (WB). Die Lebenshilfe plant mit der Firma Allerkamp-Lücking ein Vorzeigeprojekt am Bohenkamp in Brakel für 18 bis 20 Millionen Euro. Auf 16.500 Quadratmetern soll eine moderne Wohnanlage – insbesondere für selbstbestimmtes Wohnen im Alter – entstehen. Der Bauausschuss hat am Mittwochabend einstimmig grünes Licht für die Aufstellung eines dafür benötigten Bebauungsplanes gegeben.

Zukunftsorientiertes Konzept

Jerome Major, Geschäftsführer der Lebenshilfe in Brakel, und sein Partner Tobias Nolte, Geschäftsführer von Allerkamp-Lücking, haben im Zentrum des Kreises Höxter Großes vor: Am Bohenkamp soll nach ihren Planungen ein zukunftsorientiertes Konzept umgesetzt werden. „Dieses sieht in erster Linie selbstbestimmtes und sicheres Wohnen im Alter, die Einbindung der Nachbarschaft und des Ehrenamtes, Quartiers- und Seniorenarbeit, aber auch Wohnraum für alle Generationen vor“, erläuterte Major im Gespräch mit dem WESTFALEN-BLATT bereits vor der Ausschusssitzung.

Kein Pflegeheim, sondern „Service-Wohnen“

„Derzeit sprechen wir zunächst über Pläne – bezüglich der konkreten Umsetzung sollen unter anderem auch die Nachbarn, interessierte Bürger, Quartiersexperten, die Stadt und das Seniorenbüro mit einbezogen werden. Eine mögliche Bebauung könnte sich aus barrierefreiem Wohnraum, Tagespflege, betreutem Wohnen, einem Quartierszentrum sowie Einfamilienhäusern zusammensetzen“, sagte Major. Es solle kein Pflegeheim entstehen, sondern die Möglichkeit zum „Service-Wohnen“ geboten werden. Es könnte fünf dreigeschossige Gebäude mit insgesamt 40 bis 50 Wohneinheiten geben. Kaufen und mieten sei möglich.

Tobias Nolte ergänzte: „Außerdem soll es Räumlichkeiten für Ärzte oder Therapeuten geben – wovon wiederum die gesamte Stadt Brakel profitieren könnte.“ „Das ist eine große Chance für unsere Stadt“, meinte auch Bürgermeister Hermann Temme und bezeichnete das Areal als „Filetgrundstück im Dornröschenschlaf“ – nicht zuletzt, weil die gesamte Infrastruktur fußläufig zu erreichen ist.

„Bebauung grundsätzlich möglich“

Apropos Grundstück: Das galt laut Bauamtsleiter Johannes Groppe jahrzehntelang als unbebaubar – weil unter anderem kein zusätzliches Regenwasser in den Siechenbach eingeleitet werden darf. „Es gab in den vergangenen Jahren bereits viele komplizierte Überlegungen, die jedoch alle gescheitert sind. Die Lebenshilfe hat hier jetzt bereits sehr gut vorgearbeitet und neue Wege gefunden“, so Groppe.

„Wir haben zunächst die Erbengemeinschaft angesprochen und anschließend Bodengutachten erstellen lassen – wir stehen in engem Kontakt mit der unteren Wasserbehörde und der Stadt. Dabei hat sich herausgestellt, dass eine Bebauung grundsätzlich möglich ist, wenn das Regenwasser auf dem Grundstück versickert. Außerdem müssen wir auf Keller und Tiefgaragen verzichten“, erläuterte Jerome Major. Das auf dem Gelände befindliche abgängige alte Haus mit Scheune sei unbewohnt und soll nach seinen Ausführungen abgerissen werden.

Erschließung über Driburger Straße

Die verkehrstechnische Erschließung des Quartiers soll nach ersten Planungen über die Driburger Straße erfolgen. Die Straße Bohenkamp gehe in den Besitz der Stadt Brakel über, das Flurstück 24 in den Besitz der Lebenshilfe sowie Allerkamp-Lücking.

„Vorbehaltlich aller Schritte im Verfahren zum Bebauungsplan und der notwendigen Genehmigungen könnte Anfang des kommenden Jahres gebaut werden“, betonte Nolte. „Es wäre schön, wenn wir 2022 einziehen können“, sagte Major.

Bürgermeister Temme bezeichnete das Projekt und das Engagement der Lebenshilfe sowie der Firma Allerkamp-Lücking als vorbildlich: „Städtebaulich wäre es ein weiterer Fortschritt, der uns auch im Bereich Inklusion noch weiter bringt. Es ist schön, dass sich bei diesem Projekt heimischen Unternehmen für die Entwicklung Brakels einsetzen. Wir brauchen Leute, die unternehmerisch denken und ihre Pläne in die Tat umsetzen – nur so kommen wir weiter.“

Reaktionen im Bauausschuss

Im Bauausschuss wurden am Mittwochabend auch die Befürchtungen seitens der Anlieger angesprochen und die Belastung durch den Siechenbach thematisiert. „Unsere Fraktion begrüßt das Projekt ausdrücklich – wir freuen uns über die geplante Weiterentwicklung in Brakel. Wir müssen jedoch auch die Bedenken der Anlieger ernst nehmen, die beispielsweise schon von Wasser im Keller betroffen gewesen sind“, sagte Michael Wulff (CDU). Hans-Jörg Koch (SPD) sprach für seine Fraktion ebenfalls von einem begrüßenswerten Projekt – die Hochwasserproblematik dürfe aber nicht außer Acht gelassen werden. Bauamtsleiter Groppe wies diesbezüglich noch einmal darauf hin, dass sich die Regenwassersituation im Fall einer Umsetzung des Projektes nicht verändern würde. Dies könne laut Gutachten beispielsweise durch Flachmulden oder Schachtversickerung gewährleistet werden.

 

 

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