Sa., 15.02.2020

Lebenshilfe erweitert ihr Angebot um einen ambulanten Pflegedienst „Ein Dienstleister für alle Menschen“

Jonas Gerlach (rechts) ist einer der Mitarbeiter des ambulanten Pflegedienstes „Zuhause“ der Lebenshilfe Brakel. Hier betreut er Alex Funk. Der Pflegedienst will inklusiv sein und sich um Menschen mit und ohne Behinderungen kümmern.

Jonas Gerlach (rechts) ist einer der Mitarbeiter des ambulanten Pflegedienstes „Zuhause“ der Lebenshilfe Brakel. Hier betreut er Alex Funk. Der Pflegedienst will inklusiv sein und sich um Menschen mit und ohne Behinderungen kümmern. Foto: Lebenshilfe Brakel

Brakel (WB). Wer an die Lebenshilfe im Kreis Höxter denkt, verbindet damit Wohnstätten, begleitetes Wohnen, vielleicht noch den Assistenzdienst oder die Schulen in Frohnhausen und Eversen. Seit kurzem gehört aber auch ein ambulanter Pflegedienst mit dem Namen „Zuhause“ zur Lebenshilfe Brakel. WESTFALEN-BLATT-Redakteur Frank Spiegel hat mit Lebenshilfe-Geschäftsführer Jerome Major und mit den Pflegedienstleitungen Stephanie Wehner und Mario Till über das neue Angebot gesprochen.

 

Herr Major, es gibt doch schon viele Pflegedienste im Kreis Höxter. Warum macht die Lebenshilfe einen eigenen auf?

Jerome Major: Die Menschen, die wir betreuen werden älter. Und auch Menschen mit Behinderung brauchen Pflegdienste, die sie unterstützen. Der zusätzliche Bedarf ist also da. Wir haben den Anspruch, für unsere Zielgruppe passende Pflegeleistungen anbieten zu können, bei denen auch der pädagogische, der Teilhabecharakter reflektiert wird. Wir möchten einen Pflegedienst haben, der speziell die Zielgruppe der Menschen mit geistiger Behinderung adäquat versorgen kann. Das erfordert eine besondere Kompetenz, die aber die Lebenshilfe mitbringt.

 

Der Dienst ist aber nicht ausschließlich für Menschen mit Behinderung da, oder?

Jerome Major: Nein, man kann im Kreis Höxter nicht 20 Menschen mit Behinderung anfahren. Das wäre nicht wirtschaftlich. Wenn man den Anspruch hat, für Menschen mit Behinderung da zu sein, dann muss man auch einen inklusiven Pflegedienst anbieten, der sich um alle Menschen kümmert, also auch um den pflegebedürftigen Senior ohne Behinderung. Die Lebenshilfe ist ein Dienstleister für alle Menschen. Das ist für uns auch eine Haltung zum Thema Inklusion. Wir dürfen nicht nur erwarten, dass die Menschen mit Behinderung von der Gesellschaft aufgenommen werden. Wir müssen auch unsere Kompetenzen in den Dienst aller Menschen stellen.

Flächendeckender Pflegedienst

 

Was ist Ihr Ziel?

Jerome Major: Wir wollen von Brakel ausgehend einen möglichst flächendeckenden Pflegedienst für alle Menschen im Kreis Höxter aufbauen. Wir planen Projekte im Bereich des betreuten beziehungsweise Service-Wohnens für Senioren in mehreren Städten unter anderem in Brakel und in Beverungen – und da benötigen wir einen Pflegedienst, der für alle da ist.

 

Dazu benötigen Sie Personal, das gerade auch in der Pflege knapp ist.

Jerome Major: Ich sehe einen Schwerpunkt unseres Pflegedienstes auch in der Unterstützung und Schulung von Angehörigen. Deswegen bieten wir zum Beispiel Hauskrankenpflegekurse an und auch Beratungsgespräche und individuelle Schulungen im häuslichen Umfeld. Ohne die Angehörigen wird das Thema Pflege nicht zu bewältigen sein. Ein weiteres großes Ziel ist es, den Beruf im sozialen Bereich attraktiver zu gestalten. Wir wollen mit unseren Möglichkeiten und unserem Netzwerk junge Menschen für den Pflegeberuf begeistern. Wir werden deshalb natürlich auch Pflegefachfrau beziehungsweise zum Pflegefachmann ausbilden.

 

Trotzdem ist die Zahl der zur Verfügung stehenden Mitarbeiter auf dem Arbeitsmarkt begrenzt.

Jerome Major: Das ist richtig. Deshalb bieten wir tarifliche Bezahlung und richten uns auch im Bereich der Arbeitszeitmodelle nach Wünschen unserer Mitarbeiter. Wir verstehen uns als familienfreundliches Unternehmen, sind vom Kreis Höxter entsprechend zertifiziert. Wir müssen es schaffen, dass unsere Mitarbeiter Spaß bei der Arbeit haben, dann sind auch die Kunden zufrieden. Dazu gehört gerade im Pflegedienst, wo man viel alleine unterwegs ist, eine Teamkultur zu etablieren und sich regelmäßig auszutauschen. Wir legen großen Wert auf mitarbeiterorientierte Führung und eine Haltung, die Werte und das Miteinander in den Mittelpunkt stellt.

Große Bereicherung

 

Wie ist es denn für Sie, Stephanie Wehner und Mario Till, jetzt plötzlich auch mit Menschen mit Behinderung zu arbeiten?

Mario Till: Wir haben in allen Einrichtungen der Lebenshilfe hospitiert und hatten zum ersten Mal Umgang mit Menschen mit Behinderung, mit denen wir vorher kaum zu tun hatten.

Stephanie Wehner: Das gab es vielleicht in der Kurzzeitpflege mal.

Mario Till: Man ist mit Respekt an die Aufgabe herangegangen.

Stephanie Wehner: Aber wir wurden total positiv und freundlich empfangen.

 

Was ist anders?

Mario Till: Die Menschen, die ich in den Einrichtungen kennengelernt habe, gehen ehrlich mit einem um. Sie zeigen eindeutig, ob sie einen mögen oder nicht. Vielen fehlt die Komponente Nähe und Distanz. Manche sehen das als abschreckend. Ich habe das als sehr positiv wahrgenommen.

Stephanie Wehner: Es ist eine Bereicherung, das so zu erleben.

Mario Till: In der klassischen Pflege in den Seniorenheimen erlebt man das so zumeist nicht. In der ambulanten Pflege schon, Da ist man oft einer der wenigen Kontakte nach außen. Da sieht man dieses Strahlen im Gesicht, wenn man kommt. Da schauen wir auch nicht auf die Minute.

Stephanie Wehner: Das ist uns genauso wichtig, wie dass die Leute gewaschen und angezogen sind.

Mario Till: Man bekommt im Arbeitsalltag sehr viel wieder von den Menschen, gerade auch von den Menschen mit Behinderung

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