Fr., 13.03.2020

Caritas-Beratungszentrum bietet Gruppe für Kinder getrennter Eltern an In schwerer Situation nicht allein

Sandra Pflug (links) und Naznine Soundarjee stehen Kindern, deren Eltern sich getrennt haben, zur Seite.

Sandra Pflug (links) und Naznine Soundarjee stehen Kindern, deren Eltern sich getrennt haben, zur Seite. Foto: Sabine Robrecht

Von Sabine Robrecht

Brakel (WB). Wenn Eltern auseinander gehen, bricht für den Nachwuchs zunächst eine Welt zusammen. Der Lebensalltag verändert sich gravierend. Die Kinder leiden unter der Trennung ihrer Eltern. Manchmal fühlen sie sich sogar schuldig daran. Das Team der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Caritas-Beratungszentrums in Brakel hat für Mädchen und Jungen in dieser schwierigen Lebenssituation ein Gruppenangebot geschaffen, das bald in einer weiteren Auflage an den Start geht.

Mädchen und Jungen im Alter von elf und zwölf Jahren

Das Angebot richtet sich an acht Mädchen und Jungen im Alter von elf und zwölf Jahren. Bei insgesamt elf Treffen haben die Kinder in geschütztem Rahmen die Möglichkeit, sich auszutauschen. Sie stellen dann fest, dass sie mit ihrer Situation nicht alleine sind. „Der Austausch tut ihnen gut“, bilanziert Sandra Pflug. Die Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin hat schon mehrere Gruppen für Trennungs- und Scheidungskinder betreut und wird auch den nächsten Durchgang leiten. Zur Seite steht ihr die Sozialarbeiterin und Sozialpädagogin Monika Teske. Die beiden Fachfrauen gehören dem Team der Erziehungsberatungsstelle an.

Gefühle intensiver wahrnehmen

In der Gruppe geht es ihnen darum, dass die Kinder ihre Gefühle intensiver wahrnehmen und auch lernen, sie auszudrücken und beiden Elternteilen zu erzählen. „Viele trauen sich nicht, darüber zu reden oder sprechen nur mit einem Elternteil.“

Zu kämpfen haben die Mädchen und Jungen oft mit Verlustängsten, Schuldgefühlen und Loyalitätskonflikten. Im Streit zwischen den Eltern versuchen sie zu vermitteln. Ist der Vater oder die Mutter psychisch erkrankt oder mit einer Suchtproblematik belastet, fühlen die Kinder sich für dieses vermeintlich schwächere Elternteil verantwortlich.

Diese emotionalen Belastungen gehen nicht spurlos an Kindern vorbei – vor allem dann nicht, wenn sie ihren Kummer in sich hineinfressen. Einige Kinder werden aggressiv, andere ziehen sich zurück. Die Leistungen in der Schule lassen nach. Die Eltern sind in der Zeit der Trennung zu sehr mit sich selbst beschäftigt und verlieren dabei den Blick auf das Kind oder die Kinder.

Präventivangebot der Gruppe

Im Präventivangebot der Gruppe stehen die Kinder im Mittelpunkt. Die Mädchen und Jungen werden in der Gewissheit bestärkt, dass sie keine Verantwortung für die Familiensituation tragen. Bei den Treffen führen sie sich zunächst gemeinsam und mit Unterstützung der beiden Leiterinnen vor Augen, was hilfreich ist und was nicht so gut hilft, wenn das Herz verletzt wurde. Zuallererst geben die Teilnehmer ihrer Gruppe aber zusammen einen Namen. „Das schafft Verbundenheit“, erläutert Sandra Pflug. Bei den Übungseinheiten geht es dann immer sehr lebhaft und auch kreativ zu. In einer Pause setzen sich die Kinder und die Leiterinnen zusammen und unterhalten sich bei Keksen und Getränken. Aus der Vertrautheit, die sich durch die ähnlichen Lebenssituationen ergibt, entstehen intensive Gespräche und häufig sogar auch Freundschaften. Mit den Eltern – wenn möglichst mit beiden – führen die Fachfrauen zu Beginn ein Kennenlerngespräch und nach den elf Treffen ein Abschlussgespräch. Schließlich geht es darum, dass Eltern und Kinder möglichst gemeinsam nach Wegen aus der Krise suchen.

Die nächste Gruppe mit acht Kindern startet wahrscheinlich nach den Osterferien. Zwei oder drei Mädchen können noch einsteigen. Treffen ist jeweils dienstags ab 17 Uhr in den Räumen des Caritas-Beratungszentrums, Kirchplatz 2, in Brakel. Anmeldungen sind telefonisch unter 05272/371460 möglich. „Bei Bedarf starten wir im Herbst einen zweiten Durchgang“, kündigt Sandra Pflug an.

Kinder, die nicht in der Gruppe arbeiten möchten oder jünger oder älter als der Teilnehmerkreis sind, finden in der Erziehungsberatungsstelle aber auch Hilfe. „Wir bieten Einzelberatungen an“, informiert Diplom-Psychologin Naznine Soundarjee, Leiterin der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche.

Wie sie berichtet, ist bei etwa der Hälfte der Angemeldeten, die sich an die Erziehungsberatung wenden, eine Trennung im Spiel. Nicht zuletzt wegen dieses großen Anteils hat das Team vor einigen Jahren erstmals eine Gruppe angeboten.

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