Bei der Lebenshilfe in Beverungen sind Miethühner eingezogen
Tierische Gesellschaft

Beverungen (WB). Eigentlich haben die Hühner, die sich dieser Tage im Garten der Lebenshilfe- Wohnstätte in Beverungen tummeln, nichts mit Corona zu tun. Uneigentlich aber dann doch.

Mittwoch, 29.04.2020, 16:57 Uhr aktualisiert: 29.04.2020, 17:00 Uhr
Ihm flattern sie sogar manchmal auf den Schoß: Uli (71) ist der „Hühner-Beauftragte“ bei der Lebenshilfe in Beverungen und füttert das Federvieh gerne mit Spätzle. Foto: Alexandra Rüther
Ihm flattern sie sogar manchmal auf den Schoß: Uli (71) ist der „Hühner-Beauftragte“ bei der Lebenshilfe in Beverungen und füttert das Federvieh gerne mit Spätzle. Foto: Alexandra Rüther

„Haustiere sind bei uns immer mal wieder Thema gewesen“, sagt die stellvertretende Einrichtungsleiterin Alexandra Mehler. Viele der Bewohner fragten regelmäßig, ob sie nicht eine Katze haben könnten, Kaninchen oder sogar einen Hund.

Hühner bleiben länger

„Aus Erfahrungen in anderen Einrichtungen wissen wir aber, dass sich die Euphorie auch schnell wieder legen kann“, so Mehler. Die Arbeit bliebe dann an den Betreuern hängen, und deshalb habe man sich in Beverungen gegen Tiere entschieden.

Eigentlich. Alexandra Mehler ist dann aber – schon lange vor der Corona-Krise – durch einen Fernsehbericht auf die Hühner von „ Hanno Huhn “ aufmerksam geworden. Hinter Hanno Huhn steht Thomas Weiss. Der Hannoveraner vermietet die Tiere wochenweise – meist an Kitas oder Grundschulen, aber auch an Altenheime, wo die Hühner in der Arbeit mit Demenzkranken wertvolle Dienste leisten.

„Eigentlich wären die Hühner erst Ende April gekommen“, sagt Einrichtungsleiter Arne Triller. „Wegen Corona haben wir die Aktion vorgezogen und die Hühner bleiben auch länger als üblich.“

Das war auch deshalb problemlos möglich, weil die Kitas aufgrund der flächendeckenden Schließungen als Kunden für Hanno Huhn momentan wegfallen. Der Mietservice aus Hannover liefert nicht nur die Hühner – fünf Stück an der Zahl –, sondern bringt auch gleich den Zaun mit, genügend Futter und ein kleines Hühnerhaus.

Abwechslung

Die Abwechslung, die das Federvieh mit dem royalen Namen „Sussex“ bringt, ist bei der Lebenshilfe in Beverungen mehr als willkommen, denn das Haus ist dicht. Besucher dürfen nicht rein, die Bewohner nicht raus. Eine Herausforderung für alle.

„Unsere Wohnstätte ist eigentlich ein sehr offenes Haus“, sagt Arne Triller. Jetzt aber sollen die 24 Bewohner möglichst innerhalb ihrer Wohngruppen bleiben. Spaziergänge werden nur noch in Kleinstgruppen gemacht. Und: Alle sind den ganzen Tag da, denn auch die Behindertenwerkstätten sind ja geschlossen.

„Da wird das Gestalten einer Tagesstruktur schon schwierig“, so Triller. Ganz zu schweigen von dem Mehrbedarf an Betreuern. Kein Wunder, dass der Einrichtungsleiter einen Großteil seiner Arbeitszeit momentan mit dem Erstellen von Dienstplänen verbringt.

Um die Hühner muss sich Arne Triller auch gar nicht kümmern. Dafür ist Uli zuständig. Zusammen mit Alexandra Mehler ist der 71-jährige Rentner für die fünf Hühner zuständig.

„Es könnte keinen besseren geben“, sagt Alexandra Mehler. Denn Uli ist der „Hausmeister“ in der Wohnstätte. Ausgerüstet mit einem Bollerwagen, Besen, Schaufel und diversen Kleinigkeiten macht er seine Runden über das Gelände. Ihm entgeht keine Lücke im Hühnergehege.

Uli kümmert sich

„Ich mag die Hühner“, sagt er. Und die Hühner mögen ihn. Sie flattern ihm sogar auf den Schoß. Besonders, wenn es gekochte Spätzle oder Reis gibt. Das mögen sie besonders gerne. Und sobald es etwas reger zugeht im Hühnergehege, tut sich auch was auf der Terrasse darüber. „Dann wollen unsere Bewohner natürlich wissen, was los ist.“

„Herauszufinden, was sie gerne fressen, war spannend für alle“, sagt Arne Triller. „Genauso wie die Tatsache, dass die Hühnerklappe wirklich funktioniert.“ Die kleine Hütte hat nämlich eine Tür, die sich automatisch schließt, wenn es dunkel wird. Die Hühner wissen das und verziehen sich rechtzeitig in ihre Schlafstätte. Dann sind sie auch vor Mardern und Waschbären sicher.

Am nächsten Morgen dann das gleiche Spiel. Man trifft sich bei den Hühnern. Uli ist mit seinem Bollerwagen im Anmarsch, kontrolliert den Zaun und berät mit Alexandra Mehler, ob es vielleicht Zeit wäre, das Gehege auf ein frisches Stück Rasen umzusetzen. Zwei frisch gelegte Eier hat er auch schon aus dem kleinen Stall geholt. „Die Hühner sind auf jeden Fall eine Bereicherung in dieser Zeit“, sagt Alexandra Mehler. „Ganz besonders für Uli.“

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