Quartiersmanagement soll Abwärtstrends stoppen und Zentrum beleben
„Innenstadt neu denken“

Brakel(WB). Politik, Immobilienbesitzer, Verwaltung und Geschäftsleute wollen in Brakel eine gemeinsame Allianz schmieden, um die Innenstadt zu beleben. Das Planungsbüro Junker und Kruse will alle Kräfte für die Innenstadtentwicklung aktivieren und in den Prozess einbinden.

Mittwoch, 01.07.2020, 06:04 Uhr aktualisiert: 01.07.2020, 06:20 Uhr
Ein Quartiersmanagement soll für eine Aufwertung des Zentrums sorgen. Larissa Walter (vorn von links), Rolf Junker und Sebastian Otto vom Planungsbüro Junker und Kruse leiten dieses an. Hermann Temme (hinten von links), Alexander Kleinschmidt und Peter Frischemeier hoffen auf einen positiven Schub. Foto: Frank Spiegel
Ein Quartiersmanagement soll für eine Aufwertung des Zentrums sorgen. Larissa Walter (vorn von links), Rolf Junker und Sebastian Otto vom Planungsbüro Junker und Kruse leiten dieses an. Hermann Temme (hinten von links), Alexander Kleinschmidt und Peter Frischemeier hoffen auf einen positiven Schub. Foto: Frank Spiegel

„Eine vitale Innenstadt lebt von einer starken und aktiven Akteurslandschaft“, sagte Rolf Junker bei der Vorstellung des auf ein Jahr angelegten Prozesses in der Alten Waage.

Denkanstöße von außen

„Die Innenstadtentwicklung ist wegen des veränderten Kundenverhaltens in Brakel ein Riesenthema“, hatte Bürgermeister Hermann Temme zuvor erklärt. Die Politik sei daher gut beraten, den Fokus auf die Innenstadtentwicklung zu legen. Dazu brauche es Expertise und Denkanstöße von außen. Diese Aufgabe habe das Büro Junker und Kruse übernommen.

„So brutal wie in den vergangenen fünf Jahren war es für den Einzelhandel in den Innenstädten selten“, erklärte Rolf Junker. Kunden kauften verstärkt im Internet oder in größeren Städten. „Wir müssen Innenstadt neu denken“, sagte er. Brakel habe dabei den Vorteil, dass die Stadt über einen historischen Stadtkern verfüge.

Dass die Innenstädte in Deutschland verstärkt auf den Handel fixiert seien, sei ein Phänomen, das es in dieser Form erst seit der Nachkriegszeit gebe. Er ermunterte dazu, sich auch an die Zeit davor zu erinnern und die Städte zum Beispiel durch Schaffung von Wohnraum zu beleben.

„Der Handel hat sich von einem Anbieter- zum Nachfragermarkt entwickelt. Das ist ein Trend, der lässt sich nicht mehr umkehren“, ist der Planer überzeugt.

Das Quartiersmanagement solle dabei ein Forum sein für den Profilierungs- und Entwicklungsprozess der Innenstadt auch über bauliche Belange hinaus. Zusammen mit den Experten vor Ort sollten Schwerpunkte gesetzt werden. Diese richteten sich nach der jeweiligen Interessenslage vor Ort.

Lohnenswertes Ziel

„Ziel ist es, die Brakeler Innenstadt als lohnenswertes Ziel und lebendiges Zentrum zu profilieren“, führte der Planer aus. Die Maßnahmen sollten kurzfristigsichtbar aber auf lange Sicht ausgerichtet sein. Es gelte die gegenwärtigen Abwärtstrends zu stoppen und die Brakeler Innenstadt neu zu beleben.

In den Prozess einbezogen sein sollen die Gewerbetreibenden, die Politik, die Immobilieneigentümer und die Stadtverwaltung. Zudem gibt es einen Lenkungskreis, der auch schon getagt hat.

„Gern hätten wir auch eine Auftaktveranstaltung gemacht, bei der sich auch die Bürger mit ihren Ideen einbringen können. Coronabedingt ist das leider nicht möglich“, erläuterte Peter Frischemeier, allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters und Vorsitzender des Werberings.

Gleichwohl könnten sich Bürger mit ihren Ideen einbringen, indem sie sich an ihn (05272/360 1002) oder den im Rathaus für Wirtschaftsförderung zuständigen Alexander Kleinschmidt (05272/360 1005) wenden.

Auch die Planer selbst haben schon Ideen. Sebastian Otto, Mitarbeiter von Junker und Kruse: „Brakel hat eine hervorragend hergerichtete Fußgängerzone. Dort gibt es aber auch Bereiche, die leer wirken. Da könnte man mit Stadtmöbeln oder mobilem Grün mehr Interaktionsqualität schaffen.“

Die Planer sind davon überzeugt, dass Brakel „beste Voraussetzungen“ bietet, um die Innenstadt nachhaltig zu beleben.

Wie Rolf Junker berichtete, seien die Immobilienbesitzer im Quartiersmanagement-Prozess zumeist diejenigen, die am schwersten zu übezeugen seien. Diese würden gern am Alten festhalten wollen, was sich oft an überzogenen Mietpreisvorstellungen zeige. Um da ein Umdenken zu erleichtern, sei sein Büro mit dem Land im Gespräch. Ziel sei ein Förderprogramm zur Umwandlung von Gewerbe- in Wohnfläche. Da dieses kein Einzelphänomen sei, gebe es mit Blick auf eine Förderung positive Signale von Seiten des Landes.

Aktive Stadtentwicklung

Wie Hermann Temme ergänzte, gebe es zudem auch noch kommunale Fördermöglichkeiten. „Wir sind auch dazu da, den Eigentümern Wege zu zeigen, wie sie unkompliziert an entsprechende Fördertöpfe kommen“, versprach Sebastian Otto.

„Wir betreiben aktive Stadtentwicklung und können deshalb positiv in die Zukunft sehen“, ist der Bürgermeister überzeugt.

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