Uwe Cassel zeigt Uniformen des Deutsch-Französischen Krieges
Botschafter der Kulturgeschichte

Rheder (WB). Der Beginn des Deutsch-Französischen Krieges jährt sich an diesem Sonntag zum 150. Mal. Der französische Kaiser Napoleon III. hatte Preußen am 19. Juli 1870 den Krieg erklärt.

Samstag, 18.07.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 18.07.2020, 05:01 Uhr
Uwe Cassel zeigt eine Uniform wie sie die Husaren getragen haben, die gegen die Franzosen zu Felde gezogen sind. Foto: Frank Spiegel
Uwe Cassel zeigt eine Uniform wie sie die Husaren getragen haben, die gegen die Franzosen zu Felde gezogen sind. Foto: Frank Spiegel

Uwe Cassel, Leiter des Husarenmuseums in der Vorburg des Schlosses Rheder, ist es ein Anliegen, dort nicht nur Waffen und Uniformen zu zeigen. Er sieht das Museum auch als Botschafter der Kulturgeschichte und der geschichtlichen Zusammenhänge in dieser Zeit. Dazu eigne sich das Museum auch im Fall des Deutsch-Französischen Krieges hervorragend, denn auch die Husaren seien mit in den Krieg gegen Napoleon gezogen, der schließlich die Gründung des deutschen Nationalstaats und das Ende des Zweiten französischen Kaiserreichs zur Folge hatte. Und das Museum verfügt auch über Exponate aus dieser Zeit. Zu sehen sind unter anderem Waffen, Uniformen und Alltagsgegenstände.

Emscher Depesche

Gern erläutert der Museumschef auch die Hintergründe der Kriegerklärung.

„Auslöser war die so genannte Emser Depesche“, weiß Cassel. Zu dieser sei es gekommen, weil es in der Frage der Thronfolge in Spanien zu einem Streit zwischen Deutschland und Frankreich gekommen sei. „Generale hatten Königin Isabella wegen ihrer Günstlingswirtschaft gestürzt. Diese war nach Frankreich geflohen“, blickt der Museumsleiter zurück.

Als die provisorische spanische Regierung einen neuen König gesucht habe, sei die Wahl auf den mit einer portugiesischen Prinzessin verheirateten Erbprinzen Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen gefallen.

Regierung war recht ungehalten

Als die Regierung in Paris davon hörte, war sie nach Ausführungen Cassels aufs Höchste ungehalten. Der Museumsleiter: „Außenminister Gramont sprach von einer lang vorbereiteten Intrige Bismarcks zur Wiederherstellung des Weltreichs Karls V.. Er erklärte Frankreichs Lebensinteressen für verletzt und forderte Genugtuung.“

Obwohl der Königsaspirant seine Kandidatur zurückgezogen habe, habe die französische Regierung ihren Botschafter Vincent Benedetti nach Bad Ems geschickt, wo sich König Wilhelm zur Erholung aufhielt. Die zurückgezogene Kandidatur habe den Franzosen nicht gereicht. Cassel: „Der Botschafter verlange vom Preußenkönig die ausdrückliche Erklärung, dass er dem Prinzen auch in Zukunft nicht erlauben werde, die Krone anzunehmen. Paris forderte sogar ein Entschuldigungsschreiben von Wilhelm.“

Otto von BIsmarck

So eine Demütigung sei selbst dem friedliebenden Kaiser zu viel gewesen. Dieser habe den norddeutschen Bundeskanzler Otto von Bismarck in einer Depesche über die Vorgänge in Bad Ems unterrichtet und diesen bevollmächtigt, die Öffentlichkeit über die Vorgänge in Bad Ems zu unterrichten. „Bismarck tat das, indem er die Emser Depesche in einer verkürzten und verschärften Form veröffentlichte. Der Text musste in aller Welt den Eindruck erwecken, nicht Preußen, sondern Frankreich sei gedemütigt worden“, erläutert Uwe Cassel. Daraufhin habe Napoleon III. den Krieg erklärt.

Das Husarenmuseum in der Vorburg des Schlosses Rheder hat bis Ende Oktober jeden Sonntag von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Führungen – auch zu anderen Zeiten oder in der Woche – können telefonisch unter 05278/287 abgesprochen werden.

 

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