Wassersparender Jeans-Hersteller inspiriert Müllwerkstatt-Team
Nachhaltigkeit prägt Kunst

Brakel (WB). Eine Jeans beinahe wie viele andere auch – und doch ist sie eine besondere. Das rechte Bein ist staubig, in ihm stecken Kunststoffflaschen mit Sand. Das rechte Bein dagegen schaut vital aus, das Blau ist kräftig, in Flaschen im Inneren der Hose ist Wasser, es wachsen Jeansblumen auf dem Stoff. Auf dem Hosenbund ruht die Erde – ausgetrocknet auf der einen, mit Ozeanen und fruchtbarem Land auf der anderen Seite.

Donnerstag, 24.09.2020, 03:02 Uhr aktualisiert: 24.09.2020, 12:24 Uhr
Im Gespräch über den Wasserverbrauch bei der Jeans-Herstellung ist bei Bernhard Fischer und Tanja Birkenhauer die Idee zu der Skulptur entstanden. Foto: Frank Spiegel
Im Gespräch über den Wasserverbrauch bei der Jeans-Herstellung ist bei Bernhard Fischer und Tanja Birkenhauer die Idee zu der Skulptur entstanden. Foto: Frank Spiegel

Geschaffen hat das Kunstwerk Tanja Birkenhauer aus Brakel. Es zeigt zwei Seiten der Jeansherstellung: mit sehr viel Wasser oder auch mit sehr viel weniger Wasser.

Werte nutzen und erhalten

Das Objekt steht im Schaufenster des Herrenhauses Fischer. Nachhaltig zu leben – das ist ein Ziel, das die Familie Fischer privat und auch beruflich verfolgt. Dass das nicht unbedingt mit Verzicht zu tun haben muss, will Bernhard Fischer zeigen. Schließlich verkauft er mit Textilien auch „Luxusgüter“. Seit vier Jahren arbeitet er mit dem Jeans-Hersteller „Miracle of Denim“ zusammen. Das Unternehmen hat einen Weg gefunden, im eigenen Werk in Istanbul bis zu 90 Prozent Wasser zu sparen. „Im Gespräch mit der Künstlerin Tanja Birkenhauer sind wir auf die Idee gekommen, das Thema skulptural umzusetzen“, berichtet Fischer.

Da Tanja Birkenhauer zusammen mit ihrem Lebensgefährten Christian Kraft seit August die Müllwerkstatt betreibt, die in der Rosenstraße auch bald ein Ladenlokal eröffnet, setzte sie den Plan auf dieser Basis um. „Die Skulptur besteht zum großen Teil aus Müll, der im Modehaus so anfällt“, erklärt die 47-Jährige. Sie hat unter anderem Folien und Kunststoff verarbeitet.

„Wir verwenden viel Energie darauf, Müll zu kaufen“, so die Künstlerin, die auf das Motto der Müllwerkstatt verweist: „Werte erkennen, Werte nutzen, Werte erhalten“. Die Brakelerin: „Müll kann mehr, als weggeworfen werden und sogar zu einem neuen Verwendungszweck kommen. Jeder Gegenstand ist es wert, verwendet zu werden.“ In diesem Fall ist das in der Skulptur geschehen.

So weit, vor dem Hintergrund der Nachhaltigkeit jetzt nur noch Ökokleidung anzubieten, will Bernhard Fischer nicht gehen. „Die ist so teuer, dass sie keine Käufer finden würde, außerdem schaut sie teilweise so strange aus, dass sie kaum jemand tragen wollen würde“, weiß der Kaufmann.

In der Familie sei es schon lange das Ziel, den erlangten Lebensstandard mit Umweltschutz und Klimawandel zu vereinbaren. „Teilweise fällt das leicht, manchmal macht es auch Spaß, zum Beispiel, wenn ich mit dem E-Auto unterwegs bin“, nennt er Beispiele. Oftmals sei ein solches Verhalten aber auch eine schwere Bürde. Man werde belächelt oder gar angegriffen.

Milchtüten inspirieren

Tanja Birkenhauer und Christian Kraft wollen mit der Müllwerkstatt für die Idee der Nachhaltigkeit werben. 2005 ist die Müllwerkstatt in Hamm aus der Taufe gehoben worden. „Kreativ war ich schon immer, und ich wusste zunächst nicht genau wohin mit der Energie“, berichtet die gelernte Arzthelferin. Nach der Geburt ihres Sohnes sei der Milchkonsum enorm gestiegen. Die Künstlerin: „Und eines Tages hatte ich beim Anblick der vielen leeren Milchtüten die zündende Idee. Die erste Vase nahm Gestalt an, und schon bald hatte ich viele andere Rohstoffe neu gestaltet.“

Das neueste Objekt steht derzeit im Schaufenster des Modehauses Fischer.

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