Berufskolleg Brakel: Junge Menschen planen digitale Ausstellung „We could be heroes“
Alltagshelden verbessern die Welt

Brakel -

Sie möchten Menschen der Welt zusammenführen und ein großes gemeinsames Bekenntnis für eine offene und demokratische Gesellschaft ablegen: Schülerinnen und Schüler des Berufskollegs Kreis Höxter in Brakel sind dabei, eine internationale digitale Ausstellung auf die Beine zu stellen.

Samstag, 21.11.2020, 05:53 Uhr aktualisiert: 21.11.2020, 08:08 Uhr
Dirk Brassel (von links), Marleen Menne (Vereinigte Volksbank) und Bürgermeister Hermann Temme (2. von rechts) unterstützen das Ausstellungsprojekt.
Dirk Brassel (von links), Marleen Menne (Vereinigte Volksbank) und Bürgermeister Hermann Temme (2. von rechts) unterstützen das Ausstellungsprojekt. Foto: Sabine Robrecht

Mitwirken können alle, die sich angesprochen fühlen: Bilder, Skulpturen, Fotos oder Videoinstallationen sind willkommen. Im Februar 2021 soll die Schau dezentral eröffnet und freigeschaltet werden. Zwei Jahre ist sie online – eine Erweiterung ist erwünscht.

„We could be heroes“ (wir könnten Helden sein) – schon allein der Titel dieses innovativen Ausstellungsprojekts hat eine berührende Botschaft: Wir alle besitzen die Fähigkeit, Großes zu erreichen. Wir müssen lediglich die Initiative ergreifen. Jede noch so kleine Geste macht Menschen zu Alltagshelden und kann zum großen Ziel – einer offenen und demokratischen Gesellschaft – beitragen.

Roter Umhang

Zu den Video-Botschaftern dieses Anliegens gehören schon einige Alltagshelden im Kreis Höxter. Sie haben sich das Symbol der Kampagne, einen roten Umhang, über die Schultern gehängt und sich dabei filmen lassen, wie sie ihn weiterreichen. Wenn andere Menschen ihrem Beispiel folgen und bei der Video-Challenge mitmachen, reihen sich viele Filme dieser Art aneinander. Dann zieht der Umhang (wer keinen hat, kann eine rote Decke nehmen) um die Welt. Serap Güler, Staatssekretärin für Integration NRW, hat sich schon eingereiht. Ihre Filmszene mit Umhang ist „im Kasten“. Schülerinnen und Schüler haben Serap Güler in Düsseldorf besucht und die Szene gedreht. Die Staatssekretärin ist Patin des als „Schule mit Courage – Schule gegen Rassismus“ ausgezeichneten Berufskollegs. Bei der feierlichen Übergabe des Labels war sie im Berufskolleg in Brakel zu Gast und unterstützt jetzt das digitale Ausstellungsprojekt.

Dieser Rückenwind aus der Landeshauptstadt beflügelt die jungen Ideengeber. Maßgeblich umgesetzt wird die Initiative an der Schule im Fach „Being Social“ im Beruflichen Gymnasium Soziales (Jahrgangsstufe 11). Die Internationale Förderklasse bringt sich ebenso wie die Gruppe „KraftART“ mit Schülern des beruflichen Gymnasiums und der Fachschule der Heilerziehungspflege ein. Die Lehrerinnen Marita Menne und Marei Koch stehen den jungen Menschen zur Seite.

Internationale Verbindungen

Die Schülerinnen und Schüler haben für die Ausstellung internationale Verbindungen genutzt, die durch frühere Projekte der Gruppe „KraftART“ in Kooperation mit dem Verein „Marah“ und dem Kommunalen Integrationszentrum entstanden sind. Unter anderem haben sie zum Zefat Academic College in Jerusalem oder zur Caritas in Amman, Jordanien, Kontakt aufgenommen, „sodass inzwischen weltweit Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung zuarbeiten“, freut sich Marita Menne. Menschen aus Nairobi (Kenia), Amman, Idlib (Syrien) und auch aus verschiedenen Regionen Deutschlands haben angekündigt, einen Beitrag zur Schau zu gestalten.

Auch vor Ort entstehen viele Exponate. Die Initiatoren machen selbst aktiv mit bei ihrer Ausstellung. Veronika Grenz (17) beteiligt sich mit einem Bild, das einen Jungen vor einer Skyline zeigt. Im Wasser vor ihm sieht er sich als Superheld. „Selbst die Kleinsten in der Gesellschaft können Großes erreichen“, bringt Veronika die Botschaft ihres Bildes auf den Punkt. Seline Aslan (17) hat auf ihrem Bild Menschen um die Erde herum versammelt, die sich an den Händen halten. „Alle Menschen sind unterschiedlich, aber gleichberechtigt“, sagt sie. „Wenn die Menschen hilfsbereit und liebevoll miteinander umgehen, funktioniert eine Gesellschaft.“ Das sollen die leuchtenden Herzen aller Menschen auf dem Bild symbolisieren.

Stadt unterstützt

„Unsere Klasse hat geschlossen entschieden, mitzumachen“, berichten Moritz Bormann (19) und Edwin Lowen (22) von der Fachschule für Heilerziehungspflege. „Zusammen können wir Großes auf die Beine stellen. Für uns ist es reizvoll, als Klasse Teil dieser internationalen Initiative zu sein.“ Als Helden werde die Klasse auch die Haustiere in den Fokus rücken, die den Menschen gerade auch in Zeiten der Kontaktbeschränkung eine große Stütze seien. In erster Linie planen die angehenden Heilerziehungspfleger möglichst in Zusammenarbeit mit einer Wohnstätte einen Beitrag, der Menschen mit Behinderungen und ihre Teilhabe in den Blick nimmt.

Unterstützung finden die Ausstellungsmacher auch bei der Stadt. Bürgermeister Hermann Temme ist beeindruckt von der Idee und der Botschaft. Dirk Brassel, Leiter des Stadtmuseums, würdigte die Initiative auch vor dem Hintergrund der aktuellen Situation: „Kultur lebt eigentlich von analogen Aktionen oder darstellender Kunst auf der Bühne. Der Gang in die digitale Welt eignet sich hervorragend dazu, kulturelle Teilhabe zu ermöglichen.“ Das Stadtmuseum steuert Bilder der Kulturtage 2015 unter dem Titel „Brakel macht blau“ und auch Motive der Ausstellung „Geflüchtet“ bei, die 2016 in der Alten Waage zu sehen war.

Wer mitmachen und sich aktiv beteiligen möchte, kann seine Beiträge für die Ausstellung an eine der beiden Email-Adressen senden: mennem@bkhx.de oder koch@bkhx.de.

Crowdfunding-Initiative

Über das Crowdfunding-Portal der Vereinigten Volksbank können die Bürgerinnen und Bürger das digitale Ausstellungsprojekt unterstützen. Das Geldinstitut hat die Plattform 2018 unter der Devise „Viele schaffen mehr“ ins Leben gerufen. Gesammelt werden Spenden für für gemeinnützige Initiativen. Die Bank verdoppelt jeweils die eingegangenen Beträge. „Wir haben auf diese Weise schon viele Vereine unterstützen können“, bilanziert Marleen Menne von der Vereinigten Volksbank.

Für die digitale Ausstellung „We could be heroes“ ist das Crowdfunding-Portal seit dieser Woche geöffnet. Wer das Projekt unterstützen möchte, kann dies bis Mitte Februar 2021 mit Beträgen zwischen fünf und 25 Euro (oder auch mehr) tun. Überweisungen sind auch möglich. 3000 Euro sind anvisiert.

Mit dem Geld möchten die Initiatoren neben Malutensilien zur Unterstützung beteiligter Künstler auch eine digitale Outdoor-Leinwand zur Präsentation der Ausstellung finanzieren. Außerdem soll ein Laptop erworben werden, an dem die Schülerinnen und Schüler die digitale Ausstellung konfigurieren.

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