Weihnachtsgottesdienste in Brakel wenig besucht – Kommunionausteilung mit Pinzette
„Gott versteht, dass man nicht kommt“

Brakel -

Wenn nur dreißig, vierzig Leute kommen, dann ist das in Ordnung“, sagte Pfarrer Wilhelm Koch im Vorfeld der Weihnachtsgottesdienste. Und viel mehr waren es auch nicht, die sich an den Weihnachtstagen während der insgesamt acht Messen jeweils unter dem 1000 Quadratmeter umfassenden Zeltdach auf dem Brakeler Kirchplatz einfanden.

Sonntag, 27.12.2020, 18:11 Uhr aktualisiert: 27.12.2020, 18:14 Uhr
Desinfektionsmittel steht an den Zelteingängen. Trotz großem Abstand bleiben noch Sitzplätze in den Weihnachtsgottesdiensten leer.
Desinfektionsmittel steht an den Zelteingängen. Trotz großem Abstand bleiben noch Sitzplätze in den Weihnachtsgottesdiensten leer. Foto: Greta Wiedemeier

Und doch: Das Angebot bestand. Und genau das war den Organisatoren das größte Anliegen.

Blick auf die Krippe

An jeder Zeltstange ein Weihnachtsbaum, der transportable Altar auf Höhe der offenen Kirchentür platziert, damit von den Sitzplätzen aus ein Blick auf die Krippe erhascht werden kann: Es war spürbar, das hier mit viel Liebe versucht wurde, trotz der widrigen Umstände festliche Stimmung zu erzeugen. Doch die Realität ausblenden konnte und wollte hier auch niemand: „Ja, liebe Schwestern und Brüder – das ist ja entsetzlich“, lauteten die ersten Worte des Pfarrers.

Anderswo Messen abgesagt

Während viele Kollegen im Kreis die Weihnachtsgottesdienste – teils auch spontan – absagten, entschieden sich die Verantwortlichen im Pastoralen Raum Brakel für die Durchführung. „Es ist alles ganz freiwillig und auch völlig richtig, wenn jemand nicht möchte. Der liebe Gott versteht es, dass man nicht zum Gottesdienst kommt“, betonte Pfarrer Koch, der sich auch Kritik stellen musste. Doch große Angst vor einer Ansteckung brauchte unter dem Zeltdach tatsächlich niemand haben. Durch die vorbildliche Organisation, die auch von Ordnungsamt und Kreisverwaltung überprüft wurde, den Standort an der frischen Luft sowie die geringe Besucherzahl, war genügend Abstand gewährleistet und sogar die Ausgabe der Kommunion möglich – mit Pinzette.

Für Wilhelm Koch war es das letzte Weihnachten als Pfarrer von Brakel.

Für Wilhelm Koch war es das letzte Weihnachten als Pfarrer von Brakel. Foto: Greta Wiedemeier

Lob an die Ehrenamtlichen

Auch die Frage nach der Weihnachtsbescherung gehörte für Pfarrer Koch dazu. Er selbst habe Brillanten bekommen, erzählte er in der Messe am Freitag, und hielt einen grünschimmernden Stein in die Höhe. Wer diese symbolischen Brillanten für ihn sind? „Die Ehrenamtlichen! Immer waren sie da. Das sind für mich wahre Diamanten, wahre Edelsteine“. Zwischen sechs und acht Ordner waren in jeder Messe zugegen, verteilten Desinfektionsmittel, leiteten die Gläubigen zum Platz und auch wieder hinaus. „Das ist einmalig, was hier auf die Beine gestellt wird“, so Koch. Auch viele Jugendliche, wie etwa die KJG, haben mitgeholfen, damit auch die Kleinkinder- und Familiengottesdienste möglich wurden. In diesen wiederum waren die Kinder laut Koch so fasziniert und ruhig, wie er es selten erlebt hat. Und wenn dann während des eigentlich stillen Gedenkens der Verstorbenen in der Messe aus der Ferne das Schlagen einer Autotür, das fröhliche Glucksen eines Kindes und auch das Zwitschern von Vögeln zu vernehmen waren, dann war das zwar anders als gewohnt – damit im Grunde aber auch bloß ein passendes Spiegelbild des ganzen Jahres.

Letztes Weihnachten für Koch als Pfarrer

Für Wilhelm Koch war es nach 30 Jahren das letzte Weihnachten als Pfarrer von Brakel. Unter diesen Umständen sei das natürlich ein bisschen traurig, sagte er. Zumal er seinen letzten Weihnachtsgottesdienst am zweiten Weihnachtstag sogar völlig ohne eine vor Ort anwesende Gemeinde zelebrierte: Nämlich vor der Kamera, die sein Bild an die Bewohner des St.-Antonius- Altenheims übertrug. Aber, betonte der Geistliche: „Jesus will – auch in den dunklen Zeiten, denken Sie daran – uns Licht sein.“

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