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Sa., 27.09.2014

Tennet bringt überraschend mehrere Alternativ-Korridore für Mega-Leitung ins Spiel Neue Stromtrassen schrecken weitere Ortschaften auf

Die schwarz gepunktete Linie zeigt den Vorschlag vom Frühjahr für eine Strommastentrasse durch den Kreis Höxter. Die blauen Linien sind brandneue Vorschläge von Tennet für die mögliche Stromtrasse.

Die schwarz gepunktete Linie zeigt den Vorschlag vom Frühjahr für eine Strommastentrasse durch den Kreis Höxter. Die blauen Linien sind brandneue Vorschläge von Tennet für die mögliche Stromtrasse. Foto: WB

Von Michael Robrecht

Kreis Höxter (WB). Da werden sich die Bürger in vielen Ortschaften im Kreis Höxter verwundert die Augen reiben: Der Übertragungsnetzbetreiber Tennet hat überraschende Vorschläge für weitere Trassenkorridore der geplanten Windstromleitung von Südlink im Internet veröffentlicht ( suedlink.tennet.eu).

Die Korridorvorschläge sind Ergebnis der von Tennet seit März eingesammelten Hinweise der Bürgerschaft. Teilweise weichen die am Freitag veröffentlichten neuen Trassenideen erheblich von der bisher bekannten Linienführung durch den Kreis Höxter ab. Der heimische CDU-Bundestagsabgeordnete Christian Haase hat sich am Freitag in Berlin von Tennet erste Details der zusätzlichen Alternativtrassen erklären lassen – und staunte. »Wenn die Bürger im Kreis die Karte genau ansehen, haben wir schnell viele neue Betroffene«, befürchtet Haase. Einige wären wohl nie auf die Idee gekommen, das auch sie plötzlich Standort für die Südlink-Trasse sein könnten. Völlig abwegig ist für Haase eine Linienführung östlich von Fürstenau in Richtung Albaxen oder in der Nähe von Bosseborn – hoch über Höxter und in Sichtweite von Corvey! Das sei sehr nahe beim Weltkulturerbe Corvey und deshalb für ihn überhaupt nicht vorstellbar.

Kommentar

Von Michael Robrecht
Tennet hat weitere Trassenvorschläge veröffentlicht. Die Folge: Die Phalanx der Südlink-Gegner und BI's wird sich im Kreis in den nächsten Tagen um etliche Dörfer erweitern. In manchem Ort geht jetzt die Angst um, plötzlich doch noch zu den »Auserwählten« zu zählen. An den Kopf fasst sich der aufmerksame Betrachter, wenn er die Linienführung im östlichen Kreisgebiet – besonders auf den Berghöhen in Sichtweite des neuen Welterbes Corvey – sieht. Ein solch lächerlicher Vorschlag zeugt von fulminanter Unkenntnis der Örtlichkeiten. Derartige Ideen erhöhen sicher nicht die Akzeptanz in die Kompetenz der Planer. Und dann die Krönung: Zur Alternativtrasse entlang der A7 gibt es von Tennet kein Wort!

Auf der bisher geplanten Trasse für die Stromübertragung auf Höchstspannungsebene sollen überwiegend bis zu 70 Meter hohe Freileitungen verwendet werden. Neu ist laut MdB Haase, dass die bislang als zu teuer abgelehnten Erdkabel jetzt doch von Tennet großzügiger eingesetzt werden sollen. Die Politik in Berlin habe deshalb signalisiert, gesetzliche Änderungen zugunsten von mehr Erdverkabelung einzuleiten.

Weitere Betroffene

Die seit Monaten diskutierte Trasse führte bisher im Norden über Vörden in den Kreis Höxter; dann ging es an Bökendorf vorbei Richtung Desenberg/Warburg und nach Nordhessen. Als »Trassenkorridorvorschläge, die weiter verfolgt werden«, stellt Tennet seit Freitagmittag auf der Internetseite mehrere blaue und bisher sich nicht in der Diskussion befindliche Linienführungen neben der alten schwarz gepunkteten vor: Eine Trasse erreicht bei Fürstenau unweit des Köterberges das Kreisgebiet und führt über die Höhen bis Bosseborn, über Amelunxen/Ottbergen Richtung Dalhausen und weiter nach Bühne und Körbecke und von dort nach Hessen.
Im Westen laufen Alternativen von Vörden kommend an Bredenborn vorbei und dann östlich und westlich (Emde) der Ostwestfalenstraße Richtung Brakel und Siddessen. Von dort geht es nach Natzungen und auf die alte Trassierung nach Warburg.

Neue Umfrage

Tennet weist stolz auf eine neue Umfrage hin: Dass Verständnis der Bundesbürger für den durch die Energiewende notwendigen Netzausbau sei groß. Das belege die bundesweite Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Forsa im Auftrag von Tennet. Danach befürworten 78 Prozent den zügigen Ausbau der Stromleitungen.

Insgesamt gingen über 3 000 Hinweise und Vorschläge von Bürgern bisher bei Tennet ein. Sie wurden geprüft, ob auf ihrer Grundlage Korridorvorschläge entwickelt werden können. Neben Hinweisen zum ersten Korridorvorschlag fanden sich auch welche zu Gehöften und Gewerbegebieten. 500 enthielten Korridorideen. Es wurden 112 Korridorvorschläge geprüft, von denen Tennet 90 Prozent, also 98 neue Trassen in die Pläne aufnehmen konnte.

Info-Tag in Höxter

Die Auswertung der ersten Bürgerbeteiligung zur Trassenkorridor-Planung für die Südlink-Stromleitung durch den Kreis Höxter und die neuen Trassenvorschläge werden am Donnerstag, 2. Oktober, in Höxter vorgestellt. In der Stadthalle wird von 17 bis 20 Uhr die Linienführung erläutert. Die Veranstaltung ist öffentlich. Während des Tennet-Stadthallen-Termins, zu dem man sich vorher anmelden soll,  ist von den heimischen Bürgerinitiativen gegen die Mega-Stromleitung in Höxters Innenstadt ein Protestmarsch geplant. Nach Bekanntwerden neuer Trassenvorschläge wird mit noch mehr Zulauf gerechnet als bisher.

Kommentare

TenneT pennt.....

Unglaublich aber wahr: Tennet hat es geschafft, von den letzten Info Veranstaltungen im März/April bis jetzt keinen einzigen Punkt in der "alten" Trassenführung zu ändern; die Alternativvorschläge, die von den Bürgern eingebracht wurden, sind von externen Planungsbüros "dazu gemalt" worden, und fertig ist das Wunderwerk! Keine einzige Information bezüglich Natur- oder Landschaftschutz fand Berücksichtigung, geschweige denn, dass die Nähe des Trassenverlaufs zu Kindergärten, Schulen, usw..... in irgendeiner Weise Berücksichtigung fand! Zuvor wurde "ehrfürchtig" betont: "ja, Sie können sich darauf verlassen, Ihre Einwände finden Beachtung". Und danach folgte die reine Lüge!!!

1 Kommentare

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