Neue EU-Regeln: Abgeordneter Haase gibt Entwarnung
Kein Etikett auf jedem Kuchen

Kreis Höxter (WB).  »Neue EU-Regeln gefährden Kuchenbufetts!« – »Schlacht um Basar-Torten?« Eine ab 13. Dezember geltende neue EU-Verordnung zur Kennzeichnung von Lebensmitteln sorgt für Unruhe bei den Bürgern. Muss neben jedem Kuchen beim Seniorenkaffee bald ein Etikett mit allen Zutaten stehen?

Mittwoch, 22.10.2014, 08:27 Uhr aktualisiert: 22.10.2014, 08:32 Uhr
Neue EU-Regeln: Abgeordneter Haase gibt Entwarnung : Kein Etikett auf jedem Kuchen
Keine Angst: Torten und Kuchen bei Vereinsfeiern brauchen kein Allergen-Etikett. Foto: WB

Die Lebensmittelinformationsverordnung der EU (LMIV) verlangt, dass Bäcker Allergene in unverpackter Ware detailliert ausweisen müssen. Es wird von vielen befürchtet, dass die EU-Bürokraten mit ihrer Regelungswut demnächst verlangen, dass wegen der neuen Kennzeichnungspflicht auch neben jedem selbst gebackenen Kuchen beim Seniorennachmittag, beim Pfarrfest, Basar oder der Nikolausfeier eine Liste liegen oder ein Etikett kleben muss, auf der/dem steht, welche Zutaten im Gebäck oder der Torte stecken und Allergiker eventuell belasten. Seit Wochen geistert dieses Horrorszenario durch alle Medien.

 Die Ausgabe von Kuchen bei Veranstaltungen mit ehrenamtlichem Charakter werde nicht belastet, sagt der heimische CDU-Bundestagsabgeordnete Christian Haase. Die neue EU-Verordnung habe verständlicherweise vielen ehrenamtlich engagierten Menschen große Sorgen bereitet. Haase hat deshalb das zuständige Ministerium um Aufklärung gebeten. »Das Gesetz wurde auf EU-Ebene beschlossen und muss nun in nationales Recht umgesetzt werden. Es besagt, dass sowohl verpackte, aber auch lose Lebensmittel künftig besser gekennzeichnet werden müssen. So sollen die Inhaltsstoffe und auch alle Allergene gekennzeichnet sein. Unter lose und unverpackte Lebensmittel fallen selbst gebackene und gespendete Kuchen auf Pfarrfesten oder Seniorennachmittagen – und dort ist es nicht üblich, jegliche Zutaten und Allergene aufzulisten«, berichtet Haase aus der Realität.

Die nationale Umsetzung der Lebensmittelinformationsverordnung biete laut des Abgeordneten allerdings die Befugnis, die Art und Weise der Allergeninformationspflicht bei loser Ware zu regeln. »Ich habe mir dazu vom Bundeslandwirtschaftsministerium bestätigen lassen, dass "private" Veranstaltungen, darunter auch Feuerwehrfeste oder das Seniorencafé, von der Kennzeichnungspflicht ausgenommen sind«, erläutert Haase. Dies sei in der bisherigen bundesweiten Berichterstattung oft missverständlich dargestellt worden. »Es werden keine Steine in den Weg von den meist ehrenamtlich organisierten Kuchenbuffets gelegt. Also weiterhin guten Appetit. Und wer gegen bestimmte Zutaten allergisch ist, bitte immer nachfragen«, so Christian Haase.

 In Geschäften und Bäckereien wird das EU-Gesetz etwas anders umgesetzt: Die neue Verordnung betrifft die Angabe der 14 häufigsten Allergene. Dazu zählen glutenhaltiges Getreide, Ei, Soja und Milch. Nun wird es laut Experten wohl darauf hinauslaufen, dass der Kunde im Laden oder in einer Bäckerei auf eine Kladde zugreifen kann, in der tabellarisch die Allergene für jedes einzelne Produkt aufgelistet sind. Auch Bildschirmterminals mit Infos sind denkbar.
Um den Allergengehalt von Kuchen und Brot zu ermitteln, müssen Bäcker und Konditoren festlegen, aus welchen Rohstoffen ein Rezept besteht. In großen Bäckereien kommen schnell 400 Rezepturen zusammen, die er auf Allergenpotenzial abgeklopft werden.

Kommentare

Odiug  schrieb: 24.11.2014 00:06
Super gemacht, EU!
Mein Bäcker teilte mir mit, dass er die seid meinen Kindertagen so beliebte Rumkugel aus dem Sortiment nimmt, da er nicht in der Lage sei, die EU Vorschrift einzuhalten. Im Fall der Rumkugel wechseln die Inhaltsstoffe ständig, da diese aus Kuchenresten hergestellt werden. Wo war denn hier die Bäckerinnung?
1 Kommentare
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