Kritik der Netzagentur: Herleitung des Trassenkorridors nicht nachvollziehbar
Tennet muss Planung für Stromautobahn nachbessern

Höxter/Detmold (WB/dpa). Tennet muss die eingereichte Planung für die geplante Stromautobahn nachbessern. Der Stromnetzbetreiber hat seine Unterlagen für die geplante 800 Kilometer lange Windstrom-Trasse zwischen Schleswig-Holstein und Bayern auf Wunsch der Bundesnetzagentur in einigen Punkten zu modifizieren.

Donnerstag, 19.02.2015, 14:32 Uhr aktualisiert: 19.02.2015, 19:24 Uhr
Kritik der Netzagentur: Herleitung des Trassenkorridors nicht nachvollziehbar : Tennet muss Planung für Stromautobahn nachbessern
Die Kritik der Bundesnetzagentur, dass die Herleitung des Trassenkorridors nicht nachvollziehbar sei, äußern die Bürgerinitiativen schon lange. Hier wird in Höxter gegen die Südlink-Trasse demonstriert. Foto: Harald Iding

Ein Sprecher der Aufsichtsbehörde bemängelte an diesem Donnerstag, in den vorgelegten Unterlagen sei die Herleitung des vorgeschlagenen Trassenkorridors nicht nachvollziehbar. Das ist genau die Kritik, die das Landräte-Bündnis gegen die Trasse immer geäußert hatte. Statt in Nord-Süd-Richtung entlang der A7 die Leitungen weiter zu führen, plant Tennet einen bisher nicht erklärten Schwenk durch die Kreise Lippe und Höxter nach Nordhessen. Gegen diese bisher von den Planern unbegründete Vorzugstrasse von Vörden über Brakel-Bökendorf bis Warburg kämpfen die Bürgerinitiativen und die Kommunen und der Kreis Höxter seit Monaten.

Die Aufsichtsbehörde greift nach eigenen Angaben die Kritik aus den betroffenen Regionen, wie dem Kreis Höxter, bewusst auf. Der Sprecher betonte allerdings gleichzeitig, derartige Nachfragen bei Antragstellern seien nicht ungewöhnlich. Die Behörde rechne damit, dass Tennet bereits in den nächsten Monaten einen überarbeiteten Antrag vorlegen werde, und das formelle Verfahren im Sommer eröffnet werden könne. Im Moment sei nicht mit nennenswerten Verzögerungen bei den Plänen zu rechnen.

Tennet-Sprecherin Ulrike Hörchens wertete laut Nachrichtenagentur dpa die Aufforderung der Bundesnetzagentur zum Nachbessern der Unterlagen als »ganz normalen Vorgang«». Das Unternehmen werde den Antrag in den nächsten Wochen ergänzen. Die Bundesnetzagentur bemängelt nach Informationen der »Nürnberger Nachrichten«, Tennet habe viele öffentliche und private Interessen zusammengefasst. Es müsse aber erkennbar werden, aufgrund welcher Belange Korridore entweder für das Verfahren vorgeschlagen werden oder nicht ernsthaft in Betracht kommen. Zudem müssten Umweltfolgen in den betroffenen Regionen deutlicher dargestellt werden.

Die heimischen Bürgerinitiativen gegen die Mega-Stromtrasse und auch Politiker sehen die neuen Auflagen der Bundesnetzagentur als Bestätigung für das Engagement der Bürgerinitiativen entlang der geplanten Trasse. Das sei ein Schuss vor den Bug für Tennet und eine fachliche Ohrfeige, war von nordhessischen CDU-Bundestagsabgeordneten zu hören.

Auch wenn die Frage der Trasse wieder offener als bisher erscheint, fordern die Kreise weiter eine stärkere unterirdische Verkabelung der Leitung. In Kassel treffen sich 20 Landräte nächste Woche mit Fachleuten der Industrie. Aus dem Kreis Höxter ist Landrat Friedhelm Spieker dabei.

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