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Sa., 19.12.2015

Unesco besteht auf Einhaltung aller Verträge Weltkulturerbe Corvey: NRW soll Streit schlichten

Foto: dpa

Von Von Michael Robrecht  und Matthias  Meyer zur Heyde

Höxter (WB). Stadt und Kreis Höxter ziehen sich aus dem Kulturkreis Höxter-Corvey zurück. Damit ist der Weg frei für Viktor Herzog von Ratibor, der die Gesellschafteranteile von Kreis und Stadt übernehmen will.

Stadt und Kreis werden sich also nicht mehr am Management des Weltkulturerbes beteiligen. Der Unesco-Beauftragte Professor Berthold Burkhardt forderte das Land NRW auf, mit den beteiligten Parteien in Höxter – Kirche, Kommune, Kreis und Herzoghaus – zu verhandeln.

Die Landesregierung als Vertragspartei müsse sicherstellen, dass alle Bedingungen gemäß Weltkulturerbevertrag eingehalten werden, sagte Burkhardt    dem WESTFALEN-BLATT. »Über die Aberkennung des Weltkulturerbestatus ist aber noch nicht zu reden.«

Der Unesco-Beauftragte reagierte damit auf die Ankündigung von Stadt und Kreis, den Kulturkreis zum 31. Dezember 2016 zu verlassen.
Stadt und Kreis hatten mitgeteilt, dass eine neue gemeinnützige GmbH den Betrieb der Welterbestätte sichern soll.

Die Trennung ist vorläufiger Höhepunkt eines jahreslangen Gezerres: Kreis und Stadt rangen mit den Corvey-Eigentümern, katholische Kirche und Herzoghaus Ratibor, darum, wie das Welterbe geführt wird.

Jahrelang hatte der Kulturkreis die Corveyer Musikwochen, Ausstellungen und das Schlossmuseum sowie die Öffentlichkeitsarbeit gema­nagt. Seit den  Verhandlungen nach der Anerkennung  als Welterbestätte wurde klar, dass der Herzog den Einfluss der öffentlichen Hand nur ungern zulassen will.

Bis Ende 2016 laufen alle Aktivitäten des Kulturkreises Corvey weiter. Kreis und Stadt Höxter rechneten vor, dass 500 .000 Euro für das Verfahren zur Aufnahme Corveys in die Welterbeliste der Unesco aufgebracht wurden. Als Miteigentümer machten Vertreter der katholischen Kirche deutlich, dass ein geordneter Besucherbetrieb in Corvey sicherzustellen sei.

Aber was wird künftig mit dem anspruchsvollen Kultur- und Ausstellungsprogramm? Viktor Herzog von Ratibor, wie die Stadt und der Kreis Höxter bisher Gesellschafter der Kulturkreis Höxter-Corvey gGmbH, will ab 2017 Corvey völlig neu aufstellen.

Er bedauert die einseitige Entscheidung der kommunalen Gesellschafter zum Ausstieg aus dem Kulturkreis. Zunächst müsse nun geprüft werden, ob die Kündigung rechtswirksam möglich sei, sagt der Herzog. Er geht aber in jedem Fall davon aus, dass die Stadt und der Kreis Höxter auch nach ihrem Ausscheiden ihre über das Gesellschaftsverhältnis hinausgehenden Verpflichtungen gegenüber Kulturkreis und Fördergebern einhalten werden.

Lesen Sie auch unseren Leitartikel »Geschacher auf dem Basar« zu diesem Thema.

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