Di., 26.04.2016

Atommüll-Zwischenlager im Kernkraftwerk mit 10 000 Fässern – Sorgen bei Grünen wegen Terrorgefahr Eon stuft Würgassen als sicher ein

Der Atommeiler Würgassen ist ein von 1968 bis 1971 gebauter Siedewasserreaktor mit einem Kraftwerksblock (ein zweiter war mal geplant). Betrieben wurde das KKW von 1975 bis 1994, dann sind Haarrisse im Stahlmantel des Reaktorkerns entdeckt worden. Das KKW ist hier noch mit den später abgerissenen Kühltürmen zu sehen. Die Demontage kostete 1,2 Milliarden Euro.

Der Atommeiler Würgassen ist ein von 1968 bis 1971 gebauter Siedewasserreaktor mit einem Kraftwerksblock (ein zweiter war mal geplant). Betrieben wurde das KKW von 1975 bis 1994, dann sind Haarrisse im Stahlmantel des Reaktorkerns entdeckt worden. Das KKW ist hier noch mit den später abgerissenen Kühltürmen zu sehen. Die Demontage kostete 1,2 Milliarden Euro. Foto: Kernkraftwerk Würgassen

Von Michael Robrecht

Beverungen-Würgassen (WB). Die Atomkatastrophe von Tschernobyl jährt sich am 26. April zum 30. Mal. Politiker und Umweltverbände nehmen den Jahrestag und die jüngsten Anschläge in Brüssel zum Anlass, ihre Sorgen um die Sicherheitslage heimischer Atomanlagen wie Würgassen und Grohnde auszudrücken. Viele haben Angst vor terroristischen Anschlägen.

In der jüngsten Kreistagssitzung fragten die Grünen nach der Gefahr für das Atommüll-Zwischenlager im abgeschalteten Kernkraftwerk (KKW) Würgassen. Der Kreisverwaltung sind laut Kreisdirektor Klaus Schumacher bisher keine verdächtigen Vorkommnisse bekannt. Die Anlage (1971 bis 1994 in Betrieb) soll auch künftig durch Wachleute, Gräben und einen hohen Zaun gesichert bleiben.

Das KKW Würgassen wird seit Jahren demontiert. Foto: M. Robrecht

10.000 Fässer mit leicht und mittelstark verstrahltem Schutt lagern zurzeit auf dem Kraftwerksgelände – für Terroristen ein denkbares Ziel. Eon Kernkraft rechnet damit, dass das erhoffte Endlager »Schacht Konrad« in zehn Jahren in Betrieb geht und der an zwei Stätten auf dem Kraftwerksgelände gelagerte Abbruchmüll dorthin abgefahren und eingebunkert werden kann. Erst dann können die leeren Gebäudehüllen in Würgassen abgerissen werden.

Wie leicht könnten Terroristen an die Fässer in Würgassen heran? Könnten sich Verbrecher getarnt als Mitarbeiter auf das KKW-Gelände schmuggeln? Atommüll in den falschen Händen – schon die Idee macht Angst. Wie konkret ist die Gefahr, dass Attentäter eine »schmutzige Bombe« mit gestohlenem oder erpresstem radioaktiven Material bauen?

Grohnde nahe am Kreis

Der Würgasser KKW-Eigentümer Eon Kraftwerk erklärte gestern auf Anfrage des WESTFALEN-BLATTES, dass kerntechnische Anlagen zu den am besten geschützten Industrieobjekten in Deutschland zählten. Sie verfügten über ein umfassendes Sicherungs- und Schutzkonzept, sagte Pressesprecherin Almut Zyweck. Die Schutzmaßnahmen würden regelmäßig überprüft. Zur Sicherung von Kernkraftwerken gehöre der Schutz gegen Störaktionen und sonstige Einwirkungen Dritter. Zyweck: »Dabei werden insbesondere auch terroristisch motivierte Taten von uns in Betracht gezogen. Die Sicherungsmaßnahmen sind in Richtlinien durch die zuständigen Behörden festgelegt und werden regelmäßig aktualisiert. Bei terroristisch motivierten Taten werden neben externen Angreifern auch Innentäter betrachtet. Die entsprechenden Vorkehrungen beziehen sich auf beide Tätergruppen.« Dazu gehöre auch, »dass unser Kraftwerkspersonal auf Basis von Zuverlässigkeitsüberprüfungsverordnung behördlich überprüft ist.«

KKW 1971 eingeweiht

In einem Gebäude neben dem alten, 60 Meter hohen Reaktorhaus von 1971, das laut Eon einen Flugzeugabsturz überstehen kann, stehen zurzeit 2500 Fässer mit Abbruchmüll. Weitere 8000 gelbe Atommüll-Fässer à 200 Liter mit kontaminiertem Abbruchschrott, der noch in 300 »Schacht-Konrad«-Container reisefertig gepresst wird, sind in einer weiteren Abtransporthalle untergebracht. Eon-Kernkraft-Chef Ralf Güldner sagte, dass man in Würgassen schon lange keine Brennelemente mehr lagere. Diese seien alle nach La Hague gebracht worden.

Bei Aktionen warnen die Grünen immer wieder vor den Gefahren durch das nahe KKW Grohnde. Foto: Grüne/Rottermund

Der BUND und die Grünen im Kreis Höxter haben gemeinsam an die Atomkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima erinnert und drängen auf einen schnelleren Atomausstieg. Mit ihrem Infostand in der Fußgängerzone in Höxter wiesen sie auf die andauernden Folgen der Katastrophen hin. Nur 28 Kilometer Luftlinie trennten Höxter vom Atomkraftwerk Grohnde. Im Ernstfall wären die Menschen hier unmittelbar betroffen. Der Kreis Höxter würde zum unbewohnbaren Sperrgebiet. Und: In Würgassen gibt es ein Zwischenlager mit 10.000 Fässern. Die Grünen befürchten, das so eine Anlage Terroristen anlocken könnte.

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