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Fr., 11.11.2016

Kloster Brenkhausen: Julia Klöckner (CDU) mit Bischof und Soldaten im Gespräch »Die Mitte ist frei geworden«

Gruppenbild mit Politprominenz: Julia Klöckner traf im Kloster Brenkhausen Angehörige der Bundeswehr. Sie kamen aus der Fachschule der Luftwaffe in Faßberg und trafen sich im Kloster zu einem Seminar. Bischof Anba Damian und die Seminarteilnehmer kamen mit der charismatischen Christdemokratin aus Rheinland-Pfalz ins Gespräch.

Gruppenbild mit Politprominenz: Julia Klöckner traf im Kloster Brenkhausen Angehörige der Bundeswehr. Sie kamen aus der Fachschule der Luftwaffe in Faßberg und trafen sich im Kloster zu einem Seminar. Bischof Anba Damian und die Seminarteilnehmer kamen mit der charismatischen Christdemokratin aus Rheinland-Pfalz ins Gespräch. Foto: Sabine Robrecht

Von Sabine Robrecht

Höxter (WB). Leutselig, aufgeschlossen, kommunikativ: Wer Julia Klöckner begegnet, erlebt sie als angenehme, eloquente Gesprächspartnerin. Diesen Eindruck gewann Kopten-Bischof Anba Damian, den die prominente CDU-Politikerin am Tag nach ihrem Auftritt bei der Kreis-Mittelstandsvereinigung im Kloster Brenkhausen bei Höxter besuchte.

Julia Klöckner bittet Bischof Damian um eine Klosterführung. Im Innenhof beginnt der Rundgang. Foto: Sabine Robrecht

In ihrem attraktiven pinkfarbenen Hosenanzug bringt die 43-jährige Pfälzerin an diesem trüben Morgen Licht in das Novembergrau. Den Verlust der Landtagswahl im März gegen Malu Dreyer (SPD) scheint sie verwunden zu haben. Im Dezember kandidiert sie wieder für den stellvertretenden CDU-Bundesvorsitz. Bischof Damians Anspielungen auf eine Polit-Karriere in Berlin – »wenn Sie Kanzlerin sind, besuchen Sie uns sicher auch noch mal« – begegnete Klöckner nonchalant. »Angela Merkel macht das sehr gut« (siehe Bericht vom 11. November im überregionalen Teil). Und: »Egal als was, ich komme gerne wieder.«

Zunächst aber ist der koptische Bischof am Zug: »Hätten Sie nicht Lust, nach Bad Kreuznach zu kommen?«, lud die Fraktions- und Landeschefin der Rheinland-Pfälzischen CDU den Würdenträger beim Arbeitsfrühstück im Kloster in ihre Heimat ein. »Dann planen wir einen ganzen Tag. Auf unserem Weingut Guldental machen wir eine Weinprobe.«

Mit geflüchteten Christen das Gespräch suchen

Weder die Einladung, noch das Gespräch in Brenkhausen beschränken sich allerdings auf den Austausch von Nettigkeiten. Julia Klöckner betonte beim Besuch in Brenkhausen, dass sie die koptischen Gemeinden in ihrem Bundesland besuchen möchte. Denn: »Ich möchte die Christen, die geflüchtet sind, anders abholen«, hat sie sich vorgenommen. Koptische Christen, die ihre Heimat verlassen mussten, seien oft doppelt traumatisiert. Daher möchte Julia Klöckner sich im Gespräch mit ihnen ein Bild machen.

Stephanuskreis widmet sich der Lage verfolgter Christen

In diesem Anliegen geht sie d’accord mit ihrer Parteifreundin Ute Granold. Bischof Damian kennt die frühere Bundestagsabgeordnete und Gründerin des Stephanuskreises aus mehreren Begegnungen. Der innerhalb der CDU/CSU-Bundestagsfraktion gegründete Kreis stellt die Religionsfreiheit in das Zentrum seiner Arbeit und widmet sich insbesondere der Lage verfolgter Christen in aller Welt.

Zu diesen Menschen, die um ihres Glaubens willen verfolgt werden, gehören auch die Kopten. In ihrer Heimat Ägypten müssen sie erhebliche Benachteiligungen hinnehmen. 12 000 Kopten leben inzwischen in Deutschland.

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Wir müssen uns fragen, was wir falsch gemacht haben.

Julia Klöckner

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Am Gespräch mit dem Bischof und der Spitzenpolitikerin beteiligte sich auch eine Gruppe Soldaten aus der Fachschule der Luftwaffe in Faßberg. Sie absolvierten gerade im Kloster Brenkhausen ein Seminar. Julia Klöckner thematisierte in der Runde auch das Erstarken der AfD. In der Flüchtlingskrise habe es lange nur eine Schwarz- oder Weiß-Sicht gegeben. Zwischen Fremdenfeindlichkeit auf der einen und Sozialromantik auf der anderen Seite sei die Mitte frei geworden. »Da ist die AfD reingegangen. Wir müssen uns fragen, was wir falsch gemacht haben«, sagte Klöckner selbstkritisch.

Loyalität zum Grundgesetz nicht zu viel verlangt

Derzeit treibe die Politik auch die Frage um, wann und wo junge Menschen sich radikalisieren lassen. Mit Bischof Damian teilt Klöckner eine klare Grundhaltung: Von allen Menschen, die in diesem Land zu Gast sind, dürfe die Loyalität zum Grundgesetz erwartet werden. »Das ist keine Zumutung.« Wer hingegen Recht und Ordnung bekämpfe, habe kein Bleiberecht.

Vollverschleierung: Klöckner hat Frauenrechte im Blick

Der Vollverschleierung von Frauen steht Julia Klöckner kritisch gegenüber, weil sie Möglichkeiten zur Teilhabe einschränke. »Ich habe hier Frauenrechte im Blick«, unterstrich sie in Brenkhausen ihre Beweggründe.

Auf die Frage nach ihren persönlichen Plänen bekräftigte Julia Klöckner, dass sie stellvertretende Bundesvorsitzende der CDU bleiben will. Sie werde sich beim Parteitag in Essen Anfang Dezember erneut um dieses Spitzenamt bewerben.

Rückendeckung für Merkel

Es sei davon auszugehen, so Klöckner, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel wieder als Parteichefin kandidiere. Zur K-Frage werde sich die Amtsinhaberin selbst erklären. Aber: »Wenn sie neun Monate vor der Bundestagswahl für den Parteivorsitz kandidiert, liegt es nahe, dass sie auch als Kanzlerkandidatin antritt«, sagte Julia Klöckner.

Sie gab zu erkennen, dass sie einen solchen Schritt Merkels begrüßen würde: »Bei den vielen Veränderungen auf der Welt liegt der Wunsch nach Vertrautem und damit nach Sicherheit in der Natur des Menschen«, sagte die Rheinland-Pfälzerin dem WESTFALEN-BLATT.

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Diese Beständigkeit ist mehr wert als jede aufgewühlte Schlagzeile.

Julia Klöckner

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Angela Merkel erzeuge keine emotionalen Stürme. »Diese Beständigkeit ist mehr wert als jede aufgewühlte Schlagzeile«, sagte Klöckner vor dem Hintergrund des Trump-Wahlsiegs. Seine ihrer Ansicht nach holzschnittartigen, unrealistischen Wahlversprechen wie Verdoppelung des Wirtschaftswachstums würden eine noch größere Politikverdrossenheit nach sich ziehen, sagte Klöckner.

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