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Fr., 17.02.2017

Glashütte Boffzen: Noelle und von Campe investiert 6,5 Millionen Euro Neue Schmelzwanne entsteht in Rekordbauzeit

Projektleiter Peter Weber zeigt die Baustelle in der Werkhalle der Glashütte Boffzen: Bagger reißen die 14 Jahre alte Glasschmelzwanne im Eiltempo ab. Viel Staub fliegt umher. Schon im April soll hier wieder Glas bei 1600 Grad produziert werden.

Projektleiter Peter Weber zeigt die Baustelle in der Werkhalle der Glashütte Boffzen: Bagger reißen die 14 Jahre alte Glasschmelzwanne im Eiltempo ab. Viel Staub fliegt umher. Schon im April soll hier wieder Glas bei 1600 Grad produziert werden. Foto: Michael Robrecht

Von Michael Robrecht

Höxter/Boffzen (WB). Für 6,5 Millionen Euro lässt die Boffzener Glashütte Noelle und von Campe eine neue Glasschmelzwanne in ihr Stammwerk einbauen. So ein technisches Highlight erleben die 470 Mitarbeiter nicht jeden Tag.

Für den Standort Boffzen gilt die Investition als ein gutes Signal. Zeigt doch das Unternehmen Noelle und von Campe mit der Wannensanierung, dass man auch weiterhin in zwei Schmelzwannen je 120 Tonnen Glasinhalt im Alt-Werk I und in der 300 Tonnen-Wanne im Werk II »Glas made an der Weser« produzieren will.

Mit viel Dampf ist das flüssige Glas aus der 14 Jahre alten Schmelzwanne 3 am 10. Februar abgelassen worden: ein feuriges Spektakel. Einmal gestartet könne man den Vorgang nicht mehr stoppen, schildert Projektleiter Peter Weber wie das 1600 Grad heiße Glas vorsichtig abgelassen wird. 500 Kubikmeter Wasser waren nötig, sogar die Werksfeuerwehr sei unter Volldampf im Einsatz gewesen. Glasreste wurden zum Abkühlen aufgeschichtet, um wiederverwendet zu werden. »Am 6. April soll die Produktion in der dann neuen Wanne in der bisherigen Produktionshalle anlaufen«, erläutert der Projektleiter.

90 Leute sind zurzeit an der Demontage und am Abriss der Wanne und der Stahlkonstruktion beteiligt. Viele Stahlteile und andere Technik wurden schon entsorgt. Ein riesiger Haufen aus Steinen liegt in der Fabrikhalle: 1300 Tonnen temperaturbeständige Unikatsteine müssen mit LKW vom Werksgelände abgefahren werden – und genau so viele gebrannte neue Steine für die Wanne werden formgefertigt aus Italien nach Boffzen gefahren, so Peter Weber.

Weber und die Mitarbeiter haben Respekt vor der Aufgabe: Bei dem Godelheimer als Entscheider laufen die Fäden zusammen. Wo kommen die Steine hin? Was ist mit den Eisenträgern? Stimmt der Zeitplan? Sein Handy bimmelt ständig. Der Hallenboden wird ausgebaggert, weil neue Fundamente errichtet werden. Im ganzen Komplex, so Weber, würden neue Kühlungsantriebe, Leitungen und Brandschutz angebracht. Es gehöre viel Infrastruktur zu einem 6,5-Millionen-Euro-Projekt. An den Glasschmelzwannen würden nur Top-Facharbeiter beschäftigt. Übrigens suche die Hütte Azubis: Verfahrensmechaniker Glastechnik heiße die Ausbildung.

Bei der achtwöchigen Baumaßnahme wird Sicherheit groß geschrieben. Abrissfirma und auch die Aufbaufirma der energieeffizienten Glaswanne würden umfassend in das Hütteninnenleben eingewiesen. Alle hoffen, dass die Wanne wieder 14 Jahre hält. Die Wanne 3 in Boffzen sei sogar einmal nach einem größeren Brand 2009 mit viel Aufwand repariert worden. Aber so ein unangenehmes Intermezzo wünscht der neuen Schmelzvorrichtung niemand.

In der Glashütte Boffzen Noelle und von Campe (mehrere Gesellschafter) werden seit 150 Jahren 400 Formen von Weithalsgläsern – zum Beispiel für Gemüse, Marmelade, Gurken und Einmachgläser – sowie Flaschen hergestellt. Weitere Informationen zum Unternehmen und auch zum Werksverkauf unter www.nuvc.de

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