So., 26.03.2017

Verfolgungsjagd dauert vier Stunden – Zugriff bei "Pinkelpause" auf B64-Parkplatz Geiselnahme in Höxter: Entführer kapert Bus

Die Polizei hat den Geiselnehmer im roten Kleinbus mit einem Großaufgebot über vier Stunden verfolgt. Am Parkplatz des ehemaligen Ballhauses Felsenkeller haben die Einsatzkräfte den Mann gestoppt und vorläufig festgenommen.

Die Polizei hat den Geiselnehmer im roten Kleinbus mit einem Großaufgebot über vier Stunden verfolgt. Am Parkplatz des ehemaligen Ballhauses Felsenkeller haben die Einsatzkräfte den Mann gestoppt und vorläufig festgenommen. Foto: Dennis Pape

Von Michael Robrecht, Dennis Pape und Silvia Schonheim

Höxter (WB). Spektakuläre Geiselnahme in Höxter: Einen Kleinbus, den Busfahrer und einen Fahrgast hat ein Mann in Höxter in seine Gewalt gebracht. Über vier Stunden hat die Polizei mit zahlreichen Einsatzkräften den Geiselnehmer (46) am Freitagabend bis in den frühen Samstagmorgen verfolgt.

Gegen 21.15 Uhr hatte der 46-jährige Tatverdächtige den Linienbus an der Uferstraße in Höxter am Bahnhof gekapert. Außer dem Busfahrer befand sich in dem roten Mercedes Sprinter noch ein weiterer Insasse. Dieser konnte kurz nach Fahrtantritt bei einem kurzen Stopp an einer Tankstelle an Höxters Weserbrücke aus dem Bus fliehen, berichtet die Polizei. Der Tatverdächtige setzte daraufhin seine Fahrt allein mit dem Busfahrer als Geisel fort. Zuvor hatte er die Fenster des Sprinters mit Zeitungsseiten zugeklebt.

Verfolgungsjagd durch die Kreise Höxter und Holzminden

Der rote Bus irrlichterte dann stundenlang durch die Kreise Höxter und Holzminden. Die alarmierte Polizei sperrte zuerst Straßen und auch die Weserbrücke in Höxter, um den Mann zu stoppen. Das gelang nicht. Er fuhr und fuhr ziellos durch das Weserbergland, wiederholte die Routen zwei oder drei Mal.

Das Polizeipräsidium Bielefeld übernahm die Einsatzlführung, setzte Spezialeinheiten aus Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hessen ein und führte telefonische Verhandlungen mit dem Tatverdächtigen.

Der Täter lieferte sich eine dramatische Verfolgungsjagd mit der Polizei: Zeitweise mit Tempo 100, dann wieder sehr langsam ging es durch die Dörfer und über rote Ampeln. Von Höxter führte seine Flucht mit dem 18-sitzigen Mercedes Sprinter mehr über die Strecke nach Godelheim und Wehrden, durch das Stadtgebiet Beverungen nach Lauenförde, Fürstenberg und über Boffzen und Lüchtringen wieder zurück nach Höxter über die Weserbrücke, durch die Westerbachstraße auf die B64. Über die Tonenburg und Stahle ging es zwei Mal durch die Innenstadt von Holzminden über die Lüchtringer Brücke zurück nach Höxter. Mehr als 40 Fahrzeuge von Polizei und Rettungskräften gehörten dem Tross hinter dem entführten Kleinbus zeitweise an - eine so noch nie dagewesene spektakuläre Verfolgungsjagd durch die Weserorte. Den Geiselnehmer anzuhalten, das gelang nicht.

Gegen 0.50 Uhr gab der Tatverdächtige nach der mehrstündigen Fahrt und Nervenkrieg schließlich seinem Bedürfnis eines Toilettengangs nach und veranlasste den Busfahrer (46) zum Anhalten auf dem Lastwagen-Parkplatz an der Godelheimer Straße in Höxter unterhalb des abgebrannten Ballhauses Felsenkeller.

Polizei-Spezialeinheiten überwältigen Tatverdächtigen

Das war die Chance: Der Tatverdächtige konnte  auf dem Parkplatz im Bus von Spezialeinheiten überwältigt und vorläufig festgenommen werden. Zuvor war der Busfahrer vom SEK aus dem Bus in Sicherheit gebracht worden. Bei der Festnahme wurde laut Polizei niemand verletzt.

In dem Kleinbus sind mehrere Messer des 46-jährigen Tatverdächtigen aus Höxter gefunden worden. Die B64 bei Höxter war über Stunden weiträumig abgesperrt.

Viele Autofahrer gerieten völlig ahnungslos in die Verfolgungsjagd und landeten unvermittelt mitten zwischen den vielen Polizei- und SEK-Fahrzeugen - mitten in der Nacht eine unheimliche Atmosphäre. Über soziale Netzwerke hatte sich die spektakulären Verbrecherjagd mit Busentführung gegen Mitternacht herumgesprochen, so dass in einigen Ortschaften sogar Gruppen am Straßenrand den Bus mit seinen Verfolgern anschauten und mit Smartphones fotografierten.

Tatverdächtiger gilt als psychisch auffällig

Nach bisherigen Erkenntnissen stammt der Tatverdächtige aus Höxter, ist psychisch auffällig und Konsument von Drogen und Alkohol. Zum Motiv des Tatverdächtigen können derzeit keine Angaben gemacht werden. Die Ermittlungen dauern an. Der Täter soll in eine Klinik gebracht worden sein. Ob ein Haftbefehl noch an diesem Wochenende von einem Richter erlassen wird, ist offen.  Die Wohnung des Geiselnehmers in Höxter wurde von der Polizei durchsucht und versiegelt.

Mehr dazu lesen Sie am Montag, 27. März, im WESTFALEN-BLATT.

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