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Di., 28.03.2017

Ermittlungsverfahren wegen Geiselnahme gegen 46-Jährigen Bus-Entführer stand unter Alkohol und Drogen

Der Bus-Entführer von Höxter ist Angler. Dieses Bild hängt im Treppenhaus vor seiner Wohnungstür, die von der Polizei am Wochen­ende versiegelt wurde. Gegen den 46-jährigen wird jetzt wegen ­Geiselnahme ermittelt.

Der Bus-Entführer von Höxter ist Angler. Dieses Bild hängt im Treppenhaus vor seiner Wohnungstür, die von der Polizei am Wochen­ende versiegelt wurde. Gegen den 46-jährigen wird jetzt wegen ­Geiselnahme ermittelt. Foto: Dennis Pape

Von Dennis Pape

Höxter (WB). Die Staatsanwaltschaft Paderborn hat gegen den Bus-Entführer von Höxter ein Verfahren wegen Geiselnahme eingeleitet. Der 46-jährige Mann aus Höxter wurde in eine psychiatrische Fachklinik eingewiesen.

 Der mit Messern bewaffnete Mann hatte in der Nacht zum Samstag einen Bus mit Fahrer und einem Fahrgast in seine Gewalt gebracht und sich eine vierstündige Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert, bevor er überwältigt worden war.

Nachbarn des psychisch auffälligen und offenbar alkoholkranken 46-Jährigen waren schockiert, als sie erfuhren, wer da seit etwa zwei Jahren neben ihnen wohnte. »Mir wurde ganz anders«, sagte ein Nachbar, der mit dem Bus-Entführer in einem Dreifamilienhaus wohnte. »Ich kenne ihn eigentlich nur betrunken. Wir haben – wie alle anderen Nachbarn auch – Distanz zu ihm gehalten. Kontakt gab es in erster Linie im Treppenhaus, wenn er mal wieder betrunken von Jugendlichen in seine Wohnung getragen werden musste oder meine Frau sich über zu laute Musik beschwert hat«, ­erzählt der 66-jährige Nachbar.

Kein unbeschriebenes Blatt

Der aus Potsdam zugezogene Mann habe dann die Musik erst recht lauter gestellt und gesagt: »Mutti, sag Bescheid, wenn du Ärger haben willst.« Ansonsten sei der mutmaßliche Geiselnehmer aber nicht aggressiv gewesen.

Bei der Polizei sei der Mann ebenfalls kein unbeschriebenes Blatt. Am 14. Oktober 2016 seien zwei Polizeifahrzeuge und ein Rettungswagen vorgefahren. Als der Mann das bemerkte, versuchte er laut Zeugen zunächst mit seinem Pick-up zu flüchten, wurde dann jedoch in einer Sackgasse aufgefunden und musste seinen Führerschein wegen Trunkenheit am Steuer abgeben. »Gefahren ist er anschließend aber trotzdem«, sagt der Nachbar, der sich nach den Vorkommnissen des Wochenendes viele Gedanken macht: »Meine Enkelkinder gehen öfter in den gemeinsamen Keller des Hauses. Was hätte da alles passieren ­können?«

Mit Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten

Der Bus-Entführer soll alleine in einer 40-Quadratmeter-Wohnung gelebt haben, manchmal sei ­seine erwachsene Tochter zu Besuch gekommen: »Dann gab es oben meist heftige Wortgefechte und die junge Frau fing an zu weinen«, erinnert sich ein Nachbar. Er soll sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser gehalten haben, die er wegen übermäßigen Alkohol­konsums wieder verloren haben soll.

Der Vermieter des Verdächtigen sagte: »Mir fehlen immer noch die Worte – ich bin geschockt. Er stand damals nach einer Entziehungskur vor mir und brauchte eine Wohnung. Ich wollte ihm eine Chance geben.« Der 46-Jährige ist Mitglied in einem Höxteraner Angelverein – laut Zeugen ­besaß er auch deshalb mehrere Messer. »Er soll in letzter Zeit viel durchgemacht haben und hat wieder getrunken«, sagt ein Angler-Kollege.

»Wer will sterben an meiner Seite???«

Auf Facebook postete er im Dezember ein Bild eines T-Shirts mit dem Aufdruck »Wenn sie hinter dir stehen, gib ihnen Schutz. Wenn sie an deiner Seite stehen, erweise ihnen Respekt. Wenn sie gegen dich stehen, keine Gnade« und schrieb dazu: »Wer will sterben an meiner Seite???«

Am Freitagabend war der Entführer in Höxter vor der Tat in einem Markt und anschließend in einer Kneipe gesehen worden.

Während der Bus-Entführung stand er nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft unter Alkohol- und Drogeneinfluss. Eine Vernehmung sei bislang noch nicht möglich gewesen. Die Staatsanwaltschaft Paderborn hat gegen den Mann ein Ermittlungsverfahren wegen Geiselnahme eingeleitet. »Das Strafmaß beträgt bei einer Verurteilung mindestens fünf Jahre«, erläuterte Oberstaatsanwalt Marco Wibbe.

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