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Di., 28.03.2017

Täter soll erst erholen, dann Vernehmung - TV-Film als Vorbild für Tat Geiselnehmer droht Taxifahrer mit Entführung

Am Bahnhof Höxter stehen jeden Tag die Kleinbusse und die Leifeld-Taxen und warten auf Fahrgäste. Hier hat der Entführer am Freitagabend gegen 20.50 Uhr den Bus gekapert.

Am Bahnhof Höxter stehen jeden Tag die Kleinbusse und die Leifeld-Taxen und warten auf Fahrgäste. Hier hat der Entführer am Freitagabend gegen 20.50 Uhr den Bus gekapert. Foto: Michael Robrecht

Von Michael Robrecht

Höxter (WB). Der Bus-Entführer von Höxter soll sich in einer Fachklinik erst ein paar Tage erholen bevor die Polizei ihn vernimmt. Das kündigte die Bielefelder Polizeipressesprecherin Hella Christoph an. Der polizeibekannte 46-Jährige hat regelmäßig Alkohol und Drogen zu sich genommen und soll auch in der Tatnacht betrunken gewirkt haben, wie Zeugen sagen.

Zum Ablauf des Geiseldramas haben auch die Beschreibungen eines 24-jährigen Taxifahrers des Lütmarser Unternehmens Leifeld beigetragen. Der Geiselnehmer, vielen in Höxter durch sein Piratenkopftuch bekannt, hatte nach dem Besuch eines Supermarktes in der Westerbachstraße um 19 Uhr ein paar Häuser weiter in einer Kneipe Alkohol konsumiert. Von dort habe einer ihrer Taxifahrer den Höxteraner gegen 20 Uhr nach Hause gebracht, schilderte Karen Leifeld.

Eine halbe Stunde später hat der Mann erneut ein Taxi bestellt: Von seiner Wohnung ging es diesmal zum Bahnhof. Auf dem Weg dorthin, so berichtet Taxiunternehmerin Karen Leifeld, habe der oft zu Scherzen aufgelegte 46-Jährige dem Fahrer gesagt, dass es doch spannend wäre, einmal einen Bus zu entführen. Wohl so wie am Tag vorher im Fernseh-Actionfilm »16 Blocks« mit Bruce Willis, in dem Attentäter einen Bus in New York entführen.

»Viel dummes Zeug«

Der Taxifahrer schenkte dem Gerede keinen Glauben, zumal der 46-Jährige alle paar Tage als Stammkunde bei Taxifahrten »viel dummes Zeug« erzählt habe, so Karen Leifeld. Er habe sogar noch gedroht, dass er das Leifeld-Taxi mit dem 24-Jährigen entführen wolle, wenn der rote Bus nicht sofort komme. Und dann sei der Bus gekommen! Der Fahrgast, der Messer dabei hatte, stieg aus und kaperte den Mercedes Sprinter. Der Rest des Geiseldramas ist bekannt.

Karen Leifeld sagte, dass der Mitarbeiter alles Erlebte der Polizei mitgeteilt habe, worauf die zur Tankstelle an der Weserbrücke ausrücken konnte, wo der Kleinbus Halt gemacht hatte. Zeitgleich löste der Busfahrer (46) um 20.53 Uhr die Notruftaste im Bus aus, die die Polizei auch alarmierte.

Viele Augenzeugen

Polizeisprecherin Christoph erklärte ferner, dass es durch die Augenzeugen in Städten und Dörfer, die bei der Verfolgungsjagd vor einigen Gasthäusern oder von Häusern mit Smartphones standen und Fotos macht oder durch mitfahrende Sensationslustige zu keinen Behinderungen der 30 Einsatzfahrzeuge gekommen sei.

Dieses Phänomen, dass viel schneller als früher Schaulustige auftauchten, sei im Zeitalter sozialer Medien und Handys nicht zu verhindern. Im Entführungs-Fall Höxter sei das aber alles kein Problem gewesen. Der entführte Busfahrer wird psychologisch betreut und ist noch nicht wieder im Dienst.

Kommentare

30 Einsatzfahrzeuge

Die Angemessenheit des Einsatzes mit bis zu 30 Autos in der Verfolgung und wie die ganze Story aufgeblasen wird finde ich übertrieben. Das war sicherlich kein Kavaliersdelikt, aber der etwas exzentrische Täter hat es womöglich selbst nur als eine Art Gaudi im Alkoholrausch gesehen.

Anderswo fehlen ja leider die Polizisten und man wünscht sich etwas mehr Elan bei der Aufklärung zum Beispiel der Welle an Einbrüchen.





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