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Mo., 03.04.2017

Keine Unterbringung in psychiatrischer Einrichtung Busentführung: Haftbefehl wegen Geiselnahme

Zugriff: Auf dem B64 Parkplatz Godelheimer Straße in Höxter ist der Geiselnehmer gefasst worden. Das Foto zeigt die SEK-Polizisten und den roten Sprinter.

Zugriff: Auf dem B64 Parkplatz Godelheimer Straße in Höxter ist der Geiselnehmer gefasst worden. Das Foto zeigt die SEK-Polizisten und den roten Sprinter. Foto: Michael Robrecht

Höxter (WB/rob). Der Entführer von Höxter kommt nicht in eine psychiatrische Klinik, sondern in Untersuchungshaft: Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Paderborn hat das Amtsgericht Paderborn gegen den 46-jährigen Geiselnehmer aus Höxter einen Haftbefehl wegen Geiselnahme erlassen.

Dem Mann wird vorgeworfen, am Freitag, 24. März, am Bahnhof in Höxter einen Kleinbus in seine Gewalt gebracht und sich unter Bedrohung des Busfahrers mit einem Messer auf eine Fahrt durch die Kreise Höxter und Holzminden begeben zu haben.

Nach den bisherigen Ermittlungen hatte der Beschuldigte während der Fahrt Kontakt zur Polizei und forderte wiederholt, Kontakt zu seiner ehemaligen Lebensgefährtin herzustellen. Nachdem der Verdächtige aufgrund seines gesundheitlichen Zustandes zunächst auf Anordnung des Amtsgerichts Höxter und des zuständigen Ordnungsamtes in einer psychiatrischen Klinik untergebracht war, haben die inzwischen durchgeführten Ermittlungen ergeben, dass derzeit keine Anhaltspunkte für eine akute psychische Erkrankung des Tatverdächtigen vorliegen, so die Staatsanwaltschaft am Montagmorgen in einer Pressemitteilung.

Aus diesem Grund hat die Staatsanwaltschaft bei dem Amtsgericht Paderborn den Erlass eines Haftbefehls wegen Geiselnahme beantragt, den das Amtsgericht auch erlassen hat. Der Beschuldigte ist festgenommen worden. Nach Verkündung des Haftbefehls durch den Haftrichter befindet er sich nunmehr in Untersuchungshaft. Der Beschuldigte konnte vernommen werden und hat den Vorwurf im Wesentlichen eingeräumt. Die Ermittlungen dauern an. Weitere Auskünfte können derzeit nicht erteilt werden.

Am Freitagabend hatte der 46-jährige Tatverdächtige den Linienbus an der Uferstraße in Höxter am Bahnhof gekapert. Außer dem Busfahrer befand sich in dem roten Mercedes Sprinter noch ein weiterer Insasse. Dieser konnte kurz nach Fahrtantritt bei einem kurzen Stopp an einer Tankstelle an Höxters Weserbrücke aus dem Bus fliehen, berichtet die Polizei. Der Tatverdächtige setzte daraufhin seine Fahrt allein mit dem Busfahrer als Geisel fort. Zuvor hatte er die Fenster des Sprinters mit Zeitungsseiten zugeklebt. Das Polizeipräsidium Bielefeld übernahm die Einsatzführung, setzte Spezialeinheiten aus Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Hessen ein und führte telefonische Verhandlungen mit dem Tatverdächtigen. Der Täter lieferte sich eine Verfolgungsjagd mit der Polizei: Zeitweise mit Tempo 100, dann wieder sehr langsam ging es durch die Dörfer und über rote Ampeln.

Gegen 0.50 Uhr am Samstag gab der Tatverdächtige nach der mehrstündigen Fahrt und Nervenkrieg schließlich seinem Bedürfnis eines Toilettengangs nach und veranlasste den Busfahrer (46) zum Anhalten auf dem Lastwagen-Parkplatz an der Godelheimer Straße in Höxter unterhalb des abgebrannten Ballhauses Felsenkeller. Der Geiselnehmer wurde dort an der B64 festgenommen. Der Busfahrer (46) blieb unverletzt.

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