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Mo., 10.04.2017

Palmsonntagsanschlag erschüttert ägyptische Christen - Damian feiert Ostern nicht in Berlin sondern im Kloster Brenkhausen Koptenbischof zu Attentat: »Hört das denn niemals auf?«

Bischof Anba Damian ist zuständig für tausende koptische Christen in Deutschland und hat seine Residenz im Kloster Brenkhausen bei Höxter. Deutsche Politiker, wie hier Innenminister Thomas de Maizière bei einem Brenkhausen-Besuch, zeigen offen ihre Solidarität mit den Christen.

Bischof Anba Damian ist zuständig für tausende koptische Christen in Deutschland und hat seine Residenz im Kloster Brenkhausen bei Höxter. Deutsche Politiker, wie hier Innenminister Thomas de Maizière bei einem Brenkhausen-Besuch, zeigen offen ihre Solidarität mit den Christen. Foto: Michael Robrecht

Alexandria/Kairo/Höxter (epd/WB/rob). Eine Woche vor Ostern haben zwei blutige Anschläge auf Kirchen mit mindestens 45 Toten Ägypten erschüttert. Der schwerste Anschlag ereignete sich beim Gottesdienst am Palmsonntag in der Stadt Tanta im Nildelta, als laut Staatsfernsehen ein Sprengsatz explodierte. Er sei zuvor in der koptischen Kirche St. Georg platziert worden. Mindestens 29 Menschen kamen hier ums Leben, hieß es unter Berufung auf das Gesundheitsministerium.

Nur wenig später kam es zu einer weiteren Attacke: Nahe der Markuskathedrale in der Hafenstadt Alexandria sprengte sich ein Selbstmordattentäter in die Luft und riss mindestens 16 Menschen mit in den Tod, wie die Zeitung »Al-Ahram« unter Berufung auf das Gesundheitsministerium berichtete. Die Zahl der Verletzten wird in Tanta auf 71 beziffert, in Alexandria auf 41.

CDU/CSU-Fraktionschef Volker Kauder ist einer der engagiertesten Unterstützer der Kopten: hier bei der Klosterbesichtigung in Brenkhausen. Foto: M. Robrecht

Damit gab es in vier Monaten drei Bombenanschläge auf Kirchen in Ägypten. Im Dezember hatte eine Bombe in einer Kirche in Kairo 30 Menschen in den Tod gerissen. Alle drei Anschläge reklamierte die Terrormiliz »Islamischer Staat« (IS) für sich. Im Februar lösten Morde an sieben Kopten eine Massenflucht christlicher Familien aus dem Nordsinai aus. Die IS-Miliz hatte zuvor per Video allen ägyptischen Christen den Krieg erklärt und sie als ihre »Lieblingsopfer« verhöhnt.

Papstbesuch in Kairo in Planung

Der Groß-Imam der Al-Azhar-Moschee, Ahmed Mohammed al-Tayyeb, verurteilte den »feigen« Anschlag auf die »unschuldigen Seelen« beim Gottesdienst. Die Bundesregierung reagierte entsetzt. »Wir trauern mit den Menschen in Ägypten, mit den Angehörigen der Opfer, wir bangen mit den Verletzten«, erklärte Außenminister Sigmar Gabriel (SPD).

Ende April wird Papst Franziskus in Kairo erwartet. Er bete für die Opfer und die Verletzten, sagte er gestern beim Angelusgebet auf dem Petersplatz. Die meisten Ägypter sind sunnitische Muslime. Christen stellen in dem nordafrikanischen Land mit neun Millionen Gläubigen zehn Prozent der Bevölkerung – fast alle sind Kopten.

Koptischer Bischof Damian aus Höxter tief erschüttert

Bischof Damian vom koptischen Kloster in Höxter-Brenkhausen zeigte sich bewegt. »Das Attentat in der nordägyptischen Stadt Tanta hat uns Kopten alle zutiefst erschüttert. Hört das denn niemals auf? Die Bomben werden immer perfekt. Da sind Profis am Werk, die uns entweder direkt aufgehetzt nach dem Freitagsgebet angreifen oder zu den Feiertagen. Mir tut das in der Seele weh, wenn ich die Opfer sehe. Der Bischof von der betroffenen Kirche St. Georg ist in Ägypten als sehr liberal und anerkannt bekannt. Er hat sogar an der neuen Verfassung mitgearbeitet. Durch seine Haltung ist er natürlich ein Ziel für Extremisten.«

Der Bischof sagte auf Anfrage des WESTFALEN-BLATTES weiter: »Man muss die Stimme erheben gegen die Gewalt. Ich frage auch, was die Behörden in Ägypten für die Sicherheit der Kopten wirklich tun? Ich habe heute mitten im Palmsonntagsgottesdienst in Hannover von dem grausamen Anschlag gehört. Die Gläubigen waren alle sehr schockiert. Viele sind während der langen Zeremonie auch aus der Kirche gegangen und haben im Internet nachgelesen, was passiert ist oder haben am Handy Nachrichten aus der Heimat empfangen.«

Damian: »Ich habe mich entschlossen, dieses Jahr Ostern ganz still im Kloster in Höxter-Brenkhausen zu beten und nicht in Berlin mit großen feierlichen Zeremonien und ägyptischen Politikern Ostern zu begehen, wie da sonst üblich ist. Über die wieder anwachsende Hasswelle habe ich kürzlich erst im Bundestag mit CDU-Fraktionschef Volker Kauder gesprochen, damit die Bundesregierung uns Kopten unterstützt.«

Ägypten müsse seine innere politische Struktur verbessern und beruhigen, und nicht nur nach Außen immer so tun als sei alles ruhig und in Ordnung, so Bischof Damian. Diese Art Anschläge könnten jeden Tag wieder passieren, »machen wir uns da mal nichts vor«, erklärte der höchste koptische Bischof in Deutschland. Die ägyptische Regierung müsse endlich ein Konzept gegen den Hass entwickeln. Der IS habe den Kopten quasi den Krieg erklärt, es gebe immer mehr Greueltaten. Außer Beileidsätzen komme von der Regierung in Kairo aber leider oft nichts. Die ägyptische Regierung müsse die koptischen Kirchen effektiver schützen – »sonst wiederholt sich der Terror«.

 

 

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