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Sa., 09.09.2017

Höxteraner (27) und seine Freundin (30) auf Marco polos Spuren Paar reist mit Tesla von der Schweiz bis nach China

Benedikt Ummen und Magdalena Witty mit ihrem »Weltenbummler-Tesla«, auf dem die Flagge jedes Landes, das sie bereist haben, klebt. Im Frühjahr hat sich das Paar auf eine 140-tägige Reise bis zur chinesischen Grenze aufgemacht.

Benedikt Ummen und Magdalena Witty mit ihrem »Weltenbummler-Tesla«, auf dem die Flagge jedes Landes, das sie bereist haben, klebt. Im Frühjahr hat sich das Paar auf eine 140-tägige Reise bis zur chinesischen Grenze aufgemacht. Foto: Timo Gemmeke

Von Timo Gemmecke

Höxter (WB). (WB). Als sichere Totschlagargumente für Gegner der Elektromobilität galten lange Zeit die Reichweite und die Verfügbarkeit der Ladestationen. Benedikt Ummen (27) aus Höxter-Lüchtringen und seine Freundin Magdalena Witty (30) beweisen mit einer Tour auf der alten Seidenstraße in ihrem Tesla das Gegenteil.

Es ist mehr als 700 Jahre her, dass Maro Polo den Landweg nach China zu Handelszwecken erschloss. »Seidenstraße« wurde das alte Karawanennetz fortan genannt, brachte Kaufleute, Gelehrte und Armeen von Ost nach West und von West nach Ost.

So gelangten nicht nur Rohstoffe und Güter auf die andere Hälfte des Kontinents, sondern auch ganze Kulturen, fremde Religionen und Ideen.

Elon Musk als Inspiration

Eine Idee ganz im Sinne der alten Entdecker hat im Jahr 2015 auch Benedikt Ummen, als er durch das Geburtstagsgeschenk seiner Freundin blättert – eine Biographie des Tesla-Chefs Elon Musk.

»Ich hab mich immer gefragt, was man heutzutage noch wirklich Neues machen kann. Etwas, das keiner vorher getan hat«, erzählt der Lüchtringer.

Fast lautlos durch Italien und Polen

Im Sommer 2016 leiht sich das Paar eines der sportlichen Elektro-Gefährte des amerikanischen Unternehmens, schnurrt damit fast lautlos durch Italien, die Slowakei, Österreich und Polen.

»Unsere Freunde haben ganz ungläubig dagestanden und immer nur gefragt: Wie weit fährt so ein Teil eigentlich?«, schildert Magdalena. Zwei Monate später stoßen sie im Internet auf einen gebrauchten Tesla Model S 85, zum »Schnäppchenpreis«, sagen sie.

Neuerkundung der Seidenstraße

Wie weit »so ein Teil« fährt, kann das Paar ein Jahr später genau sagen: »Von der Schweiz bis China, wenn man wirklich möchte noch viel weiter!« Mit ihrer »Neuerkundung« der Seidenstraße beweist das Paar nicht nur neuzeitlichen Entdeckermut, sondern auch, dass das Argument »Elektro macht kaum Meter«, nicht mehr zieht.

Die in drei Monaten ausgearbeitete Route ist lang, das Paar teilt sie in Etappen ein. Von der Schweiz geht es über Österreich nach Slowenien, von Kroatien nach Bosnien-Herzegowina. »Das Motto war zu Beginn: ›Raus aus Europa.‹ Wir wollten Herausforderungen erleben«, sind sich beide einig.

Einladung zur Hochzeit im Kosovo

Probleme und Fehler lassen auf dem Weg bis in den Iran über Montenegro, Albanien, den Kosovo und Bulgarien nicht lange auf sich warten. »Der Anfang war anstrengend. Wir sind täglich zu lang gefahren, haben uns dabei auch schlecht organisiert«, sagt der studierte Maschinenbauingenieur.

Ihre erste durchweg positive Erfahrung machen sie im Kosovo, wo sie im südöstlichen Gjilan von Einheimischen zu einer Hochzeit eingeladen werden. An der Spitze des Hochzeitskonvois? Natürlich der Tesla!

Entspannung in Istanbul

Einige hundert Kilometer später gönnt sich das Paar in Istanbul dann vier Tage zum Entspannen, dank Touristenflaute im Fünf-Sterne-Hotel für knapp 60 Euro pro Nacht.

An abwechslungsreichen Landschaften sehen sich beide später in Georgien und Armenien satt. »Auch von den Leuten dort waren wir überrascht. Dort herrscht, entgegen unserer Vorurteile, ein sehr westwärts gewandtes Denken.«

Stolperstein an iranischer Grenze

Konträr dazu wirkt der Start zur zweiten Etappe, der, bevor diese richtig losgeht, vor der Grenze zum Iran stockt. Ein gesetzliches Embargo hindert das Paar an der Weiterfahrt, denn: Amerikanische Autos sind im Land verboten.

»Die Polizisten haben uns trotzdem durchgelassen, wahrscheinlich aus Neugierde und Interesse am Wagen«, meint Magdalena. Dort angekommen, werden sie behandelt wie Stars. »Jeder wollte das erste Elektro-Auto, das jemals im Iran gefahren ist, sehen.«

Journalisten und Kamerateams warten in Hotellobbys, die iranische Top-Gear-Version dreht einen halbstündigen Beitrag über den Lüchtringer und seine Freundin für das Staatsfernsehen.

Nur weiße Autos erlaubt

Begeisterung für ihr Projekt kommt beim nächsten Stop nicht auf: In der turkmenischen Hauptstadt Aşgabat sind nur weiße Autos zugelassen, für den schwarz-gelben Tesla drückt kein Gesetzeshüter ein Auge zu. »Man hatte das Gefühl, als sei dort jeder verängstigt, gerade seitens der Behörden.« Also umfahren sie das »Nordkorea Zentralasiens« und entgehen auf der Wüstenstraße nach Usbekistan knapp einem Sandsturm. I

m Kasachstan werden sie zur Expo mit dem passenden Motto »Energien der Zukunft« eingeladen. Selbst auf dem Rückweg über Russland und das Baltikum, bleibt der Tesla kein einziges Mal liegen, ein »Riesenglück«, wie beide sagen. Jedes Mal schaffen sie es innerhalb der Reichweite von 400 Kilometern zu tanken – in der Millionenmetropole genau so wie im kleinsten Steppendorf.

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