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Mo., 23.10.2017

Waldpädagogin bietet Führung zum Gehege im Wildpark Neuhaus an Zu Besuch bei den Wölfen

Das mehr als einen Hektar große Wolfsgehege im Wildpark Neuhaus, der zur Stadt Holzminden gehört, ist eine Attraktion. Waldpädagogin Susanne Schröder klärt Besucher über das Verhalten des einst ausgerotteten Tieres auf.

Das mehr als einen Hektar große Wolfsgehege im Wildpark Neuhaus, der zur Stadt Holzminden gehört, ist eine Attraktion. Waldpädagogin Susanne Schröder klärt Besucher über das Verhalten des einst ausgerotteten Tieres auf.

Von Dietmar Kemper

Holzminden/Höxter  (WB). »Der Wolf und seine Beute« heißt die Führung, die Susanne Schröder im Wildpark Neuhaus anbietet. Am Sonntag, 29. Oktober, geht sie mit den Teilnehmern zum Gehege, in dem 16 Tiere leben.

Dass der Mensch zur Beute des Wolfes wird, fürchten bereits einige, aber an der hitzigen Debatte darüber, ob der große Beutegreifer in Deutschland wieder heimisch werden soll, will sich Schröder nicht beteiligen. »Ich möchte objektiv aufklären, nicht über Eventualitäten und Märchen wie ›Rotkäppchen‹ reden«, betont die Waldpädagogin, die im Auftrag der niedersächsischen Landesforsten die Lebensweise der Tiere vorstellt.

»Wölfe fressen vornehmlich Rehe und bei Wildschweinen die Frischlinge«, erzählt sie. Den gefährlichen Keilern gingen sie aus dem Weg. Muffelwild steht ebenfalls auf der Speisekarte des Fleischfressers. Wenn es kein Fleisch gibt, verdrückt er notgedrungen Äpfel. »Grundsätzlich frisst ein Wolf alles, selbst Regenwürmer«, weiß Schröder.

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Ein Wolf, der ein Leben lang immer Wolf war, ist für uns keine Gefahr.

Waldpädagogin Susanne Schröder

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Und was ist mit Menschen? Die Expertin überlegt kurz und sagt dann: »Ein Wolf, der ein Leben lang immer Wolf war, ist für uns keine Gefahr. Aber Tiere, die zum Beispiel auf Truppenübungsplätzen angefüttert wurden, können uns wie wildernde Hunde gefährlich werden.« Der europäische Wolf, den die Besucher des Parks, der zehn Kilometer von Höxter entfernt ist, beobachten können, wird bis zu 80 Zentimeter groß.

Im Gehege lebt er zehn bis zwölf Jahre lang, in freier Wildbahn nur sieben bis acht. Der Grund: In freier Wildbahn müssen Wölfe mit ihren Parasiten selber klarkommen, im Park erhalten sie eine Wurmkur. Dafür können sie in Polen, Rumänien oder der Lausitz weitere Strecken zurücklegen als in Neuhaus. Zwischen 70 und 100 Kilometer laufen Wölfe am Tag und zwischen 150 und 300 Quadratkilometer groß sind ihre Reviere.

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Wölfe heulen nicht den Mond an, sondern um sich zu verständigen.

Susanne Schröder

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Sind Wölfe im Wildparkgehege deshalb unglücklich? Schröder hält die Frage für eine von akademischer Natur: »Die Wölfe sind im Park geboren und kennen nichts anderes.« Entlaufen Wölfe, wie zuletzt im Bayerischen Wald aus einem Freigehege, leben sie gefährlich. Eines der sechs Tiere geriet unter einen Zug, zwei Artgenossen wurden erschossen.

Das Gehege in Neuhaus wird bald zu klein. In diesem Jahr kamen vier Jungtiere hinzu. Welpen bleiben mindestens ein Jahr bei den Eltern, das Rudel sei »eine große Familie«, betont Schröder. Wölfe von außerhalb würden nicht akzeptiert. Dass die Tiere bei Vollmond heulten, sei eine Legende. Schröder: »Wölfe heulen nicht den Mond an, sondern um sich zu verständigen.« Bei Vollmond sehe man sie nur besser.

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Es ist noch nie passiert, dass wir keinen Wolf gesehen haben

Susanne Schröder

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Der Wildpark Neuhaus im Solling ist 50 Hektar groß. In ihm leben heimische Wildarten in ausgedehnten Mischwäldern. In der Zeit von November bis April ist der Wildpark von 9 bis 17 Uhr geöffnet. Erwachsene zahlen fünf Euro Eintritt (Kinder: 3,50 Euro). Für die Teilnahme an einer Führung kommt ein Euro hinzu.

Wer die 90-minütige Führung am Sonntag mitmachen möchte, sollte möglichst schon vor 10 Uhr da sein und sich oben an der Streichelwiese einfinden. Übrigens können Führungen zum Wolf jederzeit bei Susanne Schröder gebucht werden (Telefon: 0 55 72/99 93 65). »Es ist noch nie passiert, dass wir keinen Wolf gesehen haben«, garantiert sie eine Begegnung mit dem Raubtier, über das in diesen Monaten so oft und so emotional geredet wird .

Denn an der Wiederansiedelung des Raubtieres, das inzwischen in Deutschland wieder mit etwa 70 Rudeln und Paaren vertreten ist , scheiden sich die Geister. Während sich Naturschützer über die Rückkehr des Wolfes freuen, äußern Landwirte und besorgte Bürger Kritik .

Landwirte und die Verpächter von Jagdgebieten fürchten finanzielle Einbußen – etwa wenn es Vorfälle gibt wie im Februar in der Senne, als ein Wolf Damwild gerissen hatte . Wirklichen Kontakt mit den Tieren gibt es allerdings nur selten: In NRW wurde der Wolf nach Auskunft des Landesumweltamtes in den ersten sieben Monaten des Jahres sieben Mal nachgewiesen. Bei einem Unfall in Petershagen war Anfang April ein Tier getötet worden.

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