Fr., 09.03.2018

Schauspielerin Heike Ulrich legt Debüt-Roman »Jenseits des Nordlichts« vor Corvey inspiriert Drehbuchautorin

Heike Ulrich kennt das Welterbe-Westwerk aus Kindertagen und lässt jetzt ihren Debüt-Roman dort spielen.

Heike Ulrich kennt das Welterbe-Westwerk aus Kindertagen und lässt jetzt ihren Debüt-Roman dort spielen. Foto: Sabine Robrecht

Von Sabine Robrecht

Höxter (WB). Diese Geschichte wühlt auf. Sie bringt Weltbilder ins Wanken und zieht den Leser hinein in das Spannungsfeld zwischen Glauben und Wissen. Die Schauspielerin und Drehbuchautorin Heike Ulrich möchte mit ihrem Debüt-Roman »Jenseits des Nordlichts« Geist und Seele beflügeln. Der Ort, der sie inspiriert hat – Corvey – gehört zu den Schauplätzen.

Odyssee-Fresken geben Denkanstoß

Rechtzeitig zur Buchmesse im Verlag Jörg Mitzkat Holzminden erschienen, stellte die aus der ARD-Serie »Marienhof« bekannte Theater- und Filmschauspielerin ihr Erstlingswerk gestern in Corvey vor. Die 1963 in Bad Arolsen geborene Künstlerin kannte die einstige Reichsabtei von früher. Bei einem Besuch vor einiger Zeit stolperte sie im Johanneschor des Welterbe-Westwerks über die Fresken, die einen Zyklus aus Homers Epos »Odyssee« zeigen und die den Kampf des Odysseus mit der Skylla noch heute deutlich erkennen lassen. »Abbildungen griechischer Göttermythologien in einem monotheistischen Sakralbau, dachte ich. Mir wurde schlagartig bewusst, wie weit die Karolinger ihrer Zeit voraus gewesen sein mussten.«

Diese Erkenntnis verfestigte in ihr eine Aufgeschlossenheit, mit der sie Dogmatismus in Religion und Wissenschaft überwinden will. Ganz im Sinne von Albert Einstein, dessen Leitsatz auch über ihrem Debüt-Roman steht: »Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt.«

Ulrichs: »Mich interessiert die Psychologie der Figuren«

Begrenztes Wissen spielt eine Rolle in Heike Ulrichs Mischung aus Roman und Thriller. Den lateinischen Untertitel des 373-Seiten-Werks müssen viele Leserinnen und Leser sicherlich googeln: »Annuntiatio Domini« heißt übersetzt »Verkündigung des Herrn«. In vielen christlichen Konfessionen wird dieses Fest am 25. März gefeiert. Es erinnert daran, dass Erzengel Gabriel Maria in Nazareth verkündet hat, dass sie den Sohn Gottes zur Welt bringen wird.

Verleger Jörg Mitzkat (von rechts), Autorin Heike Ulrich, Michael Rindermann (Inhaber des Corveyer Weinhauses) und Angelika C.-Rabenalt (sie koordiniert die Lesungen und die Öffentlichkeitsarbeit). Foto: Sabine Robrecht

In ihrem Roman lässt Heike Ulrich nun eine junge Wissenschaftlerin schwanger werden, obwohl ihr Mann zeugungsunfähig ist und sie beteuert, ihn nicht betrogen zu haben. Ulrich möchte, wenn sie das Phänomen der Jungfernzeugung aufgreift, keine religiösen Gefühle verletzen, sondern »der Frage nach Wissenschaft und Wunder nachgehen«. »Mich interessiert die Psychologie hinter den Figuren.« Wie Heike Ulrich diese bei Theresa, der unerklärlich schwanger gewordenen modernen Frau und bekennenden Atheistin, auffächert, wird die Leser reizen, wenn sie das Buch aufschlagen.

Von Island nach Höxter

Heike Ulrich verspricht, dass keine Längen in ihrem Roman sind. Wie im Drehbuch, von denen sie acht geschrieben hat, stehen Dialoge im Mittelpunkt. Los geht es auf Island, wo die 30-jährige Theresa angezogen von gigantischen Nordlichtern allein unterwegs ist und wo sie in einer klaren Winternacht ohnmächtig wird. Erst am nächsten Morgen wird sie unterkühlt zwischen Felsen entdeckt. Zu Hause attestiert ihr die Hausärztin die Schwangerschaft. Theresa sucht also danach, was in jener Nacht auf Island mit ihr geschehen sein kann, und stößt auf eine alte Seherin, die sie vor Unheil warnt. Theresa glaubt aber nicht an Prophezeiungen.

In dieses Spannungsfeld zwischen Naturgesetzen und übersinnlichen Phänomemen wird der Leser hineingezogen. Die »Reise« führt ihn aber auch an konkrete Orte – nach Höxter und Corvey, in dessen Bibliothek Theresa für ihre Promotion forscht. Heike Ulrich lässt die Protagonistin dunkle Spuren ihrer Familie finden und natürlich auch einen Mord passieren: an Theresas Freund und Mentor Pater Fidelio.

Chance zur Verfilmung

Der Stoff verwebt mittelalterliche Geschehnisse und das Leben eines modernen Paares in einer säkularen Gesellschaft und hat gute Chancen, auch verfilmt zu werden. Verleger Jörg Mitzkat lobt die Lebendigkeit der Personen im Buch. »Da spürt man die Drehbuchautorin.«

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