Di., 08.05.2018

Aus dem Alltag eines Klinikclowns: Pepe bringt Spaß in das St.-Ansgar-Krankenhaus »Lachen macht wirklich gesund«

Von Sarah Schünemann

Höxter (WB). Manche Menschen haben etwas in sich, mit dem sie andere zum Staunen und Lachen bringen können. Einen Teil der eigenen Persönlichkeit, den Detlev Hein bereits vor einigen Jahren gefunden hat: seinen inneren Clown. In diese Rolle schlüpft er, wenn er die kranken Kindern im Höxteraner St.-Ansgar-Krankenhaus besucht.

Im Flur der Kinderambulanz des Höxteraner Krankenhauses steht ein Mann mit einem großen braunen Koffer in der Hand. Er hat die Haare ordentlich nach hinten gekämmt, ist mit seiner Jeans und der dunkelgrünen Jacke eher unauffällig. Im ehemaligen Chefarztzimmer schlüpft dieser Mann, sein Name ist Detlev Hein, kurz darauf in die Rolle des Klinikclowns Pepe Pepolino. Schon die braune Leinenhose mit den Hosenträgern, die rote Fliege und die übergroßen Schuhe machen ihn irgendwie ulkig. Nachdem er die Clownsschminke aufgetragen hat, setzt er sich seine rote Nase auf. »Da hab ich einen geheimen Trick eingebaut«, sagt er, pustet durch die Nase und ein lautes Quietschen ertönt. Den Effekt nutzt Clown Pepe immer wieder während seiner Zeit auf der Kinderstation, um Schritte oder Bewegung zu untermalen.

Elektroniker wird staatlich geprüfter Clown

Wenn er nicht der Clown ist, arbeitet Detlev Hein als Teamleiter in der Servicekoordination einer Computerfirma in Hannover. »Ich habe eine Ausbildung zum Informationselektroniker gemacht. Das hat mir nicht wirklich Spaß gemacht. Das Soziale hat mir schon immer gelegen«, erzählt der 51-Jährige, während er mit einem kräftigen Rotstift seine Lippen nachzieht. Die Clownerie habe er schon immer bewundert und an der Schule für Tanz, Clown und Theater in Hannover häufig Seminare belegt.

»Eines Tages kam dann ein Werbebrief für die Clownschule, auf dem stand ›Wir warten auf dich‹. Da habe ich brav gehorcht und meinen staatlichen Clownerie-Abschluss gemacht«, erinnert sich Hein, lächelt und macht erneut ein Quietschgeräusch mit seiner Nase. Er schaut auf seine laut tickende Taschenuhr: Es ist Zeit, auf die Station zu gehen. Dort spricht er erst mit den Kinderkrankenschwestern Anja Rumrich und Diana Weber. Sie sagen ihm, in welche Zimmer er gehen kann. »Im Krankenhaus muss man auch als Clown auf Keime achten«, erklärt er und desinfiziert sich die Hände bevor er in das erste Zimmer geht.

Einmal pro Monat kommt Klinikclown Pepe die Kinder im St.-Ansgar-Krankenhaus besuchen. Auf einer Hochzeitsmesse hat er vor über fünf Jahren die ehemalige Chefärztin Dr. Nowka angesprochen. »Sie war sofort begeistert von Pepe und lachte mit«, sagt er. Detlev Hein wohnt in Bremen, nimmt den weiten Weg nach Höxter aber gerne auf sich. »Ich will die Menschen erreichen und Spaß haben, ohne Hektik und Stress – einfach leben halt. Das will ich weitergeben«, sagt Clown Pepe.

»Und Lachen macht wirklich gesund, es entspannt den Körper«, ergänzt er augenzwinkernd und betritt den Raum mit zwei kranken Mädchen. Anfangs sind Ayleen (8) und Jana (10) skeptisch, so dass Clown Pepe tief in die Trickkiste greifen muss. Aus einem leeren Malbuch wird dann schnell mit Hilfe von Zauberpuste eines, das vollkommen ausgemalt ist. Mit den Seifenblasen, die nicht zerplatzen und stapelbar sind, hat er die Beiden auf seiner Seite. Am Ende bekommen sie noch einen Luftballon-Marienkäfer, den sie sich gegenseitig lachend zeigen als er das Zimmer verlässt.

Klinikclown – Spaßmacher, Freund und Therapeut

Viele Menschen meinen, dass Clowns immer fröhlich sind. »Nein, nein«, sagt der 51-Jährige kopfschüttelnd. »Ich muss nicht gut drauf sein. Die anderen sollen doch lachen, nicht ich.« Nicht immer aber sind die Reaktionen positiv. »Bevor ich in ein Zimmer gehe bin ich natürlich auch nervös – genau wie die Kinder und Eltern darin«, verrät er in einer ruhigen Minute auf dem Klinikflur. Insbesondere die Jugendlichen seien schwierig. Eine 13-Jährige versuchte einmal, ihn im Krankenhaus aus der Reserve zu locken. »Ich bin aus meiner Rolle gegangen und habe schlussendlich das Zimmer verlassen«, denkt er zurück. »Das muss sie irgendwie bewegt haben.«

Das Mädchen lief ihm hinterher, entschuldigte sich und ist ihm den restlichen Tag nicht von der Seite gewichen. »Ich habe später noch viel mit ihr geredet. Irgendetwas habe ich in ihr gebrochen – manchmal ist man auch irgendwie Therapeut«, sagt er etwas nachdenklich – und geht in das nächste Zimmer, wo die 17-jährige Nina mit einem Freund sitzt. Pepe merkt schnell, dass er sich hier anders verhalten muss. Deshalb versucht er es mit Illusionen. Tatsächlich sind sowohl die 17-Jährige als auch ihr Freund beeindruckt, lachen und versuchen immer wieder herauszufinden, wie die Tricks funktionieren.

Pepe verzaubert Kinder und Eltern gleichermaßen mit seinen Tricks und witzen. Foto: Sarah Schünemann

»Das bringt schon etwas«, weiß auch Kinderkrankenschwester Anja Rumrich. »Pepe lässt die Kinder ihre Schmerzen oder ihr Heimweh vergessen. Er kriegt sie einfach alle.« Als Detlev Hein die Station 1 verlässt, sprechen Jana und Ayleen immer noch über ihre Marienkäfer und Nina rätselt noch über den letzten Trick – er hat es also wieder geschafft. »Ich komme als Clown und gehe als Freund«, sagt er mit einem Lächeln im Gesicht, dreht sich um und geht weiter.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.

Google-Anzeigen

© WESTFALEN-BLATT
Vereinigte Zeitungsverlage GmbH

Alle Inhalte dieses Internetangebotes, insbesondere Texte, Fotografien und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Verwendung nur gemäß der Nutzungsbedingungen.

Anzeige


https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/5720906?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198395%2F2516020%2F