Fr., 01.06.2018

Extremwetter: Familie Risse in Bredenborn von Wasserwalze getroffen - Braune Brühe zerstört Wohnräume und Keller Schlammlawine flutet Haus in Bredenborn

Annika Risse und Torben Ruberg zeigen die Reste der Schlammlawine, die in der Gewitternacht durch das Haus Bredenborn Südring 11 geflossen ist und Möbel und Hausrat zerstört hat. Der Graben ist erst nach dem Unwetter ausgehoben worden.

Annika Risse und Torben Ruberg zeigen die Reste der Schlammlawine, die in der Gewitternacht durch das Haus Bredenborn Südring 11 geflossen ist und Möbel und Hausrat zerstört hat. Der Graben ist erst nach dem Unwetter ausgehoben worden. Foto: Michael Robrecht

Von Michael Robrecht

Marienmünster/Bredenborn (WB). Eine Wasser- und Schlammlawine hat das Einfamilienhaus Südring 11 in Marienmünster-Bredenborn schwer beschädigt. Familie Risse muss sämtlichen Hausrat und alle Möbel aus Erdgeschoss und Keller in Müllcontainern entsorgen. Die Schäden sind die Folge der Gewitternacht von Dienstag auf Mittwoch. Jetzt läuft das große Aufräumen.

Die braunen Fluten hätten binnen Minuten im Haus gestanden, schildert Annika Risse mit Tränen in den Augen ihr Unglück. Sie war mit ihrem Freund Torben Geratz (25) und ihrer Schwester Caroline (21) im Haus in Bredenborn, als das Unglück passierte. Alle hätten nach einer kleinen Geburtstagsfeier für die Schwester gegen 23 Uhr im Obergeschoss im Bett gelegen, als es gekracht habe und der Strom ausfiel. Als sie die Treppe heruntergekommen seien, seien die Fluten schon aus dem voll gelaufenen Keller ins Erdgeschoss gelaufen. »Küche, Wohnzimmer, Herd, Heizung, wichtige Akten in Schränken und Haushaltsgegenstände – alles kaputt«, beschreibt die gelernte Krankenschwester Annika Risse, die in der Caritas-Pflegestation am St. Ansgar in Höxter arbeitet, das Chaos.

Die Feuerwehr sei gerade im Einsatz bei dem durch einen Blitz getroffenen Haus in der Nähe gewesen: Die kamen mit Pumpen, um uns zu helfen.« Auch Nachbarn und Verwandte seien angerückt. Ihr Vater Ludwig Risse (62) habe die Kur in St. Peter-Ording abgebrochen und sei zurückgekommen.

»Und wer bezahlt uns das alles?« sorgt sich Annika Risse. Neue Möbel, der Strom für die Trocknungsgebläse, der Ärger: Wie viele im Wohngebiet aus den 1960er Jahren hätten sie keine Elementarschäden in ihrem Versicherungspaket berücksichtigt. Wenn man von 50.000 Euro Schaden ausgehe, treffe das die Familie hart. Jahrzehnte sei Wasser am Südring kein Thema gewesen, doch durch die zunehmenden extremen Wetterkapriolen sei das wohl ein Fehler, so Annika Risse.

Die Familie ärgert sich, dass ein Feldweg oberhalb des Grundstückes, das ein abschüssiges Maisfeld von den Privatgärten trennt, von der Stadt zu wenig gepflegt worden sei. Der Wassergraben sei zugewuchert, ein Abflussrohr offensichtlich zu klein für Gewitterschauer. Die Nachbarschaft hat die Stadt alarmiert. Die rückte zwei Mal mit einem Bagger an und vertiefte den Graben, um keine weiteren Überschwemmungen zu provozieren. Bauamtsleiter Stefan Niemann sprach mit den Anwohnern und mit der Familie.

Der dort ansässige Landwirt berichtete, erstmals auf der Fläche Mais angebaut zu haben. Die wenigen Wurzeln hielten die 60 Liter Wasser pro Quadratmeter nicht und die Sturzflut lief – wie in einen Trichter – gleich gegenüber des Risseschen Grundstück zusammen und ergoss sich ins Haus Nr. 11. Wie ein Fluss schwappte die Brühe durch die Räume. Am Freitag wurden am Feldweg zusätzlich Sandsäcke aufgeschichtet, Nachbarn bauten Holzwände auf.

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