So., 10.06.2018

Älteste Kleinenbredenerin lädt ganzes Dorf zum 95. Geburtstag ein – und alle feiern mit Alle lieben Oma Resi

Ein ganzes Dorf feiert den 95. Geburtstag von Resi Leßmann . Motto der rüstigen Seniorin: »Et kütt wie es kütt und et hätt noch immer jot jejange.« Oma Resi ist die erste Frau aus Kleinenbreden, die erst 90 und jetzt 95 Jahre alt geworden ist. Gefeiert worden ist am Samstag rund um ihr Fachwerkhaus.

Ein ganzes Dorf feiert den 95. Geburtstag von Resi Leßmann . Motto der rüstigen Seniorin: »Et kütt wie es kütt und et hätt noch immer jot jejange.« Oma Resi ist die erste Frau aus Kleinenbreden, die erst 90 und jetzt 95 Jahre alt geworden ist. Gefeiert worden ist am Samstag rund um ihr Fachwerkhaus. Foto: Michael Robrecht

Von Michael Robrecht

Marienmünster (WB). Oma Resi Leßmann ist gerührt: Alle Einwohner von Kleinenbreden und die gesamte Verwandtschaft haben ihre Einladung angenommen und mit der rüstigen Seniorin am Samstag den 95. Geburtstag gefeiert.

»Oma Resi’s 95. – Alle Einwohner von Kleinenbreden sind eingeladen zum Frühschoppen auf die Deele. Es gibt Kölsch vom Fass, Würstchen sowie Kaffee und Kuchen«, steht auf den Plakaten, die im Dorf hängen. Und alle kommen.

Um 11 Uhr stehen die ersten Gratulanten Schlange. Die Gratulationsreihen haben sich erst nach 12 Uhr gelichtet. Die Hauptstraße ist für den Verkehr gesperrt. Zelte, Getränkewagen (»Kölsch für alle«) und Grill sind aufgebaut, die Deele in dem Fachwerkhaus von Kleinenbredens ältester Einwohnerin höchstpersönlich geschmückt.

»Als ich vor fünf Jahren 90 wurde, habe ich versprochen, wieder das ganze Dorf einzuladen, wenn ich mit 95 noch lebe. Und was man verspricht, muss man halten«, lacht die gebürtige Kölnerin. Der 130-Seelen-Ort hält zusammen. »Wir haben drei Tage aufgebaut. Meine Mutter hat alle Details selbst gemanagt«, berichtet Sohn Heiner Leßmann. Wo gebe es das schon, dass eine Jubilarin ein ganzes Dorf einlade.

»Effzeh«-Fahnen dürfen nicht fehlen

Das Thema Köln ist überall bei der rheinischen Frohnatur Resi Leßmann sichtbar: zwei 1. FC-Köln-Fahnen sind im Garten gehisst; an den Deelenwänden hängen Kölsche Sprüche, Fotos von Dom und Rhein überall, und als erste Gratulanten treten die als Kölner Dreigestirn verkleideten Brunhilde Brakweh, Jutta Fritsche und Ingrid Warin auf. Gezapft wird selbstredend in 0,2-Gläsern Original Kölsch-Bier, und ein Bild des verstorbenen Schauspielers Willi Millowitsch hängt an der Deelenwand.

Mit dem hatte Oma Resi bis zu seinem Tod regelmäßig Briefkontakt – Kölner unter sich. Sohn Heiner muss bis heute regelmäßig in der Karnevalszeit die Kölner Büttenreden beim WDR anfordern: »Die kann meine Mutter dann in kurzer Zeit selbst auswendig vortragen. Unfassbar.«

Reinländische Freude in OWL

Apropos Köln: Die vier Kinder, acht Enkel und neun Urenkel kennen die Köln-Liebe der Neu-95-Jährigen. Es habe sie 1943 nach den Bombardierungen Kölns im Zweiten Weltkrieg nach Steinheim verschlagen, erzählt sie. 1949 habe sie dann nach Kleinenbreden geheiratet.

Ihre Heimatstadt sei für sie immer wichtig und unvergessen gewesen, freut sie sich, wenn sie heute sieht, dass junge Leute in Höxter oder Bredenborn Kölner Nächte mit Kölschen Bands veranstalten und rheinländische Freude nach Ostwestfalen bringen.

Besuch aus Virginia

Oma Resi ist ein Familienmensch: Ihr geht das Herz auf, wenn alle, die sie gern hat, um sie herumsitzen. So freut sie sich besonders, dass Neffe Ludger Busche aus Virginia/USA schon morgens aus Übersee zum 95. Wiegenfest gratuliert hat. Auch aus der Schweiz kommen Familienmitglieder; andere leben in der Nähe und können sich um Oma Resi regelmäßig kümmern.

»Ich wohne allein im Fachwerkhaus. Ich bin nicht mehr so beweglich und weniger unterwegs, aber das klappt hier alles noch ganz gut«, berichtet sie. Resi Leßmann genießt jede Gratulation in ihrem großen Ohrensessel. Und sie hat ein phänomenales Gedächtnis: Die 95-Jährige kennt Dutzende Geburtstagsdaten auswendig, schaut Nachrichten und liest jeden Tag das WESTFALEN-BLATT. Unwetter in Ottbergen und Bredenborn, Astronaut Alexander Gerst im Weltall und G7-Gipfel: »Mich interessiert alles. Bis auf die Fußball-WM. Da reichen mir die Ergebnisse unserer Nationalelf«, lacht Oma Resi. »Ist das nicht ein toller Geburtstag. Top-Wetter. Ein ganzes Dorf und alle Verwandten feiern gut gelaunt mit«, meint eine Freundin bewegt.

Zum 100. Geburtstag wolle sie wieder groß feiern, kündigt Resi Leßmann an. »Wenn der Herrgott das zulässt«, schränkt sie aber ein. Aber sie sei eine fröhliche Person und immer optimistisch. Das halte jung. Deshalb freue sie sich jetzt schon auf das Jahr 2023.

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