Mi., 05.09.2018

Martina Gedeck über gute und schlechte Filme und ihren Auftritt in Corvey Gedeck: »Komödie lockt mich immer«

Beim neuen Corveyer Kunstfest »Via Nova« hat die erfolgreiche Schauspielerin Martina Gedeck im Kaisersaal der alten Reichsabtei bei Höxter gelesen.

Beim neuen Corveyer Kunstfest »Via Nova« hat die erfolgreiche Schauspielerin Martina Gedeck im Kaisersaal der alten Reichsabtei bei Höxter gelesen. Foto: Sabine Robrecht

Höxter (WB). Martina Gedeck (56) ist eine der Großen des deutschen Films und gehörte zum Staraufgebot des neuen Kunstfestes »Via Nova« in der Welterbestätte Corvey: Die Schauspielerin hat bei einer Lesung im Kaisersaal ihr besonderes Charisma entfaltet. Über ihre aktuellen Projekte hat die WESTFALEN-BLATT-Redakteurin Sabine Robrecht in Corvey mit ihr gesprochen.

Sie haben mit »Arthurs Gesetz« für den Bezahlsender TNT Comedy Ihre erste Fernsehserie gemacht. Was reizt Sie an der Doppelrolle, die Sie dort spielen?

Martina Gedeck: Das sind zwei unterschiedliche Frauen, Zwillinge zwar, aber ganz unterschiedliche Personen. Das ist das Schöne dabei. Martha ist eine sehr dominante, extrovertierte Frau, während Muriel zurückhaltender ist, eher schüchtern. Die beiden Schwestern kommen sich ins Gehege. Das Besondere an dem Projekt waren die außergewöhnlichen Drehbücher. Martha schrammt immer knapp am Wahnsinn vorbei. Das Ganze spitzt sich mehr und mehr zu und wird immer absurder und schließlich lebensgefährlich. Trotzdem ist es eigentlich die Geschichte von kleinen Leuten. Absurd und gleichzeitig liebenswert.

 

Sie sind in »Arthurs Gesetz« an der Seite von Jan Josef Liefers zu erleben. Er ist sicher ein interessanter Spielpartner.

Gedeck: Jan Josef Liefers ist jemand, mit dem man sich hervorragend die Bälle zuspielen kann. Er ist ein sehr versierter Komödiant. Es hat viel Spaß gemacht, mit ihm zu spielen, weil er immer eine sehr spezifische Figur erfindet und sich in dieser Figur bewegt. Er verwandelt sich stark.

 

Der Zuschauer bringt Ihren Namen nicht unmittelbar mit dem komödiantischen Fach, sondern eher mit ernsten Rollen in Verbindung.

Gedeck: Bei mir hat es sich immer ganz gut die Waage gehalten. Ich habe einige komödiantische, leichtere Stoffe gemacht – die durchaus berühmte Komödie »Single Bells« beispielsweise. Letzten Endes ist auch »Bella Martha« eine Komödie. Aber man hat die Komödien wahrscheinlich nicht so in Erinnerung. In letzter Zeit habe ich auch eher ernstere Rollen gespielt, das stimmt schon. Aber die Komödie ist immer etwas, das mich lockt.

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Es ist die Aufgabe und Verantwortung der Filmemacher, dass sie nicht jeden Blödsinn mitmachen.

Martina Gedeck

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Sie waren in großen Qualitätsproduktionen wie »Das Leben der anderen«, »Der Baader-Meinhof-Komplex«, dem Dreiteiler »Tannbach« und dem Demenzdrama »Die Auslöschung« mit Klaus Maria Bran­dauer in Hauptrollen zu erleben. Gibt es angesichts dieses hochkarätigen Tableaus noch eine Wunschrolle?

Gedeck: Das ist ja anders als im Theater oder in der Musik, wo es schon feststehende Figuren gibt. Wir werden als Filmschauspieler mit Stoffen konfrontiert, die neu erfunden sind. Deswegen lasse ich das auf mich zukommen und habe das immer so gehandhabt. Das ist das Schöne an der Filmschauspielerei, dass die Dinge neu erfunden werden und man sich nicht auf Altbekanntes draufsetzt. Das Filmgeschäft hat viel mit der Zeit und ihren Strömungen zu tun – was gerade aktuell und gesellschaftlich relevant ist. Da spiele ich gerne mit. Mich interessiert, was mit unserem aktuellen Leben zu tun hat. Wenn es historische Figuren sind, dann sollten sie sich nicht zu abseitig bewegen, sondern mit unserem Leben zu tun haben.

 

Welches Ausschlusskriterium haben Rollenangebote?

Gedeck: Es gibt sehr oberflächliche Drehbücher, eindimensional erzählte Figuren und Stoffe, die wir schon x-mal gesehen haben und die sich in Klischees und Stereotypen bewegen. Das interessiert mich weniger. Ich finde es wichtig, dass es eine gewisse Tiefe gibt, eine Mehrdimensionalität, und dass es, wie gesagt, mit unserem Leben zu tun hat. Wenn das nicht der Fall ist, langweile ich mich, und ich langweile mich nicht gern. Deswegen müssen Figuren auch etwas Überraschendes haben.

 

Stimmt der Eindruck, dass das Fernsehprogramm und die Charaktere immer flacher werden?

Gedeck: Ich weiß nicht, ob es so ist. Man sollte zumindest dagegenarbeiten. Es gibt viele Filmemacher, die das tun. Im Fernsehen laufen ja auch wunderschöne Filme. Es ist die Aufgabe und Verantwortung der Filmemacher, dass sie nicht jeden Blödsinn mitmachen. Denn es wird schon einiges produziert, von dem man sich fragt, wozu es denn da ist. Deswegen schauen die Leute dann auch nicht mehr zu. Es ist kein Geheimnis, dass immer weniger Leute zuschalten. Im Bereich Fiktion ist es wichtig, dass man an durchaus sehr großartige Fernsehereignisse anknüpft, die wir hatten und die wir nicht vergessen dürfen.

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Es ist ein beeindruckendes Kloster, das sehr groß und in seiner Pracht überwältigend auf mich wirkt.

Martina Gedeck

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Sehen Sie die Zukunft eher im Bezahlfernsehen?

Gedeck: Wenn es eine Freiheit im Denken gibt und eine Lust auf Ungewöhnliches und auf kreative Formen der Filmemacherei, dann bringt uns das am allerweitesten. Und wenn das Pay-TV dafür offen ist – es ist ja noch nicht absehbar, wie es sich entwickeln wird –, dann gibt es durchaus interessante Ergebnisse.

 

Das Welterbe Corvey und seine große geistesgeschichtliche Strahlkraft stehen im Mittelpunkt des Festivals »Via Nova«. Welchen Eindruck macht dieser Ort auf Sie?

Gedeck: Es ist ein beeindruckendes Kloster, das sehr groß und in seiner Pracht überwältigend auf mich wirkt. Es ist etwas ganz Besonderes. Vor einigen Jahren habe ich in der Kirche gelesen. Es hat mich gefreut, dass ich jetzt im Kaisersaal auftreten durfte.

 

Wo werden wir Sie demnächst wieder auf dem Fernsehschirm erleben? Wie sehen Ihre Zukunftspläne aus?

Gedeck: Ich habe gerade einen Film abgedreht, der heißt »Herzjagen«. Es ist ein Drama um eine schwer herzkranke Frau und wird Ende des Jahres oder vielleicht Anfang 2019 zu sehen sein. Ansonsten werde ich weiter so arbeiten wie bisher. Ich werde weiter Filme machen und auch ab und zu Theater spielen. Ich bin sehr gerne bei diesen Wort-Musik-Programmen dabei, bin viel mit Musikern in Deutschland, in der Schweiz und in Österreich unterwegs. Das ist etwas, was ich sehr gern mache, weil man den unmittelbaren Kontakt zum Publikum hat und mir die Verbindung von Musik und Wort sehr gut gefällt.

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