Do., 13.09.2018

Zum Schutz der Fledermäuse: Bagger rückt erst in den Nachtstunden an - Anwohner erleben einmaliges Schauspiel Abriss des legendären Felsenkellers

Ein Abrissbagger »frisst« sich in den Nachtstunden durch die Reste des berühmten »Felsenkellers« von Höxter.

Ein Abrissbagger »frisst« sich in den Nachtstunden durch die Reste des berühmten »Felsenkellers« von Höxter. Foto: Harald Iding

Von Harald Iding

Höxter (WB). Es ist das heimliche Wahrzeichen von Höxter gewesen und bot viele Jahre als Ballhaus und Diskothek eine Bühne für Stars wie die Toten Hosen, die Ärzte oder auch den Commodores: Der Felsenkeller ist seit der Nacht zu Donnerstag Geschichte. Nach dem verheerenden Brand vor genau zwölf Jahren sind die letzten Gebäudeteile der Ruine abgerissen worden.  

Ein mächtiger Abbruchbagger reißt vor Mitternacht Stück für Stück die Wände und Dächer ein. Große Schweinwerfer sorgen für die passende Ausleuchtung der letzten Szene des legendären Felsenkellers.  Auf rund 10.000 Quadratmeter soll hier Platz geschaffen werden für neue Wohnhäuser mit einem wohl einmaligen, freien Blick auf die Weser.

Die nächtliche Räumaktion oberhalb der Bundesstraße 64 wird zur allerletzten »Abschiedsparty«, an der rund 30 Anwohner teilnehmen. Denn die neuen Eigentümer wollten allen Nachbarn die Chance geben, live den Abriss aus direkter Nähe erleben zu können und hatten alle Interessierten dazu eingeladen. Und das zu einer Tageszeit, wo sich andere gerade eine gute Nacht wünschen.
Zu diesem einmaligen »Event« wurden von Lott und Hecker noch kostenlos Getränke gereicht für alle, denn es wurde auf dieser Großbaustelle richtig staubig.

Statt bester Tanzstimmung und Ausgelassenheit wie früher, bestimmte dieser letzte Akt des Felsenkellers eher Melancholie. Einigen Zaungästen war die Traurigkeit dieses Moments direkt anzumerken. Denn wohl jeder von ihnen verbindet starke Momente und schöne Erinnerungen mit dem Felsenkeller, ob seinerzeit als Erwachsener oder als Jugendlicher in den 80er-Jahren. Das einstige denkmalgeschützte Gebäude, das so markant und stolz schon von weitem zu sehen war, ist jetzt für immer Geschichte.

Das Wohnhaus, der große Saal und ein alter Schweinestall wurden von dem Bagger einer Spezialfirma aus OWL in mehreren Stunden zerlegt. 
Hans-Jochen Lott und Dr. Manfred Hecker sagten vor Ort dem WESTFALEN-BLATT: »Wir haben für die nächtliche Aktion heute eine Sondergenehmigung. Wir mussten warten, bis die Fledermäuse die Gebäudereste verlassen hatten. Sie fliegen jetzt hier herum und nun kann der Abriss erfolgen. Für die Tiere haben wir ja schon mehr als 40 Spezialkästen an Bäumen in unmittelbarer Nähe anbringen lassen.«
In der Nacht wurde alles flach gemacht und der Bauschutt (wie Holz und Stahl) soll in den nächsten Tagen sortiert werden. Hans-Jochen Lott von dem Felsenkeller-Projekt: »Wir haben alle Auflagen der Naturschutzbehörde erfüllt und sind froh, dass es hier nach den vielen Jahren des Stillstands endlich weitergeht.«

Es sollen dort acht Häuser entstehen mit einer neuen Mittelstraße als Zuwegung. Im September 2017 hatten Hans-Jochen Lott, Dr. Manfred Hecker und Georg Ummen zu je einem Drittel beim Zwangsversteigerungstermin vor dem Amtsgericht Höxter für 115.000 Euro den Zuschlag für den Felsenkeller erhalten. Baubeginn könnte im kommenden Jahr sein.Zuvor muss die Erschließung geregelt werden. Die Abrisskosten betragen um die 80.000 Euro.

Und was wünschen sich die Anwohner? Ein Familienvater: »Es wäre schön, wenn die neuen Häuser von ihrer Architektur zu unserer Siedlung passen. Auch auf neue Familien freuen wir uns!« 

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