Fr., 12.10.2018

Ex-Hotel in Corvey mit Lärchenholzwand und Bauzaun gesichert - Verfall schon seit Jahren Dreizehnlinden-Haus: Einst erste Adresse, jetzt Ruine

Baustelle Corvey: Fast vergessen, erlebt das Ex-Hotel »Dreizehnlinden« seit vier Jahrzehnten das Dornröschenschicksal. Einst haben hier Namen wie Annette von Droste-Hülshoff, viel Adel oder Freunde von Hoffmann von Fallersleben logiert.

Baustelle Corvey: Fast vergessen, erlebt das Ex-Hotel »Dreizehnlinden« seit vier Jahrzehnten das Dornröschenschicksal. Einst haben hier Namen wie Annette von Droste-Hülshoff, viel Adel oder Freunde von Hoffmann von Fallersleben logiert. Foto: Michael Robrecht

Von Michael Robrecht

Höxter (WB). Einst erste Adresse unter den Gasthäusern im Weserbergland, heute eine Ruine: Das »Dreizehnlinden-Haus« – vis-a-vis von Schloss Corvey – kann zurzeit nicht saniert werden. Es ist deshalb wegen vieler Bauschäden mit Holz gesichert worden.

Im Zuge der Renovierungsmaßnahmen an Vorburg, Marstall und Domäne konnte die Rückseite des ehemaligen Corveyer Gasthauses nun wetterfest abgedichtet werden. Michael Funk, Geschäftsführer der Kulturkreis Höxter-Corvey GmbH, sagte, dass eine Lärchenholzverschalung für die sehr verwitterte Südwestseite des 224 Jahre alten Gebäudes gewählt worden sei, um den weiteren Verfall zu stoppen. Lärche sei ein harzreiches Holz, das widerstandsfähig gegen Nässe sei.

Die Balken dahinter würden trocken bleiben, so Funk. Zu den Straßenseiten hin habe man einen Bauzaun errichtet, um die Besucher und Passanten vor herunterstürzenden Steinen oder Dachziegeln zu schützen. 40.000 Euro seien für die Bestandssicherungsarbeiten ausgegeben worden. Das alles sei Teil des vom Bund mit vier Millionen Euro und von der Stadt mit 400.000 Euro unterstützten Welterbe-Corvey-Förderprogramms, das Kirche, Schloss, Nebengebäude sowie Dächer umfasse.

Michael Funk berichtete, dass die Instandsetzungsarbeiten auf den Dächern von Schlossrestaurant und Vorburg (neuer Eingangsbereich) bis zum Jahresende abgeschlossen seien würden. In der Vorburg müsse unter den sanierten Sollingsandsteindächern ein Innenverstrich aus Pferdehaaren und Lehm angebracht werden.

Diese Arbeiten unter dem Dach durch Dachdecker Müller stehen in diesem Herbst im Marstallgebäude über der Gastronomie, die unabhängig vom Förderprogramm noch vom Herzoglichen Haus saniert werden soll, auch noch an. Fertig abgerechnet sein müssen die Arbeiten an den Schlossnebengebäuden zum 31. Dezember. Im Frühjahr 2019 sollten die Gäste im neuen Eingangszentrum, deren Wände neu gekalkt wurden, begrüßt werden, sagte Michael Funk von der herzoglichen Generalverwaltung.

Parallel laufen auch die Umgestaltungsmaßnahmen in der Abteikirche weiter (wir berichteten über die schwierige Entscheidungsfindung zur Glaswand).

Geschichte des »Dreizehnlinden-Hauses«

Der alte Krug am Kloster Corvey ist 1695 unter Abt Christoph von Bellinghausen errichtet und 1845 abgerissen worden. Unter Fürstabt Caspar von Boeselager gab es 1742 einen Plan zum Neubau eines »Neuen Gasthauses« von Franz Christoph Nagel aus Paderborn. 1794 war es dann soweit. Das Neue Wirtshaus zu Corvey (ab 1907 »Dreizehnlinden-Hotel«) beeindruckt durch ein drei Etagen hohes Wohngebäude aus Holz und mit gemauerten Fachwerkwänden sowie einem Eingang mit Freitreppe. Drei geräumige gewölbte Keller gibt es.

Im Erdgeschoss (rechts vom Eingang nach vorn) befinden sich Speisezimmer, ein Wohnzimmer und ein Schlafzimmer; links vom Eingang liegt ein Gesellschaftssaal mit Büffet, das nach hinten durch einen Korridor von den Räumen getrennt ist. Rechts schließen sich Küche und Speisekammer, Billard-Saal und einige Nebenzimmer an. In der ersten Etage nach vorn heraus befinden sich der große Tanzsaal mit einem Balkon, Spielzimmer, zwei Kabinette und nach hinten sieben Zimmer.

In der zweiten Etage (Mansarde) sind einst drei heizbare Zimmer und sieben Kammern nebst Bodenraum über dem Saal vorhanden. Der Küchengarten sei stolze zwei Morgen groß, berichtet das Corveyer Archiv. Ein Ökonomie-Gebäude enthält Kuhställe, Schweineställe und Pferdeställe für 30 Tiere, ein Back- und Brauhaus sowie Futter-Kammern, Heuboden und Wagenremisen für reisende Gäste. Das Haus steht seit 40 Jahren leer.

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