Fr., 19.10.2018

27 und mehr Grad am Godelheimer See bei Höxter – mit Video Temperatur-Rekord und Weser-Niedrigwasser

Der Herbst, der ein Rekordsommer war: 27 und mehr Grad am Godelheimer See vor ein paar Tagen. Und dann das dauerhafte Weserniedrigwasser - rekordverdächtig mit um die 65 Zentimeter wie hier bei Corvey.

Der Herbst, der ein Rekordsommer war: 27 und mehr Grad am Godelheimer See vor ein paar Tagen. Und dann das dauerhafte Weserniedrigwasser - rekordverdächtig mit um die 65 Zentimeter wie hier bei Corvey. Foto: Michael Robrecht

Von Michael Robrecht

Höxter (WB). Der Weser-Pegel sinkt weiter. In der vergangenen Woche ist zeitweise die 65-Zentimeter-Marke am Messpunkt auf Höhe des Corveyer Hafens unterschritten worden. Bei Corvey wirkt der Fluss halbiert. Wie steiniges Watt präsentiert sich der freigelegte Weser-Grund.

Und dann der Spätsommer mitten im Herbst: Die einen schimpfen über die Hitze, die anderen freuen sich, dass der Sommer in die Verlängerung gegangen ist: Der Kreis Höxter hat am vergangenen Samstag einen Tag erlebt, der vielen Menschen in Erinnerung bleiben wird – als heißester Oktobertag seit Beginn der Wetteraufzeichnung.

In Höxter beispielsweise war es noch nie so warm im Oktober wie heute: 27 bis 28 Grad Celsius zeigte das Thermometer an. »Die Temperaturen sind am oberen Ende dessen, was zu dieser Jahreszeit möglich ist«, so Thore Hansen vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Noch bis Wochenanfang hielt das sommerliche Wetter an.

65 Zentimeter

In der Woche waren viele Radler unterwegs. Die Menschen saßen in Eisdielen und Biergärten oder es wurde daheim gegrillt.

65, 66, 68 Zentimeter meldete die Internetseite elwis.de , die unter »Service« die Wasserstände der Weser und anderer Flüsse in regelmäßigen Abständen dokumentiert. An vielen Stellen liegen die Flusssteine blank oder Buhnen und Uferstreifen sind völlig ausgetrocknet. Die Flotte Weser wird in dieser Saison nicht mehr fahren. An eine solch lange Durststrecke für die Schiffe können sich die Reeder in Hameln nicht erinnern. Der Rekordtiefststand in Höxter stammt übrigens von 1959 mit 58 Zentimetern.

Bollerbachmündung beliebtes Motiv - Sinkendes Grundwasser

Am Weser-Ufer in Höxter erinnert ein neuer Hungerstein an den Wasserniedrigstand in diesem September. Die eingravierten 69 Zentimeter sind schon unterschritten worden. Ulrich Drüke hat in Absprache mit dem Wasser- und Schifffahrtsamt Hann./Münden Außenbezirk Höxter auf einem schweren Uferstein an der Bollerbachmündung eine Messingtafel befestigt: »Hungerstein – 19.9.2018 – 69 Zentimeter« hat Ralf Gartenschläger auf das Metall graviert. Der Stein am Wasserrand unterhalb der Böschung wird von vielen Ortskundigen besucht und fotografiert. Auch die Bollerbachmündung, inzwischen ein kleiner, idyllischer Wasserfall, ist ein beliebtes Fotomotiv unterhalb der »R1«-Gastronomie und des »Höxter-Skywalks«.

Die Bundeswasserstraße hat sich stellenweise halbiert. Die Weser wird derzeit fast nur noch von den Flüssen Werra und Fulda mit Wasser versorgt. Aus Nethe, Bever oder Emmer fließt immer weniger feuchtes Nass zur Weser. Im Nethebachbett wachsen Pflanzen. Das, was aktuell aus den Talsperren (Diemel und Eder) kommt, ist minimal. Mit dem Wasser aus der Edertalsperre kann die Weser schon seit dem Sommer nicht mehr rechnen; der See ist nur noch zu zehn Prozent gefüllt. Zwischen 65 und 67 Zentimeter variiert am Freitag der Weserpegel am Messpunkt Höxter am Corveyer Hafen. Tendenz laut Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Hann. Münden: weiter sinkend. Dass die 60 Zentimeter unterschritten und der Rekordwert 58 Zentimeter von 1959 unterschritten werden könnte, gilt als nicht unwahrscheinlich. Besonders eindrucksvoll ist das frei gelegte Weserufer bei Corvey gegenüber des Eichenweges unweit der Eisenbahnbrücke und des Radweges Richtung Steinkrug. An dieser historischen Stelle, wo im Mittelalter die erste Corveyer Hellweg-Brücke stand, sind viele »Hungersteine« zu sehen. Hier wurde sogar einmal ein alter Brückenfundamentstein entdeckt. Aber auch bei Fürstenberg, Wehrden und Beverungen hat sich die Weser zum Rinnsal entwickelt. Gebäudebesitzer im Flusstal schauen schon, ob es Setzschäden durch absinkendes Grundwasser an ihren Häusern gibt.

 

 

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