Di., 30.10.2018

Erste sichtbare Baumaßnahme für LGS: Ausgrabungen an der Weserpromenade Archäologen suchen Höxter-Hafen

Im Museum in Schloss Corvey wird auf einer Projektion gezeigt, wie das Weserufer in Höxter in der Renaissancezeit vor 450 Jahren ausgesehen haben könnte; links der Treidelweg mit bootziehenden Pferden, vorne Anlegeplätze vor der Brücke.

Im Museum in Schloss Corvey wird auf einer Projektion gezeigt, wie das Weserufer in Höxter in der Renaissancezeit vor 450 Jahren ausgesehen haben könnte; links der Treidelweg mit bootziehenden Pferden, vorne Anlegeplätze vor der Brücke. Foto: Michael Robrecht

Von Michael Robrecht

Höxter (WB). Die Landesgartenschau 2023 macht es möglich: Erstmals wird Höxters Weserpromenade archäologisch untersucht. Erwartet werden Funde zur historischen Stadtbefestigung, zum Festungsgraben, zu möglichen Handelsschiffsanlegern und vielleicht sogar zu einem kleinen Hafen.

Stadtarchäologe Andreas König und sein dreiköpfiges Grabungsteam werden mit den Ausgrabungen am Montag, 5. November, beginnen. Bis Ende Januar haben die Fachleute Zeit, in zwei drei Meter breiten und von einem Bagger gezogenen Gräben Erkenntnisse über dieses bislang völlig unbekannte Stück Alt-Höxter zu gewinnen. Spuren aus Mittelalter und Renaissance werden auf dem gesamten für die LGS vorgesehenen Promenadengelände zwischen R1-Gastronomie und Unterführung Marienkirche/Wasserfall gesucht. Archäologe König ist sich sicher, dass auf dem Areal des eingetragenen Bodendenkmals Spuren zu finden sind. »Wir wissen nicht, was da schlummert, aber dort könnte etwas sein: Mauerreste, Holz, Uferbefestigungen oder vielleicht ein kleiner Hafen, wo seinerzeit im Winter – wegen des Eisgangs auf der Weser – die Handelsboote festgemacht werden konnten«, sagte Andreas König.

Auf dem Merian-Stich von 1646, der die Festung Höxter im Dreißigjährigen Krieg zeigt, sei ein Graben vor der Stadtmauer weserseits gut zu erkennen. Davon existiert aber heute nichts mehr, so der Stadtarchäologe. Es stellten sich viele Fragen: Was schlummere dort vor der alten Mauerlinie, die überwiegend dem Bahndamm in den 1860er Jahren weichen musste? Es müsse wegen der vielen Handelskontakte nach Hameln und Bremen auch etliche befestigte Schiffs- und Handelsbootanlegestellen oder Stege am Ufer gegeben haben, so König. Höxter habe im 16. Jahrhundert sehr viel Getreide und Eisen exportiert. Auch Reste des »Treidelpfades«, auf dem Pferde oder Menschen Boote auf einem festen Weg am Ufer flussaufwärts gezogen haben, erhoffen sich die Archäologen.

Baudezernentin Claudia Koch kann sich vorstellen, dass bei der Gartenschau Grabungsergebnisse im LGS-Gelände sichtbar gemacht werden. Gegraben werde auch deshalb so frühzeitig, um Befunde in die bald anlaufenden Planungen mit einbeziehen zu können und um später keine vielleicht teure Überraschungen auf dem geschützten historischen Grund zu erleben. Bürgermeister Alexander Fischer sieht in den Voruntersuchungen die Chance, »verborgene Schätze« zu lokalisieren. Es werde auf dem Uferweg zeitweise Umleitungen geben. Die Grabung ist die erste sichtbare Baumaßnahme für die Landesgartenschau.

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