Do., 08.11.2018

Serie »Menschen 2018«: Maler Reinhard Püttmann eröffnet seine letzte Ausstellung – Werk in Jekaterinburg »Ikonen sind Glauben in Gold«

Reinhard Püttmann (75) hat viele Ikonen-Meisterkurse in orthodoxen Klöstern wie auf dem Berg Athos besucht und sich fortgebildet. Die Püttmann-Ikonen gelten als perfekt.

Reinhard Püttmann (75) hat viele Ikonen-Meisterkurse in orthodoxen Klöstern wie auf dem Berg Athos besucht und sich fortgebildet. Die Püttmann-Ikonen gelten als perfekt. Foto: Püttmann

Von Michael Robrecht

Höxter (WB). Das ist nichts für Eilige und rastlose Geister: Wer Ikonen malt, muss Geduld, Gelassenheit, Ausdauer und Zeit mitbringen. So wie Reinhard Püttmann aus Höxter. Er hat seine letzte Ausstellung zusammengestellt und zeigt sie im Museum im »Stern« in Warburg. Glauben in Gold, sagt er.

Der Höxteraner gilt in der Region als einer der anerkanntesten Ikonenmaler und möchte noch einmal seine Kunst einem breiten Publikum im Kreis Höxter präsentieren. Der 75-Jährige hat in orthodoxen Klöstern im Osten das Handwerk gelernt, obwohl er von Haus aus Radio- und Fernsehtechnikermeister sowie Informatiker bei Schidlack in Höxter (Expert) war. Seine selbst gemalten Ikonen im russischen und griechischen Stil, 61 werden gezeigt, zeichnen sich durch Detailreichtum aus. Am 11. November wird um 11 Uhr die Ausstellung »Ikonen. Fenster zur Ewigkeit« im »Stern« eröffnet und kreisweit Gäste anlocken.

Nicht nur ästhetische Kunstwerke

Olga Romanova (Zarenfamilie) mit Reinhard Püttmann in Russland. Foto: WB

Nachdem Reinhard Püttmann die Grundtechniken der Ikonenmalerei in einem mehrjährigen Studium bei Kunstpädagogin Müller-Lorenz in Höxter erlernt hatte, vertiefte er seine Kenntnisse durch Studienreisen. Unter anderem besuchte er das Kloster auf dem Berg Athos, die Wiege der griechischen Ikonenmalerei. Er war zudem in der Ikonenmalschule Uglitsch in Russland und bei Mönchen in Sergijew Possad sowie in einem Forschungsinstitut in Moskau. »Die Ikonenmalerei basiert bis heute auf den Werken klassischer Vorbilder und gilt als liturgische Handlung, die hinsichtlich Komposition, Farbgebung und Materialien festgelegt ist«, sagt Püttmann, der im Lärchenweg in Höxter mit seiner Frau seinen »Unruhestand« verlebt.

Ikonen, die religiösen Kultbilder der orthodoxen Kirche, sollen laut Künstler Frömmigkeit erwecken und den Betrachter zu den christlichen Offenbarungen und zur Transzendenz allen Seins hinführen. Sie seien nicht nur ästhetische Kunstwerke, sondern ein wesentlicher Bestandteil der Liturgie der Ostkirche: Evangelien in prächtigen Farben. Die Technik der Ikonenmalerei ist bindend vorgeschrieben. Gemalt wird auf Holz in Eitemperatechnik. Eitempera ist eine Mineralfarbe, die mit Eigelb und Bindemitteln gemischt wird. Die Vergoldung der Ikone mit hauchdünnem Blattgold stellt einen weiteren wichtigen Arbeitsschritt dar.

Ausstellung

Die Gäste der Ausstellungseröffnung in Warburg wird Rainer Mues, Vorsitzender des Museumsvereins, begrüßen. Wolfgang Gallus führt in die Ausstellung ein. Die musikalische Umrahmung hat Evelyn Reger übernommen. Die Ausstellung wird bis zum 30. Dezember gezeigt. Das Museum ist täglich außer montags von 14.30 bis 17 Uhr geöffnet.

Reinhard Püttmann, 1943 in Wanne-Eickel geboren, kam vor 50 Jahren nach Höxter. Aufträge für Ikonen bekommt er von vielen privaten Sammlern. Auch internationale Museen zeigen Original-Püttmann-Werke. Ein besonderes Erlebnis war die Begegnung mit Olga Romanova, der Frau des Zarenenkels Großfürst Tikhon. Reinhard Püttmann hatte eine große Ikone mit den Portraits der 1918 ermordeten Zarenfamilie angefertigt, die in Jekaterinburg an der Heiligblutkirche zur Erinnerung an die Ermordung von Nikolaus II., Zarin Alexandra und den Kindern durch die Bolschewisten im Beisein der Romanow-Nachfahren aufgehängt worden war. Das sei eine Anerkennung seiner Arbeit gewesen, ist Püttmann beeindruckt. Der Patriarch von Moskau hatte sein Werk extra genehmigt.

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