Sa., 10.11.2018

Staatssekretärin Milz besucht Ehrenamt: kfd fächert Engagement auf Der Politik auf die Füße treten

Uta Fechler (von links), Ingrid Kleinbauer, Eva Wiesemann, Andrea Milz, Landtagsabgeordneter Matthias Goeken und Anna-Maria Mette stehen den Höxteranerinnen Rede und Antwort. Matthias Goeken hat die kfd St. Peter und Paul zum Landtagsbesuch eingeladen. Der Bürgerbusverein Brakel und der Kreissportbund in der Kletterhalle in Brakel sind weitere Stationen der Staatssekretärin gewesen.

Uta Fechler (von links), Ingrid Kleinbauer, Eva Wiesemann, Andrea Milz, Landtagsabgeordneter Matthias Goeken und Anna-Maria Mette stehen den Höxteranerinnen Rede und Antwort. Matthias Goeken hat die kfd St. Peter und Paul zum Landtagsbesuch eingeladen. Der Bürgerbusverein Brakel und der Kreissportbund in der Kletterhalle in Brakel sind weitere Stationen der Staatssekretärin gewesen. Foto: Sabine Robrecht

Von Sabine Robrecht

Höxter(WB). Vorlese-Omas im Kindergarten, Organisatorinnen und Helferinnen bei Veranstaltungen, Verkünderinnen des Evangeliums und Mitstreiterinnen im Einsatz für Frauenrechte: Die Ehrenamtlichen der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) bündeln von der Basisarbeit in den Gemeinden bis zur politischen Lobbyarbeit auf Landes- und Bundesebene geballte Frauenpower.

Von der Schlagkraft, der Dynamik und den Erfolgsrezepten dieses starken Verbandes hat sich Andrea Milz, Staatssekretärin für Sport und Ehrenamt des Landes NRW, bei einem Besuch an der Basis, bei der kfd St. Peter und Paul Höxter, überzeugt. Die Rheinländerin bekleidet ein neues Amt, das die schwarz-gelbe Landesregierung auf Initiative des Ministerpräsidenten Armin Laschet in Würdigung und Wertschätzung des bürgerschaftlichen Engagements geschaffen hat.

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Die Gesellschaft verändert sich, genauso verändern sich die Aufgaben des Ehrenamtes.

Eva Wiesemann

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Als zentrale Aufgabe hat sich Andrea Milz eine Engagementstrategie für NRW auf die Fahnen geschrieben. Um Erfahrungen von Ehrenamtlern einfließen zu lassen, unternimmt sie eine Zuhör-Tour zu Vereinen und Verbänden im Land. Sie sind es nämlich, die wissen, wo der Schuh drückt und wie das Ehrenamt der Zukunft aufgestellt sein sollte.

Dass die Welt nicht still steht, daran ließen die Teilnehmer der Diskussionsrunde mit Andrea Milz und dem Landtagsabgeordneten Matthias Goeken (CDU) keinen Zweifel. »Die Gesellschaft verändert sich, genauso verändern sich die Aufgaben des Ehrenamtes«, konstatierte Eva Wiesemann, Vorsitzende der kfd St. Peter und Paul. Die kfd sei lange Jahre nicht bekannt genug gewesen. Das habe sich geändert und Früchte getragen: »Wir freuen uns über viele neue Frauen und haben derzeit 144 Mitglieder.« Damit ist die 1970 gegründete kfd St. Peter und Paul ein großer Ortsverband.

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Wir können als großer Verband der Politik auf die Füße treten. Das tun wir gerne.

Anna-Maria Mette

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Die Aktiven engagieren sich mit Leidenschaft und erheben im Konzert mit den vielen weiteren kfd-Verbänden für bundespolitische Ziele die Stimme. Unter anderem bleibt die kfd am Ball, wenn es darum geht, dass für alle vor 1992 geborenen Kinder künftig drei statt nur zwei Entgeltpunkte für Erziehungsleistung in der Rente angerechnet werden. Der Bundesverband der kfd und der Katholische Deutsche Frauenbund haben Bundessozialminister Hubertus Heil 62.959 Unterschriften zum dritten Renten-Entgeltpunkt überreicht. Weitere Forderungen brachte Anna-Maria Mette, ehemalige stellvertretende kfd-Bundesvorsitzende aus Arnsberg, im Gespräch mit Andrea Milz auf den Punkt: Zur Aufwertung des Ehrenamtes gehörten auch Erleichterungen steuerlicher Art bei kleinen Aufwandsentschädigungen. Rentenrechtliche Anwartschaften könnten gerade auch für Frauen ein Anreiz sein, sich unentgeltlich zu engagieren. »Wir können als großer Verband der Politik auf die Füße treten. Das tun wir gerne«, signalisierte Anna-Maria Mette.

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Wir sollten das Ehrenamt so gestalten, dass mehr Zeit für Inhalte bleibt.

Uta Fechler

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Diesen Elan bekräftigte Uta Fechler, Vize-Vorsitzende des Landesfrauenrates und Vertreterin der kfd-Diözesanverbände aus NRW im Landesfrauenrat. Sie verwies darauf, dass die kfd im Kreis Höxter mit fast 10.000 Mitgliedern ein starker Verband sei. Und: Von den 450.000 Mitgliedern bundesweit kommen allein 300.000 aus NRW. »Das ist der Löwenanteil.«

»Wir sollten das Ehrenamt so gestalten, dass mehr Zeit für Inhalte bleibt«, regte Fechler Modelle wie Servicebüros für die gemeinsame Finanzverwaltung mehrerer Vereine an. Nachfolger für Vorstandsämter zu finden, wird schwerer, stellt auch die kfd in Höxter fest. Und: Die Dauer des Engagements wird kürzer. Das Muster »Einmal Kassierer, 40 Jahre Kassierer« ist passé.

Diese Veränderungen skizzierte auch Andrea Milz. Den Gedanken der Servicebüros aufgreifend, kann sie sich Modelle wie die Kommunalen Integrationszentren vorstellen. Auf ähnliche Servicepools könnten Vereine etwa in Versicherungs- oder Haftungsfragen zurückgreifen. Diese Stellen zu installieren, sei Sache eines Landtagsbeschlusses. Die Staatssekretärin plädiert auf kommunaler Ebene für »Kümmerer« für Vereinsangelegenheiten in den Städten, die am besten direkt dem Bürgermeister unterstellt sind.

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Einige Unternehmen sind Vorreiter. Andere Arbeitgeber machen sich, wenn überhaupt, erst auf den Weg.

Andrea Milz

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Nach Möglichkeiten der Freistellung für ehrenamtliches Engagement fragte Ingrid Kleinbauer vom Vorstand der kfd St. Peter und Paul an. Einige Unternehmer wie der Henkel-Konzern seien hier Vorreiter, berichtete Milz. »Andere Arbeitgeber machen sich, wenn überhaupt, erst auf den Weg.«

Den Ehrenamtlichen nicht noch mehr Steine in den Weg zu legen (der letzte Brocken war die Datenschutzverordnung): Diesen Wunsch bekräftigte Eva Wiesemann. Andrea Milz signalisierte Verständnis. Sie kündigte an, dass zur Vorbereitung der Ehrenamtsstrategie in allen Kreisen ein Engagement-Bus unterwegs sein werde. Hinzu kommen Regionalveranstaltungen und Online-Beteiligungsmöglichkeiten. »Im Frühjahr 2020 haben wir dann alle Daten zusammengetragen.«

Kommentar: Ohne Frauen ist kein Staat zu machen

Ohne Ehrenamt ist kein Staat zu machen. Im Wissen darum hat die schwarz-gelbe NRW- Landesregierung unter Ministerpräsident Armin Laschet das Thema bürgerschaftliches Engagement ganz oben auf ihre Agenda gesetzt und sogar eigens eine neue Staatssekretärs-Position geschaffen. Die Stelle ist – klugerweise – mit einer Persönlichkeit besetzt, die auf Menschen zugehen kann. Denn ehrenamtliches Wirken geschieht an der Basis. Wer Ehrenamtsstrategien entwickeln möchte, muss das Ohr genau dort, am Volk, haben. Zukunftsperspektiven für das bürgerschaftliche Engagement können nicht (nur) am Schreibtisch sondiert werden. Daher lässt die Rundreise der Staatssekretärin Andrea Milz hoffen. Sie besucht vom Sportverein bis hin zur Frauengemeinschaft und dem Bürgerbusverein Menschen, die mit viel Herz und Leidenschaft für das Gemeinwohl aktiv sind und dieses aufrecht erhalten.

Dass im Ehrenamt nicht alles bleibt, wie es ist, steht trotzdem außer Frage. Weder der demografische Wandel, noch der vermehrte Rückzug ins Private lassen sich verhehlen. Die Gesellschaft wird bunter, die Freizeitmöglichkeiten werden vielseitiger. Auch wachsen angesichts der Schnelllebigkeit technischer Neuerungen und der ständigen blitzschnellen Erreichbarkeit für viele Menschen der Stress und die Anforderungen im Beruf. Da bleibt keine oder nur wenig Zeit für ein Ehrenamt. Vorstandsposten in Vereinen sind schneller wieder vakant als früher, weil Ehrenamtliche sich nicht mehr so lange an eine Aufgabe binden.

Darauf müssen sich die Vereine über kurz oder lang strukturell einstellen. Service-Büros, wie Uta Fechler und Andrea Milz sie anregen, können hier eine Hilfe sein. Weitere Vereinfachungen und Anreize gilt es auszuloten. Der Gesellschaft muss daran gelegen sein, die Vereine zu erhalten. Denn die Ehrenamtlichen sind, wie die Vorsitzende der kfd St. Peter und Paul Höxter, Eva Wiesemann, beim Besuch der Staatssekretärin so treffend formulierte, der Kitt, der eine Stadt zusammenhält.

Die Katholische Frauengemeinschaft ist hier eine tragende Säule. Vor 90 Jahren gegründet, hat sich der Verband unter Beibehaltung seines christlichen Wertefundaments von der Basis bis hoch auf die Bundesebene zeitgemäß aufgestellt. Frauenpolitisch hat die Stimme der kfd Gewicht. Denn der Verband versammelt 450.000 Mitglieder hinter sich. Die Werbekampagne von 2014 bis 2017 hatte mit 33.000 Neuzugängen Erfolg. In Fragen der Gleichberechtigung hat die kfd einen langen Atem. Viel Beachtung hat auch ihr Positionspapier »Frauen geben Kirche Zukunft« gefunden. Darin verleiht die kfd ihrer Forderung nach mehr Verantwortung für Frauen in der Kirche Nachdruck.

Dieser Verband hat einen klaren Kompass. Auch das macht ihn für Frauen attraktiv. Sie können sich mit Herz und Leidenschaft in ihrer Heimatgemeinde einbringen und gleichzeitig im Konzert der bundesweit zahlreichen Mitstreiterinnen ihre Stimme erheben. Dieses Erfolgsmodell trägt Früchte. Das ist auch gut so. Denn ohne Frauen ist in Gesellschaft und Kirche kein Staat zu machen.

Sabine Robrecht

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