Sa., 08.12.2018

Uwe Bald (57) aus Höxter arbeitet mit alter Tiegeldruckpresse aus den 1960er Jahren Er macht die schwarze Kunst fühlbar

Hier wird das alte Handwerk gelebt: Mit einer alten Tiegeldruckpresse aus den 1960er Jahren erstellt Druckermeister Uwe Bald (57) in seiner Letterpress Manufaktur an der Neuen Straße 15 in Höxter individuelle Produkte.

Hier wird das alte Handwerk gelebt: Mit einer alten Tiegeldruckpresse aus den 1960er Jahren erstellt Druckermeister Uwe Bald (57) in seiner Letterpress Manufaktur an der Neuen Straße 15 in Höxter individuelle Produkte. Foto: Isabell Waschkies

Von Isabell Waschkies

Höxter (WB). Wenn Uwe Bald den Knopf seiner Tiegeldruckpresse aus den 1960er Jahren drückt, vergisst er für einen Moment die Welt um sich herum. Der 57-jährige Höxteraner, der sich in seinem Elternhaus eine eigene kleine Manufaktur eingerichtet hat, ist Druckermeister mit Leib und Seele. Für Bald ist es mehr als nur ein Job – er macht die schwarze Kunst fühlbar.

Wer die »Bald Letterpress Manufaktur« an der Neuen Straße 5 in Höxter betritt, der fühlt die Begeisterung für dieses alte Handwerk. »Die Tiegeldruckpresse ist die erste Maschine, an der ich in meiner Ausbildung zum Drucker gelernt habe«, erinnert sich der gebürtige Höxteraner an die Zeit vor etwa 40 Jahren zurück. Knapp 200.000 dieser Maschinen seien damals in die ganze Welt exportiert worden. Uwe Bald: »In Deutschland gibt es nur noch 88 Druckereien, die Letterpress überhaupt anbieten.« Heute ist seinen Angaben zufolge der so genannte Offsetdruck die am weitesten verbreitete Drucktechnik im Bücher-, Zeitungs-, Werbe- und Verpackungsdruck.

Ein echtes Unikat

Letterpress ist das älteste Druckverfahren, das auf ein­zig­ar­ti­ge Art und Wei­se Gedrucktes fühlbar und so zu ei­nem sinn­li­chen Erlebnis werden lässt, ist sich Uwe Bald sicher und befüllt die Druckmaschine mit goldener Farbe sowie weißem und schwarzen Papier. »Das sollen nun kleine, individuelle Notizzettelchen werden«, sagt er und legt los. Nur wenige Minuten später hält er das fertige Produkt in seinen Händen – jedes einzelne Blatt wurde mit dem persönlichen Namen des Beschenkten versehen. Ein echtes Unikat also.

Sobald das Design in das Papier geprägt wird, entsteht ein greifbarer Eindruck, der mit den Fingerspitzen ertastet werden kann. »Jedes Stück transportiert eine eigene Botschaft mit maximalem Gefühl«, sagt der Druckermeister. Nicht nur die Höxteraner finden den Weg in Balds Manufaktur, wenn sie einen ganz bestimmten Druck-Wunsch haben. Dank der sozialen Netzwerke kann er mittlerweile Menschen aus ganz Deutschland und sogar Österreich zu seinen Kunden zählen.

Methode fordert Fingerspitzengefühl

Diese Druckmethode fordert neben Zeit auch ein gewisses Fingerspitzengefühl und handwerkliches Können. Und genau das ist es, was Uwe Bald an seinem Job liebt. »Es gibt Menschen, die möchten nicht nur Visitenkarten, Briefpapier oder Faltblätter im 0815-Stil. Sie möchten etwas Besonderes in den Händen halten, das sich hochwertig anfühlt. Das hat etwas mit Tradition und Wertigkeit zutun«, ist sich Bald sicher. Dabei wird der Kreativität keine Grenzen gesetzt.

Wird es einmal etwas kniffeliger und der Wunsch des Kunden exquisiter, behält der 57-Jährige trotzdem die Ruhe. »Bisher hat immer alles reibungslos geklappt«, sagt er mit einem Schmunzeln auf den Lippen. Auch hat ihn seine geliebte Tiegeldruckpresse bislang noch nicht im Stich gelassen. Sie ist quasi unzerstörbar – hoffentlich. Bald: »Ersatzteile kosten vermutlich so viel Geld wie die Maschine selbst.«

Workshops

In einem zweitägigen Letterpress-Workshop erhalten Teilnehmer einen Einblick in die traditionelle Kunst des Buchdrucks. »Jeder lernt die einzigartige Kombination von digitaler Gestaltung und analoger Buchdruck-Technik kennen und zu nutzen«, kündigt Uwe Bald an, der in der Regel gelernte Grafiker oder Mediengestalter zu seinen Workshop-Kunden zählt. Die nächsten Termine in der »Bald Letterpress Manufaktur« sind für den 11. und 12. Januar sowie für den 15. und 16. Februar geplant.

Weitere Informationen zum Letterpress und zu den Workshops gibt es online unter www.baldletterpress.de oder auf Facebook unter www.facebook.com/letterpressmanufaktur.uwebald.

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