Do., 17.01.2019

Stuckdecke im Johanneschor ist gut erhalten Restauratoren retten einen Schatz

Die Geschichte ist zum Greifen nah: Rudolf Geburzi (53) ist Restaurator – und in Höxter aufgewachsen. Darum sind für ihn die Arbeiten an der Stuckdecke des Westwerkes etwas ganz besonderes. Die Decke gehört zu den frühen ihrer Art. Ähnliche finden sich in Höxter beispielsweise in der Dechanei und im Tillyhaus.

Die Geschichte ist zum Greifen nah: Rudolf Geburzi (53) ist Restaurator – und in Höxter aufgewachsen. Darum sind für ihn die Arbeiten an der Stuckdecke des Westwerkes etwas ganz besonderes. Die Decke gehört zu den frühen ihrer Art. Ähnliche finden sich in Höxter beispielsweise in der Dechanei und im Tillyhaus. Foto: Harald Iding

Von Marius Thöne

Höxter (WB). Die Stuckdecke im Corveyer Johanneschor zählt zu den frühesten der Weserrenaissance. Fürstabt Theodor von Beringhausen ließ sie im ausgehenden 16. Jahrhundert einbauen. Damit war der Würdenträger gewissermaßen ein Trendsetter, denn später setzten sich solche Stuckdecken in vielen Salons und Wohnzimmern durch.

Derzeit ist die Decke Bestandteil von umfangreichen Untersuchungen im Johanneschor. »Zu 98 Prozent ist sie noch im Originalzustand«, sagt Rudolf Geburzi. Der 53-Jährige Restaurator ist in Höxter aufgewachsen, lebt heute in Paderborn und arbeitet für das Geseker Unternehmen Wibbeke Denkmalpflege. »Für mich ist dieser Auftrag in meiner Geburtsstadt etwas ganz Besonderes«, sagt der Absolvent des König-Wilhelm-Gymnasiums. Er steht in acht Metern Höhe auf einem Gerüst. Die Deckenbalken sind zum Greifen nah. »Ich kenne Corvey seit meiner Kindheit, aber wenn man so stark in das Innerste, quasi in das Herz des Gebäudes vordringt, ist das sehr bewegend«, sagt der erfahrene Restaurator, der seit 25 Jahren im Beruf ist.

Mit einem Metalldetektor fährt er an den Balken entlang. Wenn es piept, weiß der Experte, dass dieser Teil des Stuckes an den Balken neueren Datums ist und vermutlich während einer Restaurierung in den 1960er Jahren angebracht worden ist. »Damals hat man Streckmetall zur Befestigung der bereits fertigen Stuckelemente benutzt«, berichtet Geburzi. In der Entstehungszeit der Decke um 1586 wurden die Muster hingegen mit einer entsprechend ausgearbeiteten Holzform direkt vor Ort in den noch nicht trockenen Putz gedrückt. Geburzi und sein Kollege Wolfgang Hansmann sind derzeit dabei, die unterschiedlichen Entstehungszeiten von Stuck und Putz zu erfassen und zu kartieren, ebenso die Schäden.

Für die Restauratorische Fachbauleiterin im Westwerk, Karen Keller, ist der gute Erhaltungszustand der Decke besonders. »Der Putz haftet noch sehr fest an, vereinzelt gibt es Spannungsrisse«, berichtet die Expertin aus Köln. Ihr Ziel ist es, die Decke in ihrem Ursprungszustand zu erhalten. Bislang wurden lediglich die Spinnweben entfernt. Sie soll, wenn die Bestandsaufnahme abgeschlossen ist, vermutlich mit speziellen Schwämmen trocken gereinigt werden. Schäden werden ausgebessert, darunter ein Wasserschaden aus dem Jahr 2008, der seinerzeit nur provisorisch behoben wurde.

Nicht geplant ist nach Angaben der Expertin, die Decke neu zu tünchen. Erstens sei der Kalkharzanstrich noch in Ordnung und zweitens wolle man so wenig neue Feuchtigkeit wie möglich in den Johanneschor bringen.

Neben den Arbeiten an der Decke laufen auch die Bestandsaufnahmen im Westteil des Johan-neschores weiter. Dort beschäftigt sich Restauratorin Katharina Heiling derzeit mit den karolingischen Malereien. Bei ihrer Arbeit geht es darum, den Erhaltungszustand der Kunstschätze zu dokumentieren. Diese Aufgabe erledigt sie direkt im Johannes­chor an ihrem Computer. So können die Experten später feststellen, ob der Besucherstrom im Westwerk möglicherweise schädliche Auswirkungen hat.

Mehr Fotos im Internet unter:             www.westfalen-blatt.de

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