Sa., 16.02.2019

Arbeiten als Quereinsteiger: Nikolai Hamm (55) und Andrea Broer (55) schulen um Plötzlich Lehrer

Der 55-jährige Nikolai Hamm aus Bredenborn ist Sportler aus Leidenschaft. Seit Anfang Februar ist er als Grundschul-Lehrer an der Schule am Nicolaitor tätig.

Der 55-jährige Nikolai Hamm aus Bredenborn ist Sportler aus Leidenschaft. Seit Anfang Februar ist er als Grundschul-Lehrer an der Schule am Nicolaitor tätig. Foto: Isabell Waschkies

Von Isabell Waschkies

Höxter (WB). Wenn Nikolai Hamm über den Innenhof der Grundschule am Nicolaitor in Höxter geht, rufen die Kinder nach ihm. Einige von ihnen umarmen den Sportlehrer. »Das Arbeiten mit Kindern erfüllt mich«, sagt der 55-Jährige. Nun wird der ehemalige Schwimmmeister des Vördener Hallenbades buchstäblich ins kalte Wasser geschmissen – als einer von vier Quereinsteigern an Grundschulen im Kreis Höxter.

Vier Quereinsteiger

Vier Quereinsteiger sind nach Angaben von Schulrat Hubert Gockeln im Kreis Höxter an der Grundschule tätig – jeweils ein Mann und eine Frau für die Fächer Sport und Musik. Der Quereinstieg an der Grundschule ist nur in den Fächern Musik, Sport, Kunst und Englisch möglich. Voraussetzung ist ein Hochschulabschluss in diesen Fächern. Ist sich die Schule sicher, die Stelle nicht mit einem grundständig ausgebildeten Lehrer besetzen zu können, kann sie für den Quereinstieg geöffnet werden. Ist ein Quereinsteiger eingestellt, erfolgt berufsbegleitend eine einjährige Ausbildung am Zentrum für schulpraktische Lehrerausbildung. An der Grundschule erfolgt keine Abschlussprüfung. Nach Angaben des Schulministeriums waren 2018 unter den 7255 Einstellungen 1006 Quereinsteiger.

Vor knapp 29 Jahren zog der gebürtige Russe nach Bredenborn. Auch weil Nikolai Hamm als studierter Sportler schon vor dem Umzug in seine neue Wahl-Heimat als Lehrer tätig war, schulte er im Hallenbad in Vörden zum Schwimmmeister um. Nichts im Leben laufe schließlich nach Plan. »Einerseits liegt es mir natürlich am Herzen, mit Kindern zu arbeiten. Andererseits erfüllt mich der Job nur als Schwimmlehrer nicht«, gibt der 55-Jährige zu, der auch für viele Jahre im Bad am Holsterberg in Nieheim Unterricht gab.

Ein mal pro Woche selbst die Schulbank drücken

Als die entsprechende Stelle an der Schule am Nicolaitor auch für Quereinsteiger ausgeschrieben wurde, bewarb sich Nikolai Hamm gezielt auf sie – und erhielt den Zuschlag. Damit ist der 55-Jährige nun einer von drei männlichen Lehrern am Rohrweg, neben insgesamt 22 Lehrerinnen. Für Schulleiter Ingo Kortmann ist es für beide Seiten eine »Win-Win-Situation«. »Es ist nicht nur so, dass Nikolai Hamm mit diesem Job seiner Leidenschaft als Sportlehrer nachgehen kann. Die Mädchen und Jungen erhalten mit ihm eine weitere männliche Bezugsperson. Diese fehlen häufig an Grundschulen«, so Kortmann. Auch wenn Nikolai Hamm nun keine klassische Referendariats-Ausbildung absolviert, muss er ein mal pro Woche in seinem Seminar für Quereinsteiger erneut selbst die Schulbank drücken. Aber auch das hält ihn nicht davon ab, noch ein mal als Grundschullehrer neu durchzustarten.

Dass er als Sportlehrer seine wahre Berufung gefunden hat, wird im Gespräch mit ihm schnell deutlich. »Die Zeit in der Schule vergeht wie im Flug«, sagt er mit einem Lächeln im Gesicht. Für ihn ist es mehr als nur ein Job. Grundschularbeit sei Beziehungsarbeit, Kinder bräuchten Vertrauen in ihre Bezugsperson.

Freude an Musik weitergeben

Auch Andrea Broer hat vor knapp zwei Wochen beruflich gesehen einen neuen Weg eingeschlagen. Dass die 55-Jährige ein mal als Grundschullehrerin arbeiten wird, hätte sie während ihres Studiums an der Hochschule für Musik in Detmold vor knapp 30 Jahren nicht für möglich gehalten.

Seit dem 1. Februar arbeitet Andrea Broer aus Höxter als Musiklehrerin an der Petrischule – als Quereinsteigerin. Foto: Isabell Waschkies

Trotzdem ist Broer, die eine Teilzeit-Stelle angenommen hat, die schulische Umgebung keineswegs fremd: Als Lehrerin an der Musikschule Höxter arbeitet Broer schon seit Jahren eng mit der Petrischule zusammen. Die Mädchen und Jungen konnten sie als Leiterin musikalischer Grundausbildungs-Kurse bereits schätzen lernen. »Ich liebe die Arbeit mit Kindern. Es ist ein schönes Gefühl, zu spüren, wenn ich die Freude an der Musik an die Grundschüler weitergeben kann«, sagt Andrea Broer schwärmend, »in dieser Zeit haben sie alle noch ein offenes Ohr für unterschiedliche Stilrichtungen.« Wenn Schüler ihr am frühen Morgen noch vor der eigentlichen Arbeit freudig entgegenstürmen, wie sie selbst sagt, könnte ihr Tag nicht schöner beginnen.

Trotz ihrer beruflichen Veränderung soll die Arbeit an der Musikschule in Höxter auch künftig nicht zu kurz kommen. »Das ist mir persönlich ganz wichtig«, sagt Broer. Während ihr Alltag in der Musikschule mit Arbeitszeiten morgens und abends zeitlich gesehen eher einem Flickenteppich gleicht, freut sie sich an der Grundschule über deutlich geregeltere Unterrichtszeiten.

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