Do., 07.03.2019

Sigurd Elert aus Wehrden betreibt ein Hobby für Hartgesottene: Eis- und Fluss-Schwimmen Ein eiskalter Typ – dieser Mann schwimmt durch alle Gewässer

Eisschwimmer wie Sigurd Elert (57) ist es egal, wenn es – wie an einem Masurischen See – klirrend kalt ist. Mit seiner Frau erkundet er die Flüsse der Welt.

Eisschwimmer wie Sigurd Elert (57) ist es egal, wenn es – wie an einem Masurischen See – klirrend kalt ist. Mit seiner Frau erkundet er die Flüsse der Welt. Foto: Elert

Von Michael Robrecht

Höxter/Beverungen (WB). Eis- und Winterschwimmen wird in Deutschland immer populärer. Seit einem Jahr ist Sigurd Elert aus Wehrden begeisterter Eisschwimmer. Aber auch Flüsse wie der Rhein oder bekannte Seen, wie die Karl-May-Film-Kulissen in Kroatien, sind vor ihm und seiner Schwimmpartnerin Susanne Reuter nicht sicher.

Vom Frühjahr bis zum Spätherbst ist Sigurd Elert beruflich als Bootsführer für »Kanu Krome« in Corvey jeden Tag mit Schulklassen und Touristengruppen auf der Weser unterwegs. »Zurzeit habe ich frei und fröne meinem neuen Hobby, dem Fluss- und Eisschwimmen«, berichtet der unverfrorene 57-Jährige. Zuerst habe er bei Minusgraden im Harz in kristallklaren Gebirgsbächen geschwommen, dann sei er in Masuren gewesen, wo bei der polnischen Bevölkerung Winterschwimmen Volkssport sei. Über dieses ungewöhnliche Hobby ist der coole Wehrdener bei einer seiner Touren an Susanne Reuter geraten. Die 48-jährige Radiosprecherin (WDR und Deutschlandfunk) reist seit 2018 mit Sigurd Elert zu ungewöhnlichen Orten, um sie schwimmend zu erkunden.

Der auch durch seine schönen Weserbergland-Bücher bekannte Naturfotograf Elert aus Wehrden erinnert sich noch genau, wie er in der »Ilse« im Harz bei minus 15 Grad erstmals in einen Bach gesprungen ist. »Damals bin ich sehr schnell zitternd wieder ins Freie geklettert. Heute schaffe ich sechs bis acht Minuten«, schildert er.  Elert weiß: Ganz neu ist das Eisbaden nicht. Das Springen in Eislöcher hat in Osteuropa eine lange Tradition: »In Russland wird am 19. Januar das Epiphanias-Fest mit Eisbaden begangen. Eisbaden ist in Polen sogar Breitensport: In jedem zweiten Sportclub gibt es inzwischen eine Gruppe von Leuten, die sich regelmäßig zum Eisbaden in Seen treffen.«

Am Masuren-See des Opas

Dass er im Rahmen seines privaten Projektes »Frei- und Wildschwimmen« nach Masuren zum Eisschwimmen gefahren ist, das hat auch familiäre Gründe. Am Wongelsee, an dem sein Großvater einen Hof im damaligen ostpreußischen Peitschendorf besaß, seien er und Begleiterin Susanne Reuter in ein Eisloch im See gestiegen. Ebenso sind die beiden im Gemündener Maar in der Eifel ins Eiswasser gesprungen. Bei solchen Touren müsse er sich jedes Mal mit steif gefrorenen Handtüchern herumplagen: »Aber das gehört dazu«, lacht Sigurd Elert, der als Reisefotograf die Welt gesehen hat. Wichtig sei, dass sich ein Eisschwimmer vor Unterkühlung schütze, in dem er warme Sachen griffbereit habe. Bei ihm hätten die Natur-Touren das Immunsystem geschützt: »Ich habe nach so einem Eisbad bisher nur eine Erkältung davongetragen«, gesteht der Naturbursche, der im Wasser immer einen wasserdichten Rucksack als »Schwimmweste« trägt.

Einer der Höhepunkte für ihn sei ein Besuch bei den Plitvicer Seen in Kroatien gewesen, wo Mitte der 1960er Jahre die berühmten Karl-May-Filme wie »Der Schatz im Silbersee« und die »Winnetou-Trilogie« gedreht worden seien. »Und dort, wo Winnetou getaucht hat, bin ich geschwommen«, erzählt Sigurd Elert mit leuchtenden Augen. Beeindruckend seien aber auch Schwimmtouren in der Weser, in Nethe, Diemel und im Rhein gewesen. Bei Köln habe er die Wasserschutzpolizei kennen gelernt, die einen Rhein-Schwimmer wie ihn eher misstrauisch beäugt hätte. Weil er unter der Mühlheimer Brücke durchgeschwommen sei, habe er sogar ein »Fluss-Knöllchen« in Höhe von 78,50 Euro wegen »vorsätzlichen Unterschwimmens« bezahlen müssen. Einmal habe er gar einen Großeinsatz von Feuerwehr und Polizei ausgelöst, weil man ihn als Mann im Fluss für einen »Unglücksfall« gehalten habe. Jetzt rufe er jedes Mal vorher auf der zuständigen Wache an und melde an, wenn er den 500 Meter breiten Rhein durchschwimmen wolle, auch damit man ihn nicht für einen Stuntman bei »Tatort«-Dreharbeiten halte. Die Polizei toleriere inzwischen das bei Experten umstrittene Hobby.

Im Netz und im Fernsehen

Sigurd Elert und Susanne Reuter planen weitere spektakuläre Touren wie nach Venezuela (»wenn die Sicherheitslage das ermöglicht), zu Alpen-Seen und an die Donau. Das unerschrockene Duo will einen Reiseblock auf Facebook und Instagram eröffnen. Dann möchte Elert im Internet Fotostrecken über Eisschwimmen und Flusstouren anlegen. Auch hat er eine Buchveröffentlichung über »Wildschwimmen« mit Fotos, kleinen Geschichten und Erlebnissen im Sinn. Eine TV-Produktionsfirma plant einen Doku-Film mit Elert und Reuter: Vielleicht schafft es das -Gespann ja in die bekannte Reihe »Terra X«.

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