So., 10.03.2019

Inklusiver Chor soll Institution werden – umjubelter Auftritt beim Frauenfrühstück Gesang lässt Herzen höher schlagen

Der inklusive Chor begeistert beim Frauenfrühstück im Gemeindezentrum am Knüll die Besucher mit seinen Liedvorträgen. Als Dank dafür erhalten die »Stars« des Tages Rosen. Der Chor soll in Zukunft zu einem dauerhaften Angebot der Begegnung und des Miteinanders werden.

Der inklusive Chor begeistert beim Frauenfrühstück im Gemeindezentrum am Knüll die Besucher mit seinen Liedvorträgen. Als Dank dafür erhalten die »Stars« des Tages Rosen. Der Chor soll in Zukunft zu einem dauerhaften Angebot der Begegnung und des Miteinanders werden. Foto: Dennis Pape

Von Dennis Pape

Höxter (WB). So viele starke Frauen auf einmal hat Höxter bislang nur selten gesehen – und Gabi Beate ist eine besonders starke. Sie hat eine Behinderung und zeigt an diesem Samstagmorgen beim Frauenfrühstück im Gemeindezentrum am Knüll gemeinsam mit ihren Wegbegleiterinnen im inklusiven Chor, wie ansteckend ihre Lebensfreude sein kann. Es ist einer dieser bewegenden Momente, in denen jeder spürt, dass eine Gemeinschaft aus Vielfalt Herzen höher schlagen lassen kann.

Die Eröffnungsreden sind gesprochen, jetzt geht es für die fast 150 Frauen und zwei Männer (Bürgermeister Alexander Fischer und Bundestagsabgeordneter Christian Haase) ans Frühstücksbüffet, das im Rahmen der Frauenaktionswochen angeboten wird. Für Gabi Beate und ihre Freundinnen steht jedoch gleich noch ein ganz besonderer Auftritt an – sie haben sechs Wochen lang geprobt, um zum großen Abschluss die Gäste mit ihren Liedvorträgen mitzureißen. Aufregung? Fehlanzeige! Gabi Beate lacht voller Vorfreude und erzählt während des Frühstücks von ihrer ganz eigenen Liebe zur Musik: »Ich kann ganz toll singen mit meinen Freundinnen – das ist die pure Lust am Leben. Wenn ich singe, fühle ich mich einfach ganz doll wohl.« Sagt sie und lässt nur wenige Minuten später Taten sprechen. Denn es dauert nicht lange, bis sowohl sie als auch ihre Kolleginnen aus dem inklusiven Chor – er besteht derzeit noch ausschließlich aus Frauen mit und ohne Behinderung – die Gäste mitreißen. Alle gemeinsam stimmen Songs wie »Mein kleiner grüner Kaktus«, »Atemlos« oder »Schön ist es auf der Welt zu sein« an – und wirklich jeder macht mit. In diesem Moment muss man nicht nur mit ein- sondern auch zustimmen: Es ist wirklich schön, auf der Welt zu sein.

Teilhabe soll gelebt werden

Dies wiederum ist auch die Botschaft, die der inklusive Chor aus Höxter vermitteln soll – und zwar sowohl nach außen als auch nach innen. »Wir möchten Teilhabe nicht nur predigen, sondern leben und nach außen in die Öffentlichkeit tragen«, sagt Silke Winter-Schrader vom Ludwig Schloemann-Haus: »Gleichzeitig soll das Projekt das Selbstbewusstsein von Menschen mit Behinderung stärken und zeigen, dass alle einen Platz inmitten der Gesellschaft verdient haben.« Jeder könne singen. Und dabei sei es egal, ob schief oder nicht. »Musik kann Menschen auf eine einzigartige Art und Weise verbinden«, sagt Silke Winter-Schrader, die den Chor nach einem einmaligen Auftritt während der Frauenaktionswoche im vergangenen Jahr nun dauerhaft fortführen und zu einer Institution in Höxter machen möchte. Zur Seite stehen ihr dabei ihre Partner vom Behindertenbeirat, Petri-Stift, Bethel und Lebenshilfe. Der einzigartige Auftritt am Samstag unter der Leitung von Andrea Broer und begleitet von Marion Kusserow sowie Oliver Scheetz soll nicht der letzte gewesen sein. »Wir wollen Stärken stärken. Viele unserer Teilnehmerinnen bekommen schon nach kurzer Zeit eine ganz andere Haltung und sprühen vor Selbstbewusstsein beim Singen«, sagt sie. Der Chor, der derzeit aus mehr als 25 Frauen mit und ohne Behinderung im Alter von 25 bis 80 besteht, probe montags im Ludwig-Schloemann-Haus. Interessierte – und ab sofort auch Männer – könnten sich dort melden.

Haase und Fischer würdigen Engagement der Frauen

Apropos Männer: Die sind beim Frauenfrühstück in der Unterzahl, dürfen aber trotzdem etwas sagen. Bürgermeister Alexander Fischer erklärt, ihm liege es besonders am Herzen, dass Frauen in Höxter ihre Heimat sehen – nicht zuletzt deshalb müsse man auch in Zukunft weiter an der Lebensqualität der »schönsten Stadt Ostwestfalens« arbeiten. Er setze sich auch für mehr Frauen in der Kommunalpolitik ein: »Denn ohne die Frauen wären wir Männer doch vollkommen aufgeschmissen. Ihr seid das Beste, was wir haben.« Christian Haase wiederum betont, dass es gar keinen gesetzlichen Feiertag zum Internationalen Frauentag wie jetzt erstmals in Berlin brauche. Viel wichtiger seien inhaltliche Veranstaltungen wie die Frauenaktionswochen mit 35 Kooperationspartnern unter der Leitung von Claudia Pelz-Weskamp. Der Einfluss von Frauen in vielen Bereichen müsse erhöht werden: »Wir verschenken sonst ein riesiges Potenzial.«

Und wie viel Potenzial jede Frau hat, das hat nicht zuletzt auch der inklusive Chor beim Frühstück am Samstag eindrucksvoll unter Beweis gestellt.

 

Kommentar von Dennis Pape

Wir allen wollen Inklusion und Gleichberechtigung. Was tun wir dafür? Die Antwort auf diese Frage muss und kann jeder nur für sich selbst beantworten. Beim Frauenfrühstück im Gemeindezentrum am Knüll ist eines jedoch ganz deutlich geworden: Hier sind viele Menschen aufeinandergetroffen, die nicht nur mit Worten für ihre Vision einstehen, sondern auch Taten sprechen lassen. Es spricht für sich, dass sich bei den Frauenaktionswochen in Höxter mit einem vielfältigen Programm bis zum 17. März ein Frauennetzwerk aus 35 (!) Institutionen, Gruppen und Verbänden tatkräftig engagiert – denn es geht nur gemeinsam. Und: Dass der inklusive Chor in Höxter zu einer dauerhaften Institution werden soll, ist ein wunderbares Zeichen dafür, dass starke Partner gemeinsam nicht nur über Teilhabe reden, sondern diese auch (vor)leben. Die Resultate sind jetzt schon beeindruckend und zeigen bereits früh deutlich auf, wie bereichernd eine Gemeinschaft aus Vielfalt sein kann – denn jedem Menschen sollte es ermöglicht werden, seine Stärken in die Gesellschaft miteinzubringen.

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