So., 24.03.2019

Draußen Pfiffe, im Rathaus viel Applaus: AfD-Versöhnung mit »Greta von Schweden« im Ratssaal in Höxter – mit Videos AfD-Frau Beatrix von Storch in der Wahlkampfarena Höxter

Im Historischen Rathaus von Höxter hat Beatrix von Storch (Vize-Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion) am Sonntagnachmittag über ihre Vorstellungen von Europa gesprochen. Auch auf strittige bundespolitische Themen geht sie im Ratssaal ein.          

Im Historischen Rathaus von Höxter hat Beatrix von Storch (Vize-Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion) am Sonntagnachmittag über ihre Vorstellungen von Europa gesprochen. Auch auf strittige bundespolitische Themen geht sie im Ratssaal ein.           Foto: Harald Iding

Von Michael Robrecht

Höxter (WB). Das hat es in Höxter so noch nicht gegeben: Da muss erst die AfD-Bundespolitikerin Beatrix von Storch in die Kleinstadt kommen, um unterschiedlich ­tickende Parteien und Gruppierungen erstmals dazu zu bewegen, gemeinsam ein Polit-Fest auf dem Marktplatz zu feiern.

So geschehen am Sonntagnachmittag. CDU-Aktive plaudern mit Jusos, die Grünen inszenieren sogar ein spontanes Tanz-Happening wie einst bei einer Anti-Atom-Demo. Neue Zeiten im alten Höxter. Die pfiffigen AfD-Strategen haben es wieder geschafft, eine attraktive Location herauszupicken, die wegen ihre Status’ als »Soziokulturelles Zentrum« eine leichte Beute war.

Und so sitzen 150 Zuhörer im ehrwürdigen Ratssaal, um die anfangs etwas gelangweilt wirkende Rechtsanwältin von Storch (47), geborene Herzogin von Oldenburg und Vize-Vorsitzende der AfD-Bundestagsfraktion, »livehaftig« zu hören.

Andacht gegen Hass und Gewalt

Sechs Redner müssen die Gäste aber zuvor über sich ergehen lassen, bevor die AfD-Promi-Frau loslegen kann. BKA-Bodyguards, Polizisten, korrekt gescheitelte Saalordner, junge Leute und Silver-Ager haben sich trotz Polizeiflatterbändern und Trillerpfeifenkonzert zur AfD getraut. Man müsse doch wissen, was der politische Gegner denke, entschuldigt sich ein Höxteraner Politiker fast als er im Saal entdeckt wird.

Der AfD-Kreisvorsitzende Klaus Meyer ruft: »Wir wollen Vielfalt statt Einfalt« und schielt zur johlenden Linken-Truppe vor dem Rathaus. Dann läuten die Glocken der nahen Kiliani-Kirche außergewöhnlich lang und gleich mehrfach, als sie zur Andacht gegen Hass und Gewalt einladen. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Die Fenster im Ratssaal mit den vielen historischen braunen Hölzern und der Deutschland- und Europafahne sind recht schalldicht, und so können Meyer und die ihm folgenden Redner wie der Europakandidat Guido Reil, MdB Udo Hemmelgarn oder MdL Thomas Röckemann sich entrüsten.

»Für viele ist alles rechts was nicht linksextrem ist«

Reil sorgt für Erheiterung als er berichtet, dass er in der ZDF-Talkshow »Markus Lanz« mit dem neuen Arbeiterführer und Oberjuso Kevin Kühnert in Kürze debattiere. Dem werde er was erzählen, meint er und der Saal ist amüsiert. Aristokratisch »not amused« ist Ex-Herzogin Beatrix von Storch, als sie endlich ihre europakritischen Thesen vortragen darf.

Sie findet großen Zuspruch, keine einzige kritische Frage muss sie ertragen. Die Türkei gehöre nicht in EU und Nato, das Land sei unzuverlässig, schimpft sie.

Dann geht es gegen den Gender-Wahn und die 100 Millionen Euro im Bundeshaushalt im »Kampf gegen Rechts«. Das unterstütze man: »Aber für viele ist alles rechts was nicht linksextrem ist.« Weiter geht es mit der »Heiligsprechung von Klimaaktivistin Greta von Schweden«. Mit der sei die AfD aber versöhnt, seit die sich pro Kernkraft ausgesprochen habe. Jetzt hat Storch viele der 150 Zuhörer im Griff.

Wieder Einschaltquote

Von wegen dröge! Wenn sie frei redet, dann erreicht sie die Leute. Die Jusos bekommen noch einen mit: Abtreibung bis zum 9. Monat wollten die. Schrecklich! Die EU funktioniere nicht, weil es kein Staatsvolk gebe. Sender Phönix habe wieder Einschaltquote, seit es mit der AfD im Bundestag endlich wieder eine Opposition gebe. Lieblingsfeind ist Präsident Macron in Paris: Der wolle seine finanziellen Probleme Deutschland bezahlen lassen.

Beatrix von Storch kündigt an, dass im neuen Europaparlament bald mehr Rechte sitzen würden. Die Enteignung der Sparer durch die Nullzinspolitik müsse ein Ende haben.

Durch einen Seiteneingang verschwindet Beatrix von Storch aus dem Rathaus. Maximale Aufmerksamkeit habe sie durch das Politspektakel mit Demos und Auftritt unverdient bekommen, meint ein Höxteraner kritisch. Ganz unrecht hat er nicht...

Kommentare

Neutralität?

So stellt sich das Westfalen-Blatt bzw. Herr Robrecht also einen neutralen Artikel für die Zeitung vor? Früher mußte man solch einen Text als Kommentar kennzeichnen. Ich frage mich auch warum es für die Demos insgesamt 4-5 Artikel gab und für die Veranstaltung nur einen? Wäre es nich fairer gewesen beide Sichtweisen in jeweils einem Artikel gegenüberzustellen? Und wo bleibt hier eigentlich die Auseinandersetzung mit den Argumenten die doch bei politischen Themen im Vordergrund stehen sollte? Ich konnte jedenfalls keine Hetze bei dem im Sitzungssaal gesagten entdecken. Und ich habe mich auch gefreut, daß Frau von Storch explizit unsere Christlich-Jüdische Kultur angesprochen hat. Aber da mag man auch anderer Meinung sein.

Journalistisch ist das "Ding" da oben jedenfalls eine ganz schwache Leistung.

Sehr einseitiger Bericht. Und der Kritik muss man sich auch nicht stellen, wenn man es ignoriert und Kritiker direkt ausschließt. Der einzige Vorfall, bei dem es übrigens zu Handgreiflichkeiten kam, ging von einem pöbelnden AfD-Gast aus.

Meinung hat nichts in einem Zeitungsartikel zu suchen


Mit Bezug auf Ihren Artikel des 24.03.2019, „AfD-Frau Beatrix von Storch in der Wahlkampfarena Höxter“, möchte Ich dem widersprechen, was ich für einen eher einseitigen Bericht mit viel eigener Meinung von Michael Robrecht halte.
„Da muss erst die AfD-Bundespolitikerin Beatrix von Storch in die Kleinstadt kommen, um unterschiedlich tickende Parteien und Gruppierungen erstmals dazu zu bewegen, gemeinsam ein Polit-Fest auf dem Marktplatz zu feiern“, heißt es zu Beginn des Textes von Robrecht. Bitte erlauben Sie mir, Kritik an dieser Aussage zu äußern. Die Aussage hört sich in meiner Leseart so an, als habe man das „Fest der Demokratie“ organisiert, um es mit der AfD und anderen Parteien zu zelebrieren, dabei ist es doch viel mehr so, dass es organisiert wurde um zu zeigen, das Höxter viel mehr als braun, nämlich bunt, ist.
Weiter geht es mit der Aussage, die Gäste hätten zuvor sechs Redner über sich ergehen lassen müssen, bevor die AfD-Promi-Frau loslegen konnte. Zweifellos ist diese Aussage Robrechts voll mit eigener Meinung. Zudem gab es Menschen im Saal, die auch die Rede von Beatrix von Storch „über sich ergehen lassen“ mussten, was man ihnen nicht verübeln kann, da der Vortrag der Frau Beatrix von Storch nicht weniger als rechte Hetze war.
„BKA-Bodyguards, Polizisten, korrekt gescheitelte Saalordner, junge Leute und Silver-Ager haben sich trotz Polizeiflatterbändern und Trillerpfeifenkonzert zur AfD getraut“, schreibt Michael Robrecht. An dieser Stelle zögere ich nicht, meine Skepsis über seine Aussage zu äußern. Es hat keinen Grund zur Angst gegeben: „Die Jungen Grünen erklärten gegenüber dem WESTFALEN-BLATT, dass man mit der »Antifa« Paderborn gesprochen und darauf hingewiesen habe, dass man nur friedliche Demonstranten bei dem Protestzug dulden werde. Man habe bisher keine Hinweise, dass Extreme in Höxter anreisen wollten, so die Jungpolitikerin. Sie werde auch über Facebook in den Gruppen darauf hinweisen, dass man keine Gewalt hinnehme“, heißt es in einen anderen Artikel Michael Robrechts. Entschuldigen Sie meine Ausdrucksweise, aber es wirkt doch sehr so, als würde Robrecht hier versuchen, die Ängste seiner rechten und unsicheren Leser zu instrumentalisieren.
Robrecht wirft einem höxteraner Politiker vor, er nutze seine Aussage, dass er vor Ort sei, um Wissen darüber zu erlangen, was der politische Gegner denke, als Ausrede. Erlauben Sie mir Kritik zu äußern, wenn ich sage, dass Michael Robrecht hier zu wenig Beweise liefert, um diese Aussage zu fundieren. Er erwähnt nicht, welcher Politiker die Aussage getroffen hat und welcher Partei dieser angehört, was die Aussage noch schwammiger erscheinen lässt.
Michael Robrecht beschreibt die Menschen, die vor dem Rathaus protestierten als eine „ [l]inke[…] Truppe“ und erregt so den Anschein, es seien bloß Linke gewesen, die sich zur Demonstration getroffen hatten. Ganz im Gegenteil: Jung und Alt, Links, Grün und Leute aus der politischen Mitte hatten sich zusammengefunden, um Stellung gegen Beatrix von Storch zu zeigen. Es ist nicht links, gegen die AfD zu sein, es ist nicht linksradikal, was die Menschen gerufen haben, das ist einfach nur normal: Alle hassen Nazis (nach KAFVKA). „Für viele ist alles rechts was nicht linksextrem ist“, zitiert Robrecht, dabei stempelt er selbst alles als links ab, was nicht rechts ist. In dem Sinne ist der Artikel Robrechts erneut als einseitig zu betiteln.
Zuletzt möchte ich noch das Ende des Artikels zitieren, in welchem Michael Robrecht ganz offensichtlich seine eigene Meinung preisgibt, indem er Stellung zu dem Zitat eines Höxteraners nimmt: „Ganz unrecht hat er nicht…“, schreibt Robrecht. Ganz ohne Zweifel zeugt das von einer fehlenden Sachlichkeit seitens Michael Robrecht.
Alles in allem kann es keinen Zweifel daran geben, dass Michael Robrechts Artikel ein einseitiger und voll mit persönlicher Neigung und Meinung ist. Wenn er an verschiedene Standpunkte gedacht hätte, hätte er mehr Unterstützung von mir erhalten.

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