Mi., 03.04.2019

Marathon-Läufer Jan Kaschura will mit rotem Topf ins Guinness-Buch - Training für Hannover auf Weserradweg bei Höxter – mit Video »Der schnellste Koch Deutschlands«

Der Star ist der rote Topf: Koch Jan Kaschura (34) trainiert seit Wochen auf dem Weserradweg bei der Tonenburg und Höxter in Arbeitskleidung und mit Topf (hier am Internat Solling) für den Rekordversuch am 7. April beim Hannover-Marathon.

Der Star ist der rote Topf: Koch Jan Kaschura (34) trainiert seit Wochen auf dem Weserradweg bei der Tonenburg und Höxter in Arbeitskleidung und mit Topf (hier am Internat Solling) für den Rekordversuch am 7. April beim Hannover-Marathon. Foto: Michael Robrecht

Von Michael Robrecht

Höxter/Holzminden (WB). Wer die 42,195 Kilometer bewältigen will, braucht viel Willenskraft und Durchhaltevermögen. Kein Wunder, dass ein Marathon für Läufer die Königsdisziplin ist. Der 34-jährige Jan Kaschura will beim Hannover-Marathon aber nicht nur weit vorne die Ziellinie überschreiten, sondern hofft auch auf einen Eintrag ins »Guinness-Buch der Rekorde« – als schnellster Koch Deutschlands.

Kaschura, Souschef im »Internat Solling« in Holzminden, will in voller Kochkleidung und mit einem leeren 3,1 Kilogramm schweren roten Kochtopf in der Hand an den Start gehen. Der ambitionierte Ausdauersportler trainiert seit Monaten im Weserbergland für den großen Tag am 7. April. »Wenn ich in weißer Jacke, karierter Hose und meinem gusseisernen Topf an der Weser in Stahle, an der Tonenburg und Höxters Weserpromenade vorbei bis Wehrden beim Training entdeckt werde, dann ernte ich schon mal ungläubige Blick«, erzählt der quirlige blonde Koch der bekannten Internatsschule, wo er jeden Tag 250 Personen beköstigt.

2:30 Stunden seine Bestmarke

Auf die Idee, den Weltrekordversuch zu wagen, sei er gekommen als er von Terry Midgley gehört habe, der einen Marathon als Koch gekleidet gelaufen sei und mit der Zeit von 3:22 Stunden im Guinness-Buch stehe. »Ich habe als beste Zeit bisher 2:30 Stunden und 42 Sekunden beim Marathon in Münster geschafft, dann packe ich auch die 3:22 Stunden«, meint der Hobbysportler, den viele von seinen Erfolgen bei Läufen in Höxter, Lüchtringen, Kollerbeck, von seinem 4. Platz beim Hermannslauf und als Osterlauf-Botschafter von Paderborn kennen.

Neben dem Guinness-Buch-Ziel möchte Jan Kaschura mit seiner Aktion auch inhaltlich etwas unters Volk bringen: »Mit Schrecken habe ich gelesen und gehört, dass viele Köche durch lebenslangen Stress sowie ungesunde und unregelmäßige Ernährung, fehlende Bewegung, schlechte Luft in Großküchen mit hoher Fettbelastung und Übergewicht oft das Rentenalter gar nicht erreichen.« Deshalb wolle er die mediale Aufmerksamkeit des Kochtopf-Laufes nutzen, um auf die vielen Menschen unbekannte Problematik hinzuweisen. »Das ist mir ein wichtiges Anliegen.« Vielleicht bekomme er im Kampf gegen die »Rentenkiller« von Krankenkassen Unterstützung. »Mit Sport gesünder leben und das Essverhalten ändern«, das sei wichtig.

Rekordversuch in Hannover

Den Rekordversuch am nächsten Sonntag vor den Augen von mehr als 25.000 Läufern und zehntausenden Zuschauern in den Straßen von Hannovers Innenstadt hat der aus Preußisch Oldendorf stammende Holzmindener sehr gut vorbereitet. Er sei »heiß wie Frittenfett«, grinst er. Seine Frau Stella (33), sie ist Hauswirtschaftlerin, unterstützt ihren Mann wo sie kann. Jan Kaschura weiß: Wer beim Marathon eine gute Figur abgeben will, muss in den Monaten davor zwar nicht leben wie ein Top-Model. Aber: Zuviel Fleisch und fettes Essen sind bei ihm und den meisten Marathoni tabu. Vor allem abends verzichten viele Läufer auf Genüsse. Mit vollem Bauch macht Training morgens keinen Spaß, weiß auch Jan Kaschura. Dennoch gönne er sich ab und zu ein Glas Wein und esse immer reichlich, was jedoch durch das tägliche intensive Training bei ihm nicht ansetze, meint der 60-Kilo-Mann.

Am Internat am Solling, im Weserbergland Jahrzehnte als LSH und durch die Häuser mit fast britischer Optik und toller Weserbergland- und Köterberg-Sicht bekannt, sei er als Marathon-Koch schon seit zehn Jahren bekannt.

Die Schulleitung, das Küchenteam, die Internatsschüler und viele Eltern würden ihn ansprechen und nach der Roter-Topf-Aktion fragen. »Da ist plötzlich ein Topf der Star«, lacht Kaschura und freut sich über die große Wirkung einer kleinen Idee. Er habe auch gesehen, was der Feuerwehrläufer Mathias Schmidt aus Bredenborn mit seinen Aktionen in kiloschwerer Feuerwehrmontur auf die Beine stelle – demnächst beim Boston-Marathon oder bei seinem Benefizlauf am 25. Mai in Höxter.

Wer einen Marathon laufen will, der muss trainieren – und zwar ernsthaft. Mehrfach pro Woche laufen, insgesamt 50, eher 100 Kilometer in sieben Tagen: Für Jan Kaschura kein Problem. »Ich liebe das Laufen.« Der landschaftlich schön gelegen Weserradweg sei für ihn besser als jedes Trainingslager: »Ich bin halt ein Landkind.«

»Bad in der Menge hat reiz«

Der 34-Jährige ist »fit wie ein Turnschuh«, er beißt sich durch – will den Leistungssport aber nur noch eine überschaubare Zeit betreiben: Ein paar Mal möchte er noch auf Siegertreppchen stehen. Dieses Jahr hat er sich einige Läufe wie Paderborn, den Hermanns-Lauf oder den Firmenlauf in Höxter vorgenommen. Jan Kaschura gesteht, dass das Bad in der Menge bei den großen Läufen immer seinen Reiz habe: »Da wollen Kinder meine Hand, man wird angefeuert. Das ist doch herrlich.«

Beweis für Guinness-Buch

Sport zaubert immer ein zufriedenes Lächeln auf das Gesicht des Marathonläufers. Jan Kaschura mag es, seine Erfahrungen mit anderen zu teilen und schreibt regelmäßig auf seiner Facebookseite »Jan Kaschura« Berichte über das tollste Hobby der Welt. Er freut sich über die Resonanz. Am 7. April steht nun der streng geregelte Guinnessbuch-Rekordversuch in Arbeitskleidung an: Eine Generalprobe gab es in Koch-Kleidung beim Karnevalslauf in Steinheim. Der Ausdauerspezialist muss für Guinness World Records aber nicht nur die alte Zeit unterbieten, er hat zum Beweis auch Fotos oder ein Video vom Lauf vorzulegen – und der Topf, den hat er vom Kreissportbund Holzminden bekommen, wird vor dem Start und im Ziel genau gewogen. Er werde daher beim Lauf gefilmt, haben ihm die Hannover-Marathon-Veranstalter versprochen.

Zuschauer-Videos gesucht

Jan Kaschura, der auch Mitglied der Run-Artist Holzminden ist, hat eine Bitte: »Zuschauer können mir helfen. Ich brauche Fotos und Videos von der Strecke. Wer als Besucher beim Hannover-Marathon an der Strecke steht und meine weiße Kochmütze sieht, der sollte einfach das Handy draufhalten. Datenschutz ist mir vollkommen schnuppe.« Videos an: jan.kaschura@gmail.com

Marathon-Geschichte

Die Geschichte – besser die Legende – ist bekannt: Nach dem Sieg der Athener über die Perser 490 v. Chr. in der Schlacht von Marathon soll sich ein Läufer auf den knapp 40 Kilometer langen Weg nach Athen gemacht haben, wo er nach Verkündung seiner Botschaft (»Wir haben gesiegt«) tot zusammengebrochen ist. Unstrittig dagegen ist, was sich im Laufe des 20. Jahrhunderts aus dem Lauf über nun genau 42,195 Kilometer entwickelt hat: eine weltweite Marathon-Bewegung, die dieser sportlichen Herausforderung in den unterschiedlichsten Variationen nachgeht, seit 1908 immer über 42,195 Kilometer.

 

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