Bischof heißt erstmalig EKD-Ratsvorsitzenden im Kloster willkommen
»Botschaft von Jesus ist unschlagbar«

Höxter (WB). Aus der Landeshauptstadt Hannover ist der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Professor Dr. Heinrich Bedford-Strohm, mit Chauffeur in das kleine Höxteraner Schelpedorf Brenkhausen gereist – um dort auf einen »Freund der Ökumene«, Bischof Anba Damian, zu treffen. »Das ist eine Ehre und eine freudige Premiere, dass der EKD-Chef uns besucht«, bedankte sich der Kopten-Bischof.

Freitag, 26.04.2019, 13:34 Uhr aktualisiert: 26.04.2019, 13:46 Uhr
Zwei Christen in höchsten Leitungsfunktionen, die sich bestens verstehen und die auf die Nächstenliebe im Zeichen des Kreuzes setzen: Kopten-Bischof Anba Damian (links, als Hausherr des Klosters Höxter-Brenkhausen) und EKD-Chef Heinrich Bedford-Strohm aus Hannover als Ehrengast. Foto: Harald Iding
Zwei Christen in höchsten Leitungsfunktionen, die sich bestens verstehen und die auf die Nächstenliebe im Zeichen des Kreuzes setzen: Kopten-Bischof Anba Damian (links, als Hausherr des Klosters Höxter-Brenkhausen) und EKD-Chef Heinrich Bedford-Strohm aus Hannover als Ehrengast. Foto: Harald Iding

Schon bei vielen anderen offiziellen Terminen in Deutschland wären sich die beiden Geistlichen in den letzten Jahren begegnet. Und weil das Kloster sein 25-jähriges Jubiläum (Übernahme des sanierungsbedürftigen Gebäudekomplexes im Dezember 1993 durch die Kopten) feiern konnte, wollte der Vertreter der evangelischen Christen in Deutschland nun einmal persönlich den Amtssitz der Koptisch-Orthodoxen Kirche in Deutschland sowie die vielen Errungenschaften des Klosters in Augenschein nehmen.

Das WESTFALEN-BLATT nutzte die Gelegenheit, Heinrich Bedford-Strohm auf die Gemeinsamkeiten der beiden Religionen und auf die Chancen für die Zukunft anzusprechen. Bischof Damian lobte das Engagement des Ratsvorsitzenden: »In bin sehr fasziniert von seinem Charisma und seiner optimistischen Grundhaltung. Er versucht immer, stets einen Dialog mit den anderen zu führen und nicht auf Konfrontationskurs zu gehen.«

Viele Begegnungen

Der erstmalige Besuch in Brenkhausen habe für den EKD-Chef eine »persönliche Dimension«. Im Reformations-Jubiläumsjahr (Oktober 2017 jährte sich zum 500. Mal die Veröffentlichung der 95 Thesen von Martin Luther) sei Bischof Damian bei vielen Terminen dabei gewesen. »Er strahlt so viel Liebe aus. Die Liebe Jesu befindet sich im Zentrum. Und wenn man Menschen begegnet, die diese Liebe ausstrahlen, berührt das einen. Deswegen habe ich mal geschaut, wo dieses Höxter überhaupt liegt«, sagte der 59-jährige Bedford-Strohm, der aus Memmingen stammt und neben seiner Leitungsaufgabe in der EKD auch Landesbischof der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern ist.

Die besondere Beziehung zu den Christen in Ägypten sei zuletzt vertieft worden, als Professor Bedford-Strohm mit einer Delegation der EKD den koptischen Patriarchen von Alexandrien und Papst des Stuhls des heiligen Markus, Bischof Tawadros II., persönlich traf. In Kairo habe er zudem den Festvortrag bei der zentralen Veranstaltung der Evangelischen zum Reformationsjubiläum gehalten. »Seit diesen persönlichen Begegnungen fühle ich mich den Christen in Ägypten insgesamt sehr verbunden!« Man könne viel von deren Frömmigkeits-Traditionen lernen. »Das Glaubenswissen wird hier bei uns in den Familien immer weniger selbstverständlich weitergetragen. Wir müssen so viele Möglichkeiten wie denkbar nutzen – zum Beispiel den Religionsunterricht an Schulen.«

Humanität und Toleranz

Alle religiösen Traditionen müssten aus seiner Sicht ihre eigenen heiligen Schriften reflektieren – auch selbstkritisch. »Der Islam hat da im Moment besondere Hausaufgaben, weil es eben diese fürchterlichen Anschläge gibt, die im Namen des Islam begangenen werden. Von denen sich aber die Muslime in Deutschland aber in großer Schärfe distanzieren. Es ist wichtig, dass wir Orte haben, an denen diese Reflexion stattfindet und in denen Humanität und Toleranz auch religiös verwurzelt werden.« Deswegen befürwortet er einen öffentlichen Religionsunterricht in Deutschland – »das gilt für das Judentum, das Christentum und den Islam.«

»Jeder Kirchenaustritt ist einer zu viel«

Auf die zunehmende Zahl der Kirchenaustritte angesprochen, sagte Bedford-Strohm, dass die Zahlen von heute nicht mehr mit den Zahlen von 1950 vergleichbar wären. »Früher gehörte es zur Konvention und war selbstverständlich, in der Kirche zu sein. Wer damals ausgetreten ist, der musste soziale Sanktionen befürchten. Das ist heute nicht mehr der Fall. Heute sind die Menschen aus Freiheit Mitglied – und das ist auch gut so. Ich trauere den alten Zeit nicht nach. Dennoch – jeder Kirchenaustritt schmerzt und ist einer zu viel.« Man müsse heute mit Überzeugungskraft deutlich machen, wie wunderbar die Botschaft sei, die Jesus Christus verkündet habe. »Denn sie ist unschlagbar. Deswegen wird sie sich in der Zukunft auch ausbreiten!«

Spirituelle Bilder in Sonderausstellung

Seit gestern sind im Kloster Brenkhausen (Kreuzgang und Festraum) zu den üblichen Öffnungszeiten mehr als 40 ausdrucksstarke Werke der Künstlerin Jutta Schlier aus Kassel zu bewundern.

Die Malerin Jutta Schlier aus Kassel stellt noch bis Mitte August mehr als 40 farbenfrohe Bilder im Kloster aus.

Die Malerin Jutta Schlier aus Kassel stellt noch bis Mitte August mehr als 40 farbenfrohe Bilder im Kloster aus. Foto: Harald Iding

Die Sonderausstellung (sie läuft noch bis Mitte August) zeigt spirituelle wie farbintensive Bilder, alle auf Holz, die zum Verweilen einladen. Die lebensbejahende Künstlerin sagt: »Das meditative Malen wirkt vertiefend und wird zu einer ungezwungenen Ausdruckmöglichkeit mit Farben für das innere Erleben.«

Und etwa 60 Ikonen werden im Kloster noch bis einschließlich 26. April von der »Galerie Eisenlauer« präsentiert – von 10 bis 18 Uhr. Karl Eisenlauer steht dort als Experte (auch für eine Begutachtung kundeneigener Ikonen) zur Seite.

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