Ideen für Archäologiepark bei Corvey werden konkreter – Politikerin macht sich ein Bild
Hier schlummern Schätze im Boden

Höxter (WB). Barfuß über ein Stück des alten Hellwegs laufen, den früheren Stadtgrundriss mit Hilfe von Pflanzen erkennen und durch spezielle digitale Fernrohre auf die Corveyer Marktkirche blicken – das sollen Besucher der Landesgartenschau ab 2023 im Archäologiepark am Weserbogen können. Am Freitag sind erste konkrete Ideen für das Areal vorgestellt worden.

Freitag, 26.04.2019, 19:50 Uhr aktualisiert: 26.04.2019, 20:01 Uhr
Petra Lips hat sich von Bürgermeister Alexander Fischer (links), Christian Haase und Viktor Herz og von Ratibor (rechts) über den Archäologiepark informieren lassen. Foto: Marius Thöne
Petra Lips hat sich von Bürgermeister Alexander Fischer (links), Christian Haase und Viktor Herz og von Ratibor (rechts) über den Archäologiepark informieren lassen. Foto: Marius Thöne

Anlass war der Besuch der Bundestagsabgeordneten Patricia Lips (CDU). Sie sitzt im Haushaltsausschuss und ist zuständige Berichterstatterin für Denkmalförderung. Weil der Bund 3,5 Millionen Euro für das Areal zur Verfügung stellt, hat sich die Parlamentarierin an der Seite des heimischen Abgeordneten Christian Haase (CDU) ein Bild von den Planungen gemacht.

Dort wo einst die 1265 untergegangene Stadt Corvey stand, steht heute ein stillgelegtes Sägewerk, weitere Teile des Areals werden vom herzoglichen Haus als Ackerfläche genutzt. Nur knapp einen halben Meter unter der Oberfläche schlummern seit Jahrhunderten Überreste der spätroma­nischen Stadt Corvey.

Hellweg war die wichtigste Handelsstraße

Dieses »Pompeji vom Westfalen« soll in den nächsten Jahren mit einem Kostenaufwand von 5,17 Millionen Euro für Besucher sichtbar und erlebbar gemacht werden. Etwa dort, wo heute eine Scheune steht, verlief einst eine der wichtigsten Handelsstraßen – der Hellweg. »Mit 15 Metern Breite kann man durchaus von einer autobahnähnlichen Straße sprechen«, sagte Stadtarchivar Michael Koch.

Teile des alten Hellweges wurden schon einmal freigelegt.

Teile des alten Hellweges wurden schon einmal freigelegt. Foto: Stadtarchäologie Höxter

Archäologische Grabungen in den 1990er Jahren haben ergeben, dass das Pflaster des Hellweges noch erhalten ist. Höxters Baudezernentin Claudia Koch schwebt vor, dass Besucher über dieses Pflaster barfuß gehen können. »Wenn die Archäologen das mitmachen«, sagt sie einschränkend. Darüber hinaus soll der Grundriss der alten Stadt mit Bepflanzungen sichtbar gemacht werden.

Untersuchung des Geländes mit einem Quad geplant

Die Marktkirche, die einst das Zentrum der Stadt Corvey bildete und deren Grundrisse von Archäologen ebenfalls schon einmal freigelegt wurden, könnte mit Hilfe multimedialer Technik wieder aufgebaut werden. Besucher könnten sie durch spezielle Fernrohre erblicken. »Das wären Ziele, die sich bis zur Landesgartenschau umsetzen ließen«, sagte Claudia Koch am Freitag.

So sehen die Grundmauern des Hauptchores der Marktkirche von Corvey aus.

So sehen die Grundmauern des Hauptchores der Marktkirche von Corvey aus. Foto: Stadtarchäologie Höxter

Noch in diesem Jahr soll mit einer umfassenden archäologischen Untersuchung des Geländes begonnen werden. Große Teile sind nämlich noch nicht erforscht. Stadtarchäologe Andreas König erläuterte das so genannte Prospektionsverfahren. Das Areal soll mit einem speziell ausgerüsteten Quad befahren werden, das mit Hilfe von Sensoren Widerstände im Boden erfasst.

»Das funktioniert in etwa wie beim Ultraschall«, erläuterte König. Die Experten erhoffen sich dadurch Erkenntnisse über im Boden vorhandene Reste der mittelalterlichen Stadt.

Für eigenes Gebäude zur LGS ist kein Geld da

Anschließend soll ein Konzept für den Archäologiepark erarbeitet werden und bis zur Landesgartenschau erste Teile davon umgesetzt werden. Ein eigenes Gebäude, in dem Besucher etwas über die Geschichte des Areals erfahren, ist nach Angaben von Claudia Koch bislang aber nicht vorgesehen. »Dafür bräuchten wir mehr Geld«, so die Baudezernentin.

Dass es eine weitere Förderung aus Berlin geben könnte, wollte Patricia Lips am Freitag nicht ausschließen. »Wir bleiben in intensiven Gesprächen«, sagte sie.

Sowohl für Bürgermeister Alexander Fischer (SPD) als auch für Christian Haase ist der Archäologiepark ein wichtiger Teil der Stadtentwicklung. Haase verwies auf den anwachsenden Wassertourismus und Fischer auf das Alleinstellungsmerkmal in der Region. »Es gibt nicht viele Archäologieparks in Deutschland«, sagte der Bürgermeister.

Die Stadt Corvey

In der Nacht vom 15. auf den 16. Juli 1265 überfielen und plünderten bewaffnete Verbände des Paderborner Bischofs Simon zur Lippe, unterstützt von Corveyer Ministerialen und von der höxterschen Bürgerschaft, die Stadt und das Kloster Corvey. Anschließend steckten sie die Stadt in Brand. Damit war das Ende der aufstrebenden, mit Höxter konkurrierenden Stadt besiegelt.

Die ehemalige Stadt Corvey gehört zu den etwa 4000 Ortswüstungen in Westfalen, unter denen sich nur sechs mittelalterliche Städte befinden. Sie wird erstmals 1190 als nova villa in Corbeia (Neustadt in Corvey) überliefert. Gründer und Stadtherr war der Corveyer Abt.

Das Stadtareal umfasste – unter Einschluss des Klosterbezirkes im Nordosten und des Stiftes Niggenkerken im Südwesten – eine Fläche von 55 Hektar und war damit 13 Hektar größer als Höxter.

Das Siedlungsgeschehen konzentrierte sich im Bereich des Corveyer Weserbogens und vor der Westseite des Klosters. Die Hauptverkehrsachse bildete ein Abzweig des Westfälischen Hellweges, der auf die vor 1255 erbaute Weserbrücke zuführte und als Bruggestrate überliefert ist. Südlich der Hauptstraße lag im Bereich des heutigen Sägewerkgeländes die um 1150 erbaute Marktkirche. Die romanische Stadtkirche überstand die Zerstörung des Ortes und wurde erst 1512 aufgehoben.

In der Stadt lebten wahrscheinlich 2000 bis 2500 Einwohner. Demzufolge wäre Corvey in die Reihe der mittelalterlichen Mittelstädte einzugruppieren.

 

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